Macht Geld glücklich? Oder die große Liebe? Oder gibt es Menschen, die ständig vom Glück umarmt sind, während andere durch Pech waten? Der Grödner Psychologe Theologe Edmund Senoner kennt mehrere „Körner“, mit denen sich der launische Vogel Glück anlocken lässt. <i><BR /><BR /><BR />Interview: Alexander Zingerle</i><BR /><BR /><BR /><BR /><b>Welche Momente oder Begebenheiten lösen üblicherweise Glücksgefühle aus?</b><BR />Edmund Senoner: Auslöser für Glücksmomente können sehr unterschiedlicher Natur sein: bestimmte Menschen, Musikgenuss oder die Betrachtung eines Kunstwerks. Der Skifahrer empfindet auf dem Siegertreppchen Glück, die Eltern bei der Geburt ihres Kindes. Es können auch Situationen wie Feierstimmung oder Aktivitäten in einem Verein sein. Oft sind es relativ kurze Momente, auf die bald schon eine gewisse Ernüchterung eintritt. Allerdings gilt es zu unterscheiden zwischen Zufallsglück, das dem englischen „luck“ entspricht und dem Lebensglück, das mit „Happiness“ gleichzusetzen ist.<BR /><BR /><b>Wie wichtig ist Glück tatsächlich für unsere Existenz?</b><BR />Senoner: Sehr wichtig, es ist die Triebfeder unseres Lebens. Jeder Mensch trachtet danach und möchte immer wieder neue Glücksmomente erfahren. Auch das Glück der anderen kann beglücken. Bedeutender als Glück ist allerdings die Sinnsuche einzustufen, weil sie nachhaltiger ist. <BR /><BR /><b>Wenn nun die Sehnsucht nach Glück so groß ist, kann man sich eine Art Glücks-Haltung antrainieren?</b><BR />Senoner: Genau damit befasst sich die Glücksforschung, die in mehrere Sparten unterteilt ist. Neben psychologischen und physiologischen Untersuchungen fließen dabei auch Aspekte der Neurologie ein. Es ist bekannt, dass das Gehirn bei bestimmten Aktivitäten gewisse Botenstoffe, Neurotransmitter, Endorphine oder Oxytocin produziert – etwa beim genussvollen Essen, beim Sport, beim Sex. <BR /><BR /><embed id="dtext86-48335329_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Welche Rolle spielt Geld?</b><BR />Senoner: Gewiss keine unerhebliche, denn viele Leute wünschen sich nichts sehnlicher als einen Lottogewinn oder eine Gehaltserhöhung. Zudem gibt es noch die sozialwissenschaftliche und philosophische Glücksforschung, und all das ergibt dann das große Ganze.<BR /><BR /><b>Welche Faktoren spielen aus psychologischer Sicht die entscheidende Rolle?</b><BR />Senoner: Mentale Aktivitäten sind wichtig, denn unser Gehirn dürstet nach immer neuen Inputs und Gedanken. Nicht minder bedeutend sind soziale Komponenten wie Bindungen, Familie, Freundschaften oder das Vereinsleben. Glück erfährt man vor allem auch durch die Konzentration auf das Hier und Jetzt – also Achtsamkeit. Und man sollte sich stets an realistischen Zielen oder Rollenmodellen orientieren, andernfalls jagt man einer Illusion hinterher. Gerade weil man die Gedanken gut steuern kann, ist es ratsam, sich guten oder positiven Gedanken hinzugeben. Jedoch sollte man die Suche nach dem Glück nicht übertreiben und gelassen mit so manchem Unglück – das unweigerlich zum Leben gehört – umgehen. <BR /><BR /><b>Was macht Sie glücklich?</b><BR />Senoner: Meine beiden gesunden Kinder und meine Frau, mit der ich seit 21 Jahren verheiratet bin. Und Schokolade, da hüpft mein Herz für einen Augenblick.<BR /><BR /><BR />