Samstag, 15. August 2015

Möwen greifen Urlauber in britischen Seebädern an

Möwen gehören zu britischen Seebädern wie die bunt gestreiften Liegestühle. Doch statt in Urlaubsstimmung versetzen die Vögel dieses Jahr viele Touristen in Angst und Schrecken. „Möwe stiehlt iPhone“ oder „Möwe wird zum Kannibalen“, lauten Schlagzeilen in der Boulevardpresse.

Foto: © APA/EPA

Aber auch die „Sunday Times“ berichtet über die Tiere: „Möwen-Gangs lernen neue Tricks, Ihren Strandimbiss zu stehlen“.

Heuer besonders dreist

Möwen sind Allesfresser und haben sich schon immer bei den Abfällen der Menschen bedient. Doch dieses Jahr sind die Vögel offenbar besonders dreist. „Das schlimmste, was ich gesehen habe, war eine Möwe, die sich auf dem Kopf einer alten Dame niederließ, die einen Hotdog hatte. Die Frau erschreckte sich, ließ den Hotdog fallen und die Möwe schnappte sich ihn“, erzählt Chris, der in einem Fish-and-Chips-Restaurant im Seebad Brighton arbeitet.

Bei Sonnenschein seien die Vögel besonders angriffslustig, hat er beobachtet. „Sie fressen alles, außer Zitronen und Tabascosauce“, erzählt ein anderer Zeuge einer Möwenattacke. „So schlimm wie dieses Jahr war es noch nie“, sagt auch Jack Messenger vom Strandlokal „Sea Haze Bar“.

„Vielleicht ist es gar nicht so schlecht für uns. Wenn die Möwen das Essen der Leute fressen, kommen die Kunden wieder und holen neues“, scherzt Messenger. Imbissstandbesitzer Cliff Faires nimmt es ebenfalls mit Humor: „Die Möwen wurden von Terroristen ausgebildet, da bin ich mir sicher“, witzelt er.

Vor Faires' Imbiss warnt ein Schild: „Möwen schnappen nach Ihrem Essen. Nehmen Sie sich in Acht. Wir übernehmen keine Verantwortung.“ Oft startet ein Vogel den Angriff – wenn die Pommes frites und der Fisch dann auf dem Boden liegen, stürzen sich Dutzende andere Möwen darauf.

Nicht nur Küstenorte sind von der Plage betroffen. Auch aus Städten im Inland wie Bath und Bristol werden Vorfälle gemeldet. Experten erklären die Angriffe damit, dass sich die Möwen zunehmend an das enge Zusammenleben mit den Menschen gewöhnten. Außerdem seien sie im Hochsommer, wenn sie Junge haben, besonders aggressiv.

Haustiere getötet

Diese Aggression bekamen auch Haustiere im Südwesten Englands zu spüren. Mit ihren harten Schnäbeln hackten Möwen dort bereits eine Schildkröte, ein Chihuahua-Hündchen und einen Yorkshire Terrier zu Tode. „Aus seinem Kopf sprudelte das Blut. Das war wie eine Mordszene“, schilderte die Besitzerin des Terriers, Emma Vincent, Reportern den Angriff. Die Zeitungsberichte beunruhigen selbst Premierminister David Cameron. „Wir haben ein Problem. Ich denke, wir müssen eine ausführliche Debatte darüber führen“, sagte er.

Möwen dürfen nicht gejagt werden. Der einzige Weg, sie zu dezimieren, ist, ihre Eier zu zerstören oder Raubvögel auf sie anzusetzen. Doch Tony Whitehead, der Sprecher der Königlichen Vogelschutzgesellschaft, sieht dafür keinen Anlass. „Ich denke nicht, dass die Hysterie gerechtfertigt ist“, sagt er. „Ich bin nicht damit einverstanden, dass eine ganze Vogelart wegen einiger weniger Vorfälle dämonisiert wird.“

Die Gemeinderätin Laura Mayes aus Südwestengland weist auf ein anderes Problem mit brütenden Möwen hin. „Was uns wirklich stört, ist der Lärm. Sie fliegen 24 Stunden kreischend über die Häuser“, sagt sie. „Niemals würden wir Nachbarn erlauben, die ganze Nacht Party zu machen. Aber genau so hört es sich an, wenn Möwen in der Nähe von Menschen leben.“

apa/afp

stol