Mittwoch, 01. Dezember 2021

Rentnergewerkschaft: „Fehlende Wertschätzung Senioren gegenüber“

In der letzthin stattgefundenen Präsidiumssitzung der ASGB-Rentner haben sich die Anwesenden Gedanken über die Wertschätzung gegenüber Senioren gemacht.

„Alt werden kann man nicht verhindern. Dieser Lebensabschnitt will aber organisiert und gestaltet sein“, sind sich die ASGB-Rentner einig.
Badge Local
„Alt werden kann man nicht verhindern. Dieser Lebensabschnitt will aber organisiert und gestaltet sein“, sind sich die ASGB-Rentner einig. - Foto: © pixabay.com
„Alt werden kann man nicht verhindern. Dieser Lebensabschnitt will aber organisiert und gestaltet sein. Organisation muss rechtzeitig geschehen, Gestaltung muss geplant werden. Wenn das versäumt wird, kann das zum Problem führen und die negativen Auswirkungen sind in vielen Bereichen spürbar. Die Leidtragenden sind dann aber nicht nur die Alten und Pflegebedürftigen, sondern auch die Angehörigen und all jene, welche in die Betreuung und Pflege eingebunden sind.
Welche weitreichenden Auswirkungen Versäumnisse diesbezüglich haben können, verdeutlichen die Schlagzeilen, die zur Zeit die Medien beherrschen“, so die Senioren.

Verwundert darüber, dass nun vom Pflegenotstand die Rede ist, sind die Rentner keineswegs, denn schon öfters in der Vergangenheit und lange im Vorfeld der Pandemie haben die ASGB-Rentner bereits auf bestehende Missstände im Pflegebereich hingewiesen: Unzulängliche territoriale Betreuung von Senioren, fehlende adäquate Strukturen, beschränkter Personalschlüssel, nicht ausgeschriebene Wettbewerbe, fehlende Kollektivverträge, zu niedrige Löhne, unzumutbare Arbeitsbedingungen, fehlende leistbare Wohnmöglichkeiten vor Ort, mangelnde Wertschätzung dem Personal gegenüber.

„Die Forderungen der Rentner wurden nicht ernst genommen, es ist versäumt worden, rechtzeitig vorzubeugen, viele Bereiche wurden vernachlässigt, sodass nun durch die Pandemie die volle Tragweite der Versäumnisse spürbar wird. Der bereits vor der Pandemie bestehende Personalmangel, wird durch die Suspendierung von Nicht-Geimpften verschärft. In Notsituationen wäre eine unbürokratische Personalaufnahme von Seiten der Betriebe mehr als gerechtfertigt und möglich gewesen“, kamen die anwesenden Rentner zum Entschluss.

Zusätzliche Belastung für verbliebende Pflegekräfte

„Durch die personelle Unterbesetzung steigt die Belastung der wenigen in den Einrichtungen verbliebenen Pflegekräfte, welche zusehends entmutigt und ausgelaugt sind und in der Kündigung den einzigen Ausweg sehen. All jenen Pflege- und Sozialkräften, welche in dieser schwierigen Situation, meist aus moralisch- ethischer Gesinnung, aushalten und ihren Dienst trotz schwerwiegender Umstände erfüllen, kann nicht genug gedankt werden. Ihnen gilt immense Wertschätzung“, betonten die Anwesenden.

Die an Covid erkrankten Patienten -vorwiegend nicht geimpfte- nehmen zu. In den Krankenhäusern müssen Abteilungen geschlossen werden, weil das Personal in den Covid-Stationen gebraucht wird. Wichtige Vorsorgeuntersuchungen und Behandlungen müssen aufgeschoben werden, onkologische und degenerative Krankheitsbilder verschlechtern sich durch Nichtbehandlung, da die Betten von Covid- Patienten belegt werden. Abgesehen davon, welche ökonomische Folgen sich dadurch ergeben, sind die ASGB-Rentner der Ansicht, dass dies einer Ungleichbehandlung von Krankheitsbildern gleichkommt und die Covid-Erkrankung eines Impfverweigerers keine Privatsache ist, wenn im Gegenzug dazu ein anderer Patient auf seine notwendige Behandlung verzichten muss.

Viele sind der Meinung, dass gerade in Zeiten der Pandemie jeder die Verantwortung übernehmen und sich verpflichtet fühlen sollte, nicht nur sich, sondern auch andere zu schützen. „Freiheit lässt sich nicht leben, ohne Verantwortung für andere zu tragen“, so Dr. Herbert Heidegger.

Mehr Anerkennung für Soziale Arbeit

Soziale Arbeit, so die Überlegungen der Anwesenden, muss gebührenden Wert erfahren, denn Prinzipien wie soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte, gemeinsame Verantwortung und Achtung der Vielfalt bilden die Grundlagen sozialer Arbeit. Es reichen also nicht nur mündliche Anerkennungsbezeugungen, sondern es braucht die normative und ökonomische Anerkennung, die dieser Definition gerecht wird.
Es ist höchst an der Zeit, nicht nur von der Wertschöpfung des produzierenden Gewerbes, des Tourismus und der Landwirtschaft zu reden und zu berichten, sondern gleichermaßen die gesellschaftliche, ökonomische und beschäftigungspolitische Relevanz des sozialen Sektors zu erkennen und zu bewerten.

Die Rentner sind sich sicher: „Das Land Südtirol hat die Kompetenzen und die finanziellen Mittel um dieser Notwendigkeit Rechnung zu tragen.
Das Soziale muss bereichs- und parteiübergreifend in Angriff genommen und als gesamtgesellschaftliche Angelegenheit gesehen werden.
Die Wertschätzung Senioren gegenüber, ihre Sichtbarkeit in der Gesellschaft und damit die Vielfalt dieser Gesellschaft müssen wieder ansteigen. Solange Senioren „versteckt“ nur als „Kostenpunkt“ gesehen werden, ist auch keine Besserstellung der Pflegekräfte zu erwarten“.

stol