<b>Von Christoph Höllrigl</b><BR /><BR />Cool im Mundwinkel platziert und gesundheitlich vollkommen unproblematisch … Wer Jugendliche oder Erwachsene mit einem Zahnstocher zwischen den Lip<?TrVer> pen sieht, könnte schnell zu dieser Einschätzung kommen. Nur: Ganz so bedenkenlos sind die dünnen Hölzchen nicht, falls sie zu jener Kategorie gehören, die derzeit auf TikTok und Co. im Trend liegen: Zahnstocher mit Geschmack oder solche, die in Nikotin getränkt sind.<BR /><BR />In Bayern wurde das unlängst gar zum (Bildungs-)Politikum. An ei<?TrVer> ner Schule in München wurden Zahnstocher verboten, nachdem immer mehr Jugendliche damit aufgegriffen worden waren. Aber auch auf anderen Schulhöfen in Deutschland sind die Zahnstocher vermehrt anzutreffen, worüber zahlreiche Medien berichteten.<BR /><BR /><h3> Woher der Trend kommt</h3>Angefangen hat der Trend eher harmlos, als vor Monaten vermehrt Zahnstocher mit Geschmack auf den Markt kamen – ohne Nikotin. Auf TikTok und Instagram gab's bald erste Promis und Influencer, die sich im Zahnstocher-Look zeigten. Und irgendwann waren die Hölzchen dann zudem mit Nikotin erhältlich, wie u.a. die „Apotheken Umschau“ berichtete. Online ist aus dem Ausland praktisch alles bestellbar.<h3> Was so problematisch ist</h3>Beworben werden die Nikotinzahnstocher eigentlich als Mittel, um mit dem Rauchen aufzuhören. Gerade bei Jugendlichen kann aber das Gegenteil passieren: Sie regen zum Nikotinkonsum an bzw. unterstützen weiteres Suchtverhalten. Das ist auch der zentrale Kritikpunkt von Suchtforschern. Außerdem ist optisch nicht zu unterscheiden, ob ein Zahnstocher „nur“ aromatisiert ist oder auch in Nikotin getränkt wurde. „In einem Nikotinzahnstocher stecken zwei bis sechs Milligramm Nikotin, in einer Zigarette sind ungefähr zwei Milligramm“, erklärte Dr. Andrea Rabenstein, Suchtmedizinerin des LMU Klinikums München, dem „Bayerischen Rundfunk“. Indem man am Zahnstocher <?Uni SchriftWeite="93ru"> lutscht <?_Uni> oder darauf herumkaut, gelangt das Nikotin über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf.<BR /><BR /><h3> Koler: Zusätzliches Produkt</h3>Ganz neu ist der Trend laut Peter Koler, Direktor des Forums Prävention, nicht. „Zahnstocher mit Geschmack, also etwa mit Mentholgeschmack, gibt es schon et<?TrVer> was länger. Jetzt kommen eben die Nikotinzahnstocher hinzu“, betont er und erklärt: „Alles war am Anfang zur Rauchentwöhnung – auch die Vapes. Nur ist das irgendwann einmal gekippt.“ Die Angebotslogik der Tabakindustrie laute eben: „Natürlich wollen wir neue Konsumenten.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1265805_image" /></div> <BR />Insofern sieht Koler die Nikotinzahnstocher als „zusätzliches Produkt in dieser neuen Produktpalette mit nikotinhaltigen Applikationsformen, die mit Tabak großteils nichts mehr zu tun haben, weil gar kein Tabak mehr drinnen ist, aber das Nikotin.“<BR /><BR /><h3> Die Rolle der sozialen Medien</h3>Als problematisch erachtet der Direktor des Forums Prävention die Genese solcher Trends – und vor allem die Weitergabe über so<?TrVer> ziale Medien. „Sonst hat der Nikotinzahnstocher nämlich wenig Möglichkeiten, sich zu verbreiten.“ Neue Produkte – wie letzthin Vapes und Pouches (Beutel mit Nikotin oder synthetischem Nikotin) – würden so etabliert. „Da sind wir beim Influencer-Effekt und der Ebene des Umgangs mit sozialen Medien; sei es für Jugendliche, aber auch für Eltern“, unterstreicht Koler.<BR /><BR />Die Frage danach, welche Inhalte ab welchem Alter Kinder und Jugendliche in welcher Form beeinflussen und wie man damit am vernünftigsten umgeht, sei im Sinne der Prävention also von großer Bedeutung. Darauf setze das Forum Prävention nicht zuletzt mit dem sogenannten Smartphone-Führerschein in Zusammenarbeit mit der Landesdirektion der deutschsprachigen Grund-, Mittel- und Oberschulen. Und auch in Sachen Nikotinkonsum klären Koler und sein Team Jugendliche und Eltern gleichermaßen auf – seit einigen Tagen mit einer neuen Broschüre.<h3> Falkensteiner: Auch Familien in der Verantwortung</h3>Was die Zahnstocher mit Geschmack bzw. Nikotin betrifft, betont Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner: „Ich habe zu diesem Trend von Südtiroler Schulen noch nichts gehört.“ Sie schlägt diesbezüglich aber in dieselbe Kerbe wie Peter Koler und setzt auf Sensibilisierung. Dabei gehe es einerseits um Aufklärung im Umgang mit sozialen Medien, aber auch um die Diskussion mit den Schülern, „was gutes Benehmen ausmacht“, unterstreicht Falkensteiner. Ein Zahnstocher im Mund oder ein flapsiges „Du“ zu jedem Erwachsenen gehörten jedenfalls nicht dazu. Zum The<?TrVer> ma Nikotin und Sucht werde in den Schulen außerdem im entsprechenden Rahmen informiert und aufgeklärt, „aber ich sehe hier die Familien ebenso in der Verantwortung“, so Falkensteiner.<BR /><BR />Übrigens: Sollten die aromatisierten oder nikotingetränkten Zahnstocher an heimischen Schulen vermehrt auftreten, könnte durchaus ein gezieltes Verbot folgen. So weit soll es aber dank Sensibilisierung gar nicht erst kommen.