Montag, 23. September 2019

„Nachts baden“: Maria Furtwängler spielt „crazy Pola“

Eine exaltierte Rocksängerin und eine brave BWL-Studentin, kann das gut gehen? Im Film „Nachts baden“ sind Maria Furtwängler und Tijan Marei als Mutter und Tochter zu sehen, die unterschiedlicher nicht sein können – und deshalb heftig aneinander geraten.

Furtwängler spielt eine durchgeknallten Rocksängerin und Mutter einer braven Studentin.
Furtwängler spielt eine durchgeknallten Rocksängerin und Mutter einer braven Studentin. - Foto: © APA/DPA

Sie ist „crazy Pola“, attraktiv, wild und verrückt. Ein Rockstar eben. Auch wenn ihre Karriere zuletzt nur noch so dahin dümpelte, hält sich die Sängerin für unwiderstehlich und lebt Launen und Gefühle hemmungslos aus. Peinlich, findet ihre Tochter Jenny, die trotz Panikattacken eine gutorganisierte, zielstrebige BWL-Studentin ist, der komplette Gegenentwurf zu ihrer Mutter. Als die Frauen in Polas Finca auf der spanischen Insel Mallorca unerwartet aufeinander treffen, kommt es zum Eklat, bei dem sich enttäuschte Erwartungen, verletzte Gefühle und jahrelang aufgestauter Frust Bahn brechen.

„Nachts baden“ ist ein sehenswerter Fernsehfilm in der flirrenden Hitze des spanischen Sommers mit Maria Furtwängler und Tijan Marei in den Hauptrollen, zu sehen am kommenden Mittwoch, 25. September, um 20.15 Uhr im Ersten.

Regisseurin Ariane Zeller hat ein emotionales und intensives Mutter-Tochter-Drama inszeniert, ruhig erzählt und mit schöner Musik. Auch Maria Furtwängler greift zur Gitarre und singt, ein sehr intimer Moment voller Sehnsucht und Hingabe, aber selten.

Meistens ist Pola einfach nur anstrengend und Jenny unglaublich genervt. „Eine wahnsinnig coole Mami, die nur stresst, alles dreht sich immer nur um sie und ihre verdammte Show“, schimpft die 21-Jährige. „Das letzte Mal hat sie mir den Abiball versaut.“ Pola dagegen hält die Studentin für verklemmt, spießig, eine Spaßbremse, nicht zuletzt, weil sie nicht verstehen kann, warum Jenny mit ihrem mitgereisten Kommilitonen Kasimir (Jonathan Berlin) keine Affäre beginnt.

Furtwängler hat die Rolle genossen

Furtwängler hat die Rolle der durchgeknallten Rocksängerin genossen. „Sie ist von so einer lässigen Exaltiertheit, ihr ist nichts peinlich“, sagte die Schauspielerin der Deutschen Presse-Agentur. Als Pola durfte sie sich hemmungslos ausleben. „Für mich war das erstrebenswert, auch mal eine Figur zu spielen, die nicht von Moment eins unsere Freundin werden würde, weil wir sie ein bisschen zu extrem finden und auch anstrengend.“

Nervig ist allein schon die Sprache, in die sie zum Beweis ihrer Weltläufigkeit immer wieder englische Worte mischt. „Oh Lord, ich bin happy, weil meine kleine Jenny mal wieder hier ist. Thanks für diesen Abend“, jubelt Pola.
„Nachts baden“ nimmt sich Zeit, auf die Befindlichkeiten der Figuren einzugehen und hat viele intime, nachdenkliche Momente. Hinter Polas aufgeregter Betriebsamkeit verbirgt sich eine Frau, die sich nach Liebe und Anerkennung sehnt, die aber nicht akzeptieren kann, dass ihre Tochter so ganz anders ist, als sie.

„Wir müssen damit leben, dass Dinge sich ändern“

So hält sich Pola an Kasimir, der von den Aufmerksamkeiten der Sängerin geschmeichelt ist. Jenny kann Polas ständige Dramen kaum mehr ertragen und beschließt, sich auf ihre Art zu rächen. Was sie sich wirklich wünscht: Dass ihre Mutter endlich bedingungslos zu ihr steht.

„Viele Eltern können nicht damit umgehen, dass das Kind anders wird, als man sich das so vorgestellt hat. Es trotzdem zu respektieren und zu lieben, das ist eine Herausforderung“, berichtete Furtwängler auch aus eigener Erfahrung mit ihren mittlerweile erwachsenen Kindern. „Wir müssen damit leben, dass Dinge sich ändern. Das ist schmerzhaft. Die Enge und Nähe, die wir zu unseren Kindern hatten, ist in der Form nicht haltbar.“ Was hilft? „Ein Aufgehobensein im Beruf und ein Spaß an vielen Tätigkeiten. Und dennoch gibt es Momente, wo man sich erinnert und denkt, ach schade.“

dpa

stol