Montag, 27. Februar 2017

Renault 4L Trophy: Grüße aus der Wüste - UPDATE

Seit die beiden Südtiroler samt Renault 4 von Frankreich mit der Fähre nach Marokko übersetzt sind, hat man wenig von ihnen gehört. Verständlich: „In der Wüste war kaum Empfang und Zeit für ein Update.“ Das haben Adam Brandis und Oliver Pfeil jetzt nachgeholt.

Foto: Team Südstern
Foto: Team Südstern

Montag, 20.2. Boulaajoul - Merzouga

Wir wachen vor Morgengrauen in einem eiskalten Zelt auf, es ist 5 Uhr morgens und der Regen trommelt gegen die Zeltwand. Nur kurz darauf werden die Motoren gestartet, die Zelte abgebaut. Mit vollgepackten Kofferräumen brechen wir im dichten Nebel auf, die Strecke beginnt mit einer kurvigen Bergstraße bergab in Richtung Wüste.

Oli feiert heute seinen Geburtstag!

Geburtstagskind Oliver im Renault 4 - Foto: Team Südstern

Wir machen Halt in einem kleinen Dorf. In einem Lokal gönnen wir uns Spiegeleier, Tee und Kaffee. Es sind nur ein paar Männer hier, die Atmosphäre ist relaxt und verschlafen. Im Fernseher laufen französische Nachrichten.

Zwischenstopp. - Foto: Team Südstern

Wir fahren weiter, beeindruckende Steinformationen wechseln sich immer öfter mit Sand und Palmen ab. Es wird wärmer und langsam gewinnt auch die Sonne den Kampf gegen den dichten Nebel und die Wolken.

Foto: Team Südstern

Vor Sonnenuntergang kommen wir im Wüstencamp an. Die Sanddünen, die Palmen, das warme Licht und die Farben lassen uns vor Staunen stumm werden. Es ist wunderschön hier!

Foto: Team Südstern

Dienstag, 21.2. - Oued Ziz

Erster Start aus dem Zeltlager, das für drei Nächte unser Basecamp wird.

Wir fahren 25 Kilometer auf unbefestigten Wegen durch die staubige Wüste, Sandpassagen und steinige Wege wechseln sich ab. Dann läuft unser Motor heiß - vorbei ist die heutige Etappe.

Nix geht mehr. - Foto: Team Südstern

Wie wir feststellen, ist die Kühlwasser-Pumpe defekt. Wir sind gezwungen, abzubrechen und fahren zurück ins Camp zu den Mechanikern. Glücklicherweise ist alles perfekt organisiert, die wichtigsten Ersatzteile sind erhältlich und erfahrene Spezialisten stehen uns für die Reparatur zur Seite.

Wir verbringen den restlichen Tag im Camp, bringen das Auto auf Vordermann und machen danach eine ausgedehnte Wanderung durch die beeindruckenden Sanddünen hinter unserem Zeltplatz.

Foto: Team Südstern

Adam und Oliver in der Wüste - Foto: Team Südstern

Mittwoch, 22.2. - Erg Chebbi

Ausgestattet mit Roadbook und Kompass geht es los in die Wüste. Gleich zu Beginn haben wir wieder technische Probleme: Der Keilriemen reißt und der Motor läuft wieder heiß. Wir machen eine Pause am Straßenrand und überdenken die Lage. Da es bei der Rallye ja nicht um die Zeit, sondern um exakte Kilometer für die Strecke geht, haben wir keinen Zeitdruck.

Foto: Team Südstern

Einer der vorbeifahrenden Rallye-Teilnehmer hat genau das Ersatzteil dabei, das wir brauchen, und hilft uns beim Einbauen. Glück gehabt! Weiter geht's über Schotter- und Sandstrecken, teilweise querfeldein durch Wadis, getrocknete Flussläufe gespickt mit tiefen und gefährlichen Sandlöchern, in denen man sehr leicht steckenbleibt. Die Navigation ist hier nur noch anhand von Himmelsrichtungen und Punkten in der Landschaft möglich.

