Brigitte bestreitet ihren Alltag mit einer beeindruckenden Willensstärke. Diese Eigenschaft prägt ihr ganzes Leben. Schon von klein auf legt Brigitte großen Wert auf Ordnung. Für sie muss alles seinen festen Platz und seine Richtigkeit haben. <BR /><BR />Geboren wurde sie als 3te von neun Kindern auf dem Gögelehof, weit oberhalb von ihrem jetzigen Heimathof. Eine Stunde Gehzeit bis zur Schule nach Platt im Winter durch den knietiefen Schnee war für Brigitte nie ein Problem. Sie war von klein an eine starke Frau: körperlich und geistig, pflichtbewusst und sehr arbeitsam. Bereits als junges Mädchen arbeitete sie im Gastgewerbe im In- und Ausland, um ihren Eltern finanziell unter die Arme zu greifen. <h3> Sepp litt immer häufiger unter Kopfschmerzen</h3>Mit 18 Jahren hat sie Sepp auf dem „Pfelderer Kirchtig“ kennengelernt. 1,5 Jahre später wurde geheiratet und sie zog auf den Moar-Hof. Nach und nach kamen die Kinder: Reinhard, Stefan, Siegrid, Luis, Margit und Hans. Sepp litt immer häufiger unter Kopfschmerzen. Brigitte wusste, dass etwas nicht stimmte. Immer wieder fuhr sie mit Sepp ins Spital, doch sie erhielten nie eine Diagnose: „Frau Gufler, Kopfschmerzen hat öfters jemand. Vielleicht liegt das Problem bei Ihnen.“ Dieser Vorwurf war für Brigitte sehr schlimm. <BR /><BR />Ein Augenarzt diagnostizierte schließlich einen Tumor im Kopf. In Innsbruck wurde Sepp dann operiert. Von da an brauchte er viel Hilfe im Alltag. Dann ein weiterer Schrecken. 1988 brannte das Bauernhaus, verursacht durch einen Kurzschluss, komplett nieder. Brigitte verlor alles. „Man isch kuen Mensch meahr, man ist oenfoch ein ormer Mensch“, erinnert sie sich. Ihr ganzes Hab und Gut war weg. Die Schultaschen der Kinder konnte sie noch retten, das war Brigitte wichtig. <BR /><BR />Es begann eine Zeit der Ungewissheit. Für kurze Zeit lebten sie bei Sepps Bruder. Dann richteten sie sich eine provisorische Bleibe in der Garage ein. Bereits damals musste Brigitte vieles allein bewältigen. Alles war schwierig, die Schulden, vieles am Hof war nicht geklärt, der Wiederaufbau. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1146042_image" /></div> Sepp war zu schwach, um Brigitte zu helfen. Eine große Stütze waren ihre Kinder. „Ohne meine Kinder hett i so eppes nia dorrichtet!“ Ihre Söhne lernten Maurer, ihre Töchter besuchten die Handelsschule. 1991 kamen die ersten Gäste, obwohl noch nicht alles fertig war, doch sie brauchte das Geld. „Wir hobm ollm lai gezohlt, von der Versicherung hobm mir net viel gekrieg! Hot holm ghoaßn: a Versicherung brauchts net!“ <h3> Brigitte gab nie auf</h3>Es folgten Jahre harter Arbeit. Brigitte gab nie auf, irgendwie schaffte sie es: das Finanzielle, den Hof, das Bürokratische, die Pflege von Sepp. „Er hot no geterft leben, wir hobm insor beschts geton.“ Im Jahr 2008 verstarb Sepp nach langer Krankheit. <BR /><BR />Heute bewirtschaftet der älteste Sohn Reinhard mit seiner Frau Margit den Milchviehbetrieb. 23 Stück Vieh stehen im Stall. Die 69jährige Bäuerin hilft noch tatkräftig mit, sie betreut vor allem die Gäste. Am Hof gib es acht Zimmer mit Halbpension. „Schoffn tiemor olle mitanodor, wir mochn olls noch System, und so geats guet!“, sagt Brigitte. „I hon sofl a Freide, wenn olls schien und saubor isch, des gib mir Kroft und Lebensfreide. I tua gearn orbetn!“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1146045_image" /></div> Lebensfreude bereiten ihr auch die 13 Enkelkinder. Die traditionsbewusste Bäuerin nimmt gerne an den Prozessionen und Ausflügen der Bäuerinnen teil. Manchmal tut es ihr gut unter Leute zu kommen, sagt sie. Ihr Rat an alle Witwen: Niemals den Glauben verlieren. Die Kinder werden erwachsen und gehen ihre Wege, und dann ist man allein. Was dann bleibt, ist der Glaube. Ihr Leitspruch: “Wenn’s amol schwar geat, nor isch es wichtig zommzuholtn und mitanondor noch Lösungen zu suechn. Miteinander und Füreinander!“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1146048_image" /></div>