<b>Von Miriam Roschatt</b><BR /><BR />Sie richten ihre Kamera auf Dinge, die für die meisten kaum einen zweiten Blick wert sind – Busse und Züge. Aaron Malfertheiner aus Bozen und Tobi aus dem Überetsch sind sogenannte „Spotter“.<BR /><BR />Der Begriff leitet sich vom englischen „to spot“ ab und bedeutet so viel wie beobachten, sichten, orten, lokalisieren. „Spotter“ sind demnach Personen, die gezielt etwas beobachten – meist spezielle Objekte, Tiere oder Phänomene. In der Regel halten sie diese auf Fotos oder Filmaufnahmen fest. Manche haben es – so wie Aaron Malfertheiner und Tobi – auf Transportmittel abgesehen: Züge, Busse, Flugzeuge, Autos oder sogar Schiffe. Andere richten ihr Augenmerk auf die Tierwelt und dokumentieren unterschiedliche Vogelarten. Wieder andere fangen spektakuläre Wetterphänomene und -ereignisse ein. <BR /><BR />„Spotter“ sind in Südtirol eher selten anzutreffen, doch weltweit erfreut sich das Hobby großer Beliebtheit. Die Größe der Gemeinschaft lässt sich allerdings nur annähernd über Online-Communitys und die Aktivitäten in sozialen Medien einschätzen. 2273 Follower auf Instagram hat etwa der Bus-„Spotter“ Aaron Malfertheiner.<h3> Aaron Malfertheiner ist fasziniert von Bussen</h3>Bereits als Kind war Aaron Malfertheiner fasziniert von den rollenden Riesen: „Angefangen hat alles mit Spielbussen, später dann interessierte ich mich für echte Busse“, berichtet der gebürtige Bozner. Auch die Busfahrpläne hatten es Malfertheiner schon früh angetan. Während er sie heute digital verfolgt, vertiefte er sich damals in das mehr als 200 Seiten dicke Fahrplanbuch von „südtiromobil“. In der Schule und im Freundeskreis sprach sich seine Fahrplan-Expertise schnell herum – wer wissen wollte, wie man mit dem Bus quer durch Südtirol kam, wandte sich an Aaron. Vor sechs Jahren begann Malfertheiner dann auch, in ganz Bozen Busse zu fotografieren – und wurde damit zum „Busspotter“. Über 400 Bus-Bilder hat er bereits auf seiner Instagram-Seite „busspotting_bozen“ veröffentlicht. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1217766_image" /></div> <BR />Zu den Bildern veröffentlichte er immer auch Angaben zum Busmodell und zur Linie, auf der der Bus zum Zeitpunkt der Aufnahme unterwegs war. Seit einem Jahr lädt Malfertheiner jedoch keine aktuellen Bilder mehr hoch, weil er nach Innsbruck gezogen ist. Dort lebt und arbeitet er inzwischen als Busfahrer für die Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB) – und erfüllt sich damit einen lang gehegten Berufstraum, den heutzutage nicht mehr viele junge Menschen haben. Malfertheiner aber liebt seinen Job. „Als Busfahrer trägt man extrem viel Verantwortung. Gleichzeitig freut es mich am Feierabend, zu wissen, dass ich wieder viele Menschen sicher ans Ziel gebracht habe – über die Woche hinweg sind es sogar über tausend, die ich zuverlässig durch die Stadt transportiere.“ Derzeit steuert der junge Mann für die Innsbrucker Verkehrsbetriebe sowohl 18 Meter lange „Ziehharmonika-Busse“ als auch zwölf Meter lange Busse: „Das sind alles Citaro-Busse von Mercedes-Benz, dieselben Modelle wie die gelb-grauen SASA-Busse in Bozen – nur dass sie rot lackiert sind“, erklärt der Bus-Fan.<BR /><BR />Die Hersteller, die Farben und das Design – all das fasziniere den Bozner schon lange an Bussen. „Besonders spannend sind für mich die Details wie Scheinwerfer, Lichter, Spiegel oder Türen – all das prägt das äußere Erscheinungsbild“, beschreibt er seine Passion und verrät, welches Busmodell ihn seit Jahren am meisten begeistert: „Es sind die Busse vom polnischen Hersteller ‚Solaris‘, das sind in Bozen diese weiß-grauen emissionsfreien Busse, also die Wasserstoffbusse, die sehr modern aussehen.“ Für viele ist Aarons Leidenschaft für Busse nach wie vor schwer nachzuvollziehen. Doch das stört den Bozner nicht. Im Gegenteil. „Das kann ich sogar verstehen. Deshalb erkläre ich mich auch gerne“, zeigt sich der 22-Jährige offen.<h3> Tobi aus dem Überetsch hat eine Passion für Züge</h3>Tobi (16) hat hingegen ein Faible für Züge aller Art. Der Überetscher möchte anonym bleiben und sein Gesicht nicht zeigen – zu oft schon wurde er für seine Passion belächelt. Dennoch will er anderen Mut machen: „Niemand sollte sich für dieses Hobby schämen müssen“, betont er und richtet seine Worte besonders an jene, die sich von unguten Kommentaren verunsichern lassen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1217769_image" /></div> <BR />Schon als Kind schlug Tobis Herz für Züge – besonders für Modelleisenbahnen. Auch Fahrten in echten Zügen liebte er damals schon. „Aus dem Zugfenster betrachtet man das Land aus einer ganz anderen Perspektive“, schwärmt der 16-Jährige von der Schönheit einer Zugfahrt. Heute gilt seine Leidenschaft vor allem der Zugfotografie. Inspiriert von „Trainspottern“, die ihre Aufnahmen in den sozialen Netzwerken teilen, betreibt Tobi mittlerweile ein Instagram-Profil („trainsby_tobi“) und einen YouTube-Kanal („Brenner Rail“). „Am meisten faszinieren mich die farbigen Lackierungen und Beklebungen der Züge – darauf achte ich beim Fotografieren ganz genau“, erzählt er. <BR /><BR />Für sein Hobby fährt der 16-Jährige mehrmals die Woche zusammen mit einem Freund an ausgewählte Orte in ganz Südtirol und Nordtirol, an denen sich Züge besonders gut fotografieren lassen. Und gelegentlich grüßen vorbeifahrende Lokführer, von denen Tobi mittlerweile einige kennt, ihn mit Lichtzeichen. Rund 30 Stunden pro Woche verbringt Tobi im Schnitt mit seinem Hobby. Wofür? „Ich sehe mich als Archivar: Mit meinen Fotografien bewahre ich Geschichte, Wandel und Kultur.“ Bald schon möchte der Überetscher seine Passion zum Beruf machen. „Mein großer Traum ist es, Lokführer für Güterzüge zu werden. Die Ausbildung dafür möchte ich in Kufstein und München bei ‚Lokomotion Rail‘ absolvieren“, verrät der 16-Jährige strahlend. Bis es so weit ist, ist er aber vor allem eins: ein junger Zug-Fan, der sich von niemandem die Freude an seiner Passion nehmen lässt.