<b>Von Gerold Thaler</b><BR /><BR />Seien wir ehrlich: Die meisten von uns denken, dass – wenn es darauf ankommt – der Mensch grundsätzlich böse ist. Dass wir, wenn es ums nackte Überleben geht, über Leichen gehen! Nur um uns selbst das Überleben zu si<?TrVer> chern. Einige weltberühmte Stu<?TrVer> dien wie zum Beispiel das Mil<?TrVer> gram-Experiment zeigen, dass Menschen unter Druck Anweisungen befolgen, selbst wenn sie anderen Schaden zufügen.<BR /><BR />Uns fallen bestimmt Situationen ein, in denen wir diese Erfahrung gemacht haben, dass Menschen, wenn es ums Eingemachte geht, nur auf sich und ihren Vorteil schauen. Und das löst in uns Unbehagen aus, ob wir wollen oder nicht. Diese Einstellung verhindert, dass wir allzu selbstbewusste Entscheidungen treffen können. Wir trauen anderen nur zögernd über den Weg. Wie wollen wir da von einem optimalen Zeitmanagement sprechen?<BR /><BR /><h3> Vom „Überleben der Freundlichsten“</h3>Aber was wäre, wenn es in Wahrheit doch ganz anders ist, fragt sich der niederländische Journalist Rutger Bregman in seinem Buch „Im Grunde gut“. Was wäre, wenn unsere Vorstellung vom Wesen des Menschen auf falschen Annahmen fußt. Anhand von Beispielen weist er nach, dass sich unsere Spezies gegen andere Menschenarten nicht mit Stärke, Intelligenz und List durchsetzen konnte, sondern vor allem durch Kooperation. Durch ein vertrauensvolles Miteinander und ei<?TrVer> ne naive Zuversicht in die Zukunft haben wir es geschafft, unsere Ta<?TrVer> ge als Jäger und Sammler hinter uns zu lassen und weitgehend friedlich zusammenzuleben.<BR /><BR />Rutger Bregman spricht in diesem Zusammenhang vom „Überleben der Freundlichsten“. Der große Trumpf des Menschen ist, auch im Vergleich zu Tieren, das sog. „soziale Lernen“. Wer immer wieder auf neue Menschen trifft, lernt immer wieder neue Dinge. Wenn wir durchgehend der hellste Kopf in unserem Team sind, können wir uns nicht weiterentwickeln. Durch soziales Lernen konnten wir schlauer werden als die Neandertaler, die ja bekanntermaßen ausgestorben sind. <BR /><BR />Seine bahnbrechenden Thesen fußen unter anderem auf nachweisbaren Beispielen, wie der Geschichte mit Colonel Marshall im Zweiten Weltkrieg und den Soldaten, die nicht schossen. Das ist laut den Recherchen von Bregman kein Einzelfall. Es gibt Erhebungen, wonach die Feuerquote teilweise nur bei 15 Prozent lag. Laut Tagebuchaufzeichnungen von Offizieren kam es im Ersten Weltkrieg sogar dazu, dass die verfeindeten britischen und deutschen Soldaten am Heiligen Abend 1914 gemeinsam Fußball spielten.<h3> Die Menschen sind nicht nur harmonisch, aber …</h3>Klar wissen wir, dass es nicht immer so harmonisch zugeht. Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass Menschen andere Menschen <?Uni SchriftWeite="95ru"> töten. Wenn wir uns die Geschichte<?_Uni> der <?Uni SchriftWeite="96ru"> Menschheit vergegenwärtigen,<?_Uni> dann starben gar nicht wenige Menschen in kriegerischen Konflikten. Aber es wird auch deutlich: Der Mensch tötet normalerweise nicht von sich aus andere Menschen oder will ihnen Schlechtes, sondern dies geschieht immer unter menschengemachten Umständen, die ihn dazu motivieren.<BR />Wo auch immer nun die Wahrheit liegt, eines ist klar: Ein positives Menschenbild stärkt unser Vertrauen in uns und unser unmittelbares Umfeld. Dadurch behandeln wir unsere Mitmenschen besser, und wir treffen dadurch vorteilhaftere Entscheidungen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1275840_image" /></div>