<b>Von Albert A. Feldkircher</b><BR /><BR />Beim Eiskunstlauf kommt zuerst der Pflicht-Teil, dann die Kür. So können Sie das auch in Ihrem Leben sehen: Sie haben viele Jahre pflichtbewusst Ihren Beruf ausgeübt, Ihren Dienst an der Gesellschaft geleistet und laufend in die Pensionskasse eingezahlt. Jetzt kommt Ihre Zeit! <BR />Doch haben wir nicht einen passenderen Ausdruck für diesen Lebensabschnitt als „Pension“ oder „verdienter Ruhestand“? <BR /><BR />Ich jedenfalls wollte mit 65 nicht „ruhiggestellt“ werden. „Zeit der Ernte“ würde besser passen; denn diese letzte Lebensphase kann wirklich jene Zeit sein, in der die „Früchte“ geerntet – und genossen – werden. Und angesichts der gestiegenen Lebenserwartung, bei hoffentlich guter Gesundheit und aktiver Gestaltung, können sich für viele Menschen noch einmal ganz neue Perspektiven auftun oder lange gehegte Wünsche, Träume, Visionen umsetzen lassen.<h3> Wenn der Berufsalltag endet – ein einschneidendes Ereignis</h3>Kennen Sie den Loriot-Film „Pappa ante portas“? Dieser überzeichnet bewusst, aber er zeigt auch, dass mit dem Eintritt in die Pension große Veränderungen einhergehen. Nicht nur für die Person, Mann oder Frau, die in den Ruhestand tritt, sondern für das gesamte Umfeld: Lebenspartner, Kinder, Enkel, Freunde, Bekannte …<BR /><BR />Für mich als Selbstständiger war der Übergang in die Pension ein schleichender. Ich habe meine Arbeitszeiten sukzessive reduziert und mir damit Freizeiten „freigeschaufelt“. Irgendwann habe ich auch aufgehört, Werbung für meine Arbeit zu machen, sondern nur noch selektiv Aufträge angenommen. Und mit Ende dieses Jahres werde ich auch die Männerberatung im Rahmen der Beratungsstellen des Ehe- und Familienzentrums zurücklegen. Das bedeutet dann wirklich Pension für mich.<BR /><BR /><BR />Zugegebenermaßen nicht leicht gefallen ist mir das – bis jetzt zumindest teilweise – Ausräumen meines Büros. Was hat sich in über 25 Jahren angesammelt an Arbeitsunterlagen? Doch ich empfinde jetzt auch Erleichterung, dass mein Arbeitsplatz „schlanker“ geworden ist. Vielleicht war das Ausräumen auch eine gute Übung für das, was diese Lebensphase von uns fordert: Loslassen, sich verabschieden – von liebgewonnenen Menschen und Dingen. <BR /><BR />Die Kür könnte nun damit beginnen, sich auf diese verbleibende Lebenszeit einzustellen. Zu wissen, dass der größte Teil des Lebens hinter einem liegt, führt zu einem veränderten Blick auf die Gegenwart. Das bedeutet, das Hier und Jetzt bewusst wahrzunehmen und zu genießen. Frühere Verpflichtungen in Beruf, Ehrenamt und Familie fallen weg, der Aktionsradius wird kleiner. Und man konzentriert sich auf das, was wirklich wichtig ist: die gemeinsame Zeit mit dem/der Partner/in, die Gesundheit und Fitness, die Enkelkinder (bei mir bald Urenkel!), Hobbys und Zeit mit Freunden.<BR /><BR />Und in Gesprächen mit anderen Männern erkannte ich, wie sie mit dem Eintritt in die Pension klarkamen, was ihnen wichtig wurde. <h3> Mehr Zeit und neue Chancen – darauf sollten Sie achten:</h3><b>Rhythmus:</b> Viele der Befragten sagten mir, dass sie sich einen passenden Tagesablauf zurechtgelegt und sich daran gehalten haben – etwa morgens um 7 Uhr aufstehen, Morgenspaziergang (frische Brötchen holen beim Bäcker, oder mit dem Hund gehen), auch regelmäßige Essens- und Ruhezeiten (das beliebte Mittagsschläfchen z.B.). Andere wiederum genießen es, einmal ganz anders den Tag zu verbringen, frei zu sein und losgelöst von Strukturen. <BR /><BR /><b>Freiräume und Zeit zu haben, ist ein Wert.</b> Doch alles, was wir zu viel haben, erscheint dann nicht mehr so viel wert. Daher gilt es, die Zeit mit Sinn zu füllen. Aber Achtung! Wichtig ist auch, hier genau abzugrenzen. Denn viele Menschen meinen, dass man nun mehr Zeit hat – nämlich nur für sie.<BR /><BR /><b>Zusammenleben:</b> Vieles, was während der Berufszeit durch die Distanzen mitunter nicht spürbar war, könnte jetzt in den eigenen Beziehungen zum Konfliktpunkt werden. Hier ist die Rede von Unterschiedlichkeiten, Gewohnheiten, Interessen. Und das Gespräch darüber wird wichtig.<BR /><BR /><b>Sexualität:</b> Sie verändert sich von der Lust und Leidenschaft zum Ritual der Zugehörigkeit. Nähe, Berührung, Zärtlichkeit werden wichtiger als das Miteinanderschlafen. Aber: Sex bleibt ein Lebenselixier – auch im Alter.<BR /><BR /><b>Ehrenamtliche Tätigkeiten:</b> Das ist eine Möglichkeit, einen Teil der frei gewordenen Zeit sinnvoll zu investieren. Und tatsächlich machen das viele Menschen mit großer Freude in diesem Lebensabschnitt. Auch weil so neue Beziehungen entstehen. <BR /><BR /><b>Perspektiven:</b> Der neue Lebensabschnitt kann auch ganz neue Möglichkeiten erschließen – etwa sich einen Kindheitstraum zu erfüllen. Manche legen sich Tiere zu, andere gestalten den Garten zum Erholungsparadies. Manche beginnen auch zu malen, fotografieren, filmen, schreiben oder lernen sogar eine neue Fremdsprache. Und: Für Unternehmungen mit ihren Enkelkindern nehmen sich alle Großväter gerne Zeit.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004402_image" /></div>