<b>Von Christoph Höllrigl</b><BR /><BR />Unzufrieden mit dem faden Braun? Dann einfach ab zur Keratopigmentierung, auch Hornhaut-Tattoo genannt – und nach dem Eingriff erstrahlen die Augen in einem „Magical Grey“, „Aqua Green“ oder eben „Classic Blue“. Diese Eingriffe zur Augenfarbenveränderung werden derzeit verstärkt in sozialen Medien wie Instagram oder TikTok beworben – was in der Fachwelt der Augenärzte für besorgtes Stirnrunzeln sorgt.<h3> Teils große Risiken</h3>So auch bei Dr. Philipp Überbacher, Facharzt für Augenheilkunde mit Praxis in Bozen, der gleich vorausschickt: „Aus augenärztlicher Sicht muss ich mich grundsätzlich ganz klar gegen diesen Trend aussprechen.“ Denn er erklärt: „Die Hornhaut ist ein durchsichtiges Medium. Wenn man diese durch eine Keratopigmentierung einfärbt, kann das Licht nicht mehr ungehindert einfallen, was zu Nebeneffekten führt.“<BR /><BR />Und diese Nebeneffekte würden laut Dr. Überbacher unterschätzt, seien sie doch zum Teil gravierend. Einerseits könne man vermehrt geblendet sein und am Abend bzw. im Dunkeln schlechter sehen, weil weniger Licht ins Auge falle. „Dieser Effekt ist unumkehrbar. Man muss sich also bewusst sein, dass man etwas macht, das nicht rückgängig gemacht werden kann und womit man danach schlechter sehen wird.“ Aus rein ästhetischer Sicht weiß der Augenarzt außerdem: „Das sieht total unnatürlich aus – von wegen schöne, natürliche blaue Augen!“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1238436_image" /></div> <BR />Besonders „ins Auge“ fällt dem Experten aber ein weiteres Risiko, das nicht unmittelbar eintritt: „Irgendwann einmal im Leben haben viele Menschen eine Erkrankung am Auge, z.B. einen grauen Star, die eine Operation nötig macht. Für den Augenarzt bedeutet das, dass jede Operation, die zuvor Standard war, plötzlich extrem schwierig werden kann und potenziell mit Komplikationen einhergehen kann.“ <h3> In Südtirol keine Anbieter</h3>Während verschiedene Ärzte bzw. Kliniken das Verfahren zur Augenfarbenveränderung mittlerweile in Spanien, Frankreich, Rumänien oder auch in Italien anbieten, weiß Dr. Überbacher nichts von Anbietern in Südtirol. „Kein seriöser Augenarzt kann das anbieten, und die ophthalmologischen Gesellschaften in ganz Europa sprechen sich strikt dagegen aus.“<BR /><BR />In gewisser Weise sinnlos ist der Trend nicht zuletzt deshalb, weil es eine naheliegende – und risikofreie – Lösung für den Wunsch nach einer anderen Augenfarbe gibt: farbige Kontaktlinsen. „Linse rein, Linse raus – und es ist nichts passiert“, fasst diese Alternative auch Dr. Überbacher zusammen und warnt nochmals eingehend vor der anderen Variante.<BR /><BR /><embed id="dtext86-72287891_listbox" />