Mittwoch, 17. April 2019

Pompeji: 2. Untergang erfolgreich verhindert

Als Mauern und ganze Gebäude in Pompeji am Fuße des Vesuvs einstürzten, war der Aufschrei groß. Die antike Stadt wurde zum Inbegriff von Misswirtschaft, Inkompetenz, Bürokratie, sie galt als Sinnbild für politisches Desinteresse und Mafia-Machenschaften. Mittlerweile kann sich die Ausgrabungsstätte bei Neapel wieder sehen lassen und macht positive Schlagzeilen mit spektakulären Funden. „Der Notstand ist beendet“, sagt Francesco Muscolino.

Die antike Stadt Pompeji zählt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Italiens.
Die antike Stadt Pompeji zählt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Italiens. - Foto: © shutterstock

Pompeji gehört neben dem Kolosseum und dem Forum Romanum zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Italiens. 2018 besuchten mehr als 3,6 Millionen Menschen die Ausgrabungsstätte – und zur Osterzeit zieht der Ansturm wie überall im Land an.

Vor einigen Jahren wurden die Besucher Zeugen des katastrophalen Zustands der Unesco-Weltkulturerbestätte. Viele der antiken Häuser waren aus Sicherheitsgründen nicht mehr zugänglich. Lateinische Inschriften wie das bekannte „Cave canem“ (Achtung vor dem Hund) verblassten. Die EU-Kommission stellte 105 Millionen Euro bereit, um den totalen Verfall der Ruinenstätte zu verhindern.

Schola Armaturarum wiedereröffnet

Dieses sogenannte Große Projekt Pompeji habe die große Wende gebracht, sagt die Archäologie-Professorin Monika Trümper von der FU Berlin. „Es sah vor, Pompeji quasi einmal komplett systematisch zu restaurieren, aber auch andere Maßnahmen zu implementieren.“ Im Zuge des Projekts seien fast alle Straßen wieder zugänglich für Besucher. „So dass man wirklich durch die ganze Stadt flanieren kann.“

Anfang des Jahres wurde die Schola Armaturarum wiedereröffnet, die Ausgrabungsstätte feierte es als Zeichen der „Wiederbelebung“. Das Gebäude war 2010 eingestürzt und damit zum Symbol für den Kollaps der Stätte geworden. Mittlerweile ist Pompeji an vielen Stellen sogar barrierefrei: Einige Gehwege, die die aus großen Steinen gelegten Straßen säumen, können mit dem Rollstuhl oder Kinderwagen befahren werden. Nur noch wenige verwahrloste Hunde streunen durch die Ruinen. Es gibt Papierkörbe für die Mülltrennung.

Unesco fordert langfristige Strategie

Die Unesco forderte die Verantwortlichen des Archäologieparks unlängst auf, eine langfristige Strategie für die Erhaltung und Restaurierung zu entwickeln. Der Blick richtet sich auch darauf, wie man mit den vielen Besuchern umgeht – die vielleicht eine der größten Bedrohungen für den Erhalt von Pompeji sind.

Viele Probleme habe man in den vergangenen Jahren bewältigt, sagt Trümper. „Was bleibt, ist in jedem Fall die Abnutzung, die Zerstörung durch undiszipliniertes Verhalten.“

dpa

stol