Mittwoch, 06. Januar 2021

Nach „KZ“-Äußerung: RTL schneidet Wendler aus „DSDS“ raus

Nach der Äußerung von Michael Wendler über Deutschland als „KZ“ schneidet RTL den umstrittenen Schlagersänger aus der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ heraus. Das kündigte der Sender am Mittwoch in Köln an. In der Frühphase der aktuellen Staffel sitzt der 48-Jährige in der Jury, am Dienstag lief die erste Folge.

Der „DSDS“ ausstrahlende Sender RTL distanzierte sich erneut scharf von Michael Wendler und seinen Äußerungen. (Archivbild)
Der „DSDS“ ausstrahlende Sender RTL distanzierte sich erneut scharf von Michael Wendler und seinen Äußerungen. (Archivbild) - Foto: © APA/dpa / Rolf Vennenbernd
Man werde Wendler „sofort aus dem Programm“ nehmen – selbst wenn dabei für die Zuschauer „sichtbare, dramaturgische Lücken entstehen“. „Wir verurteilen jegliche Form von Antisemitismus, Rassismus sowie Diskriminierung auf das Schärfste“, erklärte RTL-Geschäftsführer Jörg Graf.

Es geht aber nicht um Äußerungen in der aufgezeichneten Sendung, sondern um Nachrichten im Messengerdienst Telegram. In einem Statement Wendlers am Mittwoch in einem sozialen Netzwerk räumte er die „KZ“-Äußerung ein, jedoch sei angeblich „KZ“ eine Abkürzung für „Krisen Zentrum“. Der „DSDS“ ausstrahlende Sender RTL distanzierte sich erneut scharf.

Der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker sagte, Wendler gehöre nicht ins Fernsehen: „Wer die notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Deutschland mit einem KZ gleichsetzt und damit die Shoah derart relativiert, der sollte nicht von Woche zu Woche einem Millionenpublikum als Juror vorgesetzt werden.“ „DSDS“ solle abgebrochen werden – es sei denn, RTL finde einen Weg, die aufgezeichneten Folgen auch ohne Wendler zu zeigen.

„Äußerungen bewegen sich im Bereich der Holocaust-Relativierung“

„Die Aufregung um die Auftritte von Michael Wendler bei 'DSDS' verschaffen ihm und seinen kruden Verschwörungsmythen noch mehr Aufmerksamkeit“, sagte die NRW-Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger der dpa. RTL solle prüfen, wie es seiner Verantwortung gerecht werde. „Michael Wendlers Äußerungen bewegen sich im Bereich der Holocaust-Relativierung. Diesem ernsten Fall muss auch mit entsprechender Ernsthaftigkeit beim Sender begegnet werden.“

Auslöser waren Äußerungen des Sängers, der seit Wochen die deutsche Corona-Politik kommentiert. Medien zeigten am Dienstagabend Screenshots von Telegram, auf denen „KZ Deutschland??? Es ist einfach nur noch dreist was sich diese Regierung erlaubt!“ zu lesen war.
Wendler ist trotz eines Bruchs mit RTL in der neuen „DSDS“-Staffel zu sehen, weil viele Folgen mit ihm schon aufgezeichnet waren, bevor er begann, öffentlich teils bizarr über Corona-Politik zu sprechen.
Am Dienstagabend schrieb RTL im Internet: „Wir lassen uns eine erfolgreiche Show nicht von einem Verschwörungstheoretiker zerstören.“

dpa