Foto: Team Südstern

Unser Auto läuft jetzt wie geschmiert. Wir durchlaufen die Rallye-Phase, ohne erneut stecken zu bleiben. Gut gemacht!

Foto: Team Südstern

Donnerstag, 23.2. Merzouga - Quazarzate

Das Wüstencamp wird in der Früh abgebaut, denn nun beginnt die Marathon-Etappe. Das Ziel: In 2 Tagen durch die Wüste weiter über das Atlas-Hochgebirge bis nach Marrakesh. Übernachtet wird dort, wo man sich bei Sonnenuntergang befindet.

Foto: Team Südstern

Die ersten 300 Kilometer fahren wir durch die Wüste, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern. Es ist eine aufreibende und anstrengende Etappe.

Start ist sehr früh am Morgen und durch die ausgezeichnete Navigationskünste von Olivers finden wir uns bald an der Spitze dieser enorm großen Rallye.

Foto: Team Südstern

Die 4L Trophy ist, wie man hier sagt, die größte Rally weltweit. Die etwa 1500 hintereinander startenden Fahrzeuge brauchen gute 5 Stunden für den Start! Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von höchstens 35 Stundenkilometern bilden wir eine fast 150 Kilometer lange Schlange. Enorm!

Wir schaffen den maximalen Weg bis Quazarzate und übernachten in einem herrschaftlichen Riad. Wie kleine Kinder freuen wir uns über den Luxus von warmem, fließendem Wasser und weichen Betten.

Statt Zelt weiche Betten und ein Pool - Foto: Team Südstern

Freitag, 24.2. Quazarzate - Marrakesch

Im letzten Abschnitt der Rallye geht es noch einmal über spektakuläre Serpentinen durch dichten Nebel und heftigen Regen in Richtung des letzten Checkpoints: Marrakesch. Nach heftigen Regengüssen sind mehrere Berghänge abgegangen, oft müssen wir abwarten bis uns die Straßenaufsicht oder Bauarbeiter auf einspurigen Schlammwegen durchwinken.

Foto: Team Südstern

Wir erleben haarsträubende Überholmanöver mit Lkws und anderen lokalen Verkehrsteilnehmern. Trotz der widrigen Umstände kommen wir zügig voran und erreichen als einer der ersten die Zielgerade in Marrakesch.

Foto: Team Südstern

Hundemüde, erleichtert und glücklich geht's sofort weiter zum Flughafen. Dort wartet der beste aller Wochenend-Besuche auf uns. Zusammen tauchen wir in das bunte und wuselige Leben dieser traumhaften Stadt ein, lassen uns entführen und erholen uns von den Strapazen.

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Foto: Team Südstern

stol/liz

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Höchstes Ziel der Rallye ist nicht, so schnell wie möglich nach Marrakesch zu gelangen, sondern Teamgeist und Durchhaltevermögen zu zeigen, die interkulturelle Kommunikation zu fördern, humanitären Einsatz zu beweisen und nicht zuletzt als sportlichen Ansporn, ausgerüstet mit Kompass, Karte und Roadmap die wenigsten Kilometer in der Wüste zurückzulegen.

Jedes Auto hat neben Treibstoff, Lebensmitteln und Zelt auch mindestens 25 bis 50 Kilogramm an Schulmaterial dabei. Die Südtiroler Rallye-Teilnehmer wurden von Athesia ausgestattet.

Insgesamt kommen so über 60 Tonnen an Schulbedarf zusammen. Diese werden dort von der etablierten Organisation “Enfants du Désert“ (zu Deutsch: Kinder der Wüste), die unter anderem eng mit UNICEF in Zusammenarbeit steht, entgegengenommen und an verschiedene Schulen verteilt.

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stol