<b>Von Miriam Roschatt</b><BR /><BR />Während es seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts selbstverständlich ist, dass Frauen hinter dem Steuer eines Autos sitzen, sieht man Frauen auf lauten, kraftvollen Motorrädern eher selten. Eine Frau, die an einer Tankstelle von ihrer Ducati oder Yamaha absteigt – eine Rarität? „Ja, schon“, bestätigt Margarita Ohnewein aus Eppan. Und sie muss es wissen. Denn die 20-Jährige ist eine von recht wenigen Frauen in Südtirol, die selbst eine Maschine besitzen, und zwar eine Yamaha R7.<BR /><BR />Dementsprechend oft fällt sie mit ihrem Motorrad auch auf: „Es kommt immer wieder vor, dass ich von Männern und Frauen angesprochen werde, häufig an Tankstellen. Ungläubig angeschaut werde ich auch sehr häufig. Die Leute starren direkt“, gibt sie Einblicke in ihren Moto-Alltag. Anmachsprüche wie „Hübsche Frau auf dem Motorrad!“ hört die Brünette fast täglich, wenn sie auf zwei Rädern unterwegs ist. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1143756_image" /></div> <BR />„Auch vor Zebrastreifen oder an Ampeln rufen mir Männer was zu oder sie hupen mir nach“, berichtet Ohnewein mit einem Schmunzeln. Natürlich freue sie sich über nette Komplimente. Blöde Anmachsprüche überhöre sie aber galant. Denn das Freiheitsgefühl stelle alles andere in den Hintergrund: „Wenn ich auf der Moto bin, dann ist mir alles andere egal“, verrät die junge Bikerin, die ihre Passion gefunden hat.<h3> „Wenn ich mal groß bin …“</h3>Seit nunmehr zwei Jahren lebt Margarita Ohnewein ihren Traum vom Motorradfahren. Begonnen hat ihre Leidenschaft für die PS-starken Zweiräder aber schon viel früher, wie sie erzählt: „Mein Papa hatte eine Harley in der Garage stehen. An der habe ich schon als kleines Kind herumgebastelt. Und ich habe mir in den Kopf gesetzt: Wenn ich mal groß bin, fahre ich die.“ <BR /><BR />Ihr erstes Motorrad war dann aber doch nicht Papas Harley, sondern eine KTM Duke 125 – ein lockeres Einsteigermodell mit 15 PS. Ganz so locker sahen es Ohneweins Eltern aber zunächst nicht, dass ihre Tochter sich nicht wie viele andere in ihrem Alter mit einem Scooter begnügte. „Sie haben es dann aber akzeptiert, weil sie gesehen haben, dass ich es liebe – und dass ich sehr verantwortungsbewusst und fokussiert fahre.“ Und genau hier könnten sich <?Uni SchriftWeite="95ru"> Männer eine Scheibe von Frauen<?_Uni> abschneiden, zeigt sich Ohnewein überzeugt: „Frauen be<?Uni SchriftWeite="96ru"> wahren den Fokus und die Ruhe,<?_Uni> die für sicheres Fahren erforderlich sind. Männer hingegen lassen sich eher von ihren Emotionen treiben, was dazu führt, auf dem Motorrad riskantere Entscheidungen zu treffen.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1143759_image" /></div> <BR />Das altbekannte Vorurteil, dass Frauen schlechter Motorrad fahren, sei also völliger Quatsch. Männer könnten sogar von Frauen lernen, genauso wie manche Scooterfahrer in den Städten: „So, wie die manchmal im Stadtverkehr überholen, besteht ein enormes Unfallrisiko für die Autofahrer“, warnt die 20-Jährige. In diesem Zusammenhang erwähnt Ohnewein auch einige Rennradfahrer, die sich auf Passstraßen gefährlich fortbewegten. „Aber wenn es um Risiken geht, denken viele Menschen oft nur an Motorräder, was ich jedoch nicht für gerechtfertigt halte“, gibt sie zu bedenken. <h3> „Hat mein Leben gerettet“</h3>Auch für Claudia Villanueva aus Bozen, die als Barista arbeitet, ist das Motorradfahren – nach ih<?TrVer> ren drei Jungs – das Allergrößte. Die Liebe zu großen und schnellen Bikes entfachte in ihr vor rund zehn Jahren, als sie eine besonders schwere Zeit mit ihrem Ex-Partner durchmachte.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1143762_image" /></div> <BR />Begonnen hat alles mit einem Scooter: „Mein damaliger Partner hat mir nämlich verboten, eine größere Maschine zu fahren. Also besorgte ich mir zunächst einen 125er-Scooter“, erzählt sie. Der Scooter wurde ihr Rückzugsort, das einzige, was ihr in dieser schweren Zeit Kraft schenkte: „Als ich nicht mehr wusste, wohin mit mir und meinen vielen Gefühlen, stieg ich aufs Motorrad. Und es war einfach befreiend. Ich beruhigte mich, und meine Gedanken hörten auf zu kreisen, weil ich mich voll und ganz auf die Straße konzentrierte.“ Rückblickend meint Villanueva: „Das Motorradfahren hat mein Leben gerettet. Es hat mir eine ganz neue Perspektive auf Freiheit und Selbstbestimmung gegeben.“ <BR /><BR />2018 der Befreiungsschlag: Nach der Trennung von ihrem Partner und dem Ausbruch aus der toxischen Beziehung legte sich die 32-Jährige eine Yamaha MT-07 zu – ein sportliches „Naked Bike“ mit 75 PS. Seither cruist sie durchs Land, mal allein, mal mit ihren Freundinnen, zu denen auch Margarita Ohnewein gehört. Am liebsten aber nimmt einer ihrer drei Jungs hinten Platz. Und die sind mächtig stolz auf ihre „coole Mama“.