Hunderte bunte Espresso-Tässchen hängen wie ein Kronleuchter über der Bar, die den schwarzen und superheißen Caffè serviert. Nebenan schneiden Fachkräfte gekochten Schinken für das Fladenbrot, während Luciano Pavarotti auf den Videoschirmen erscheint und Arien von Verdi und Puccini zum Besten gibt.Der Andrang ist groß auf dieser ersten Ebene im neuen römischen Schlaraffenland. Seit ein paar Tagen strömt jeder, der sich für Kulinarisches interessiert oder einfach nur neugierig ist, in das neue „Eataly“ am Bahnhof Ostiense der Tiber-Metropole.Die Verballhornung der englischen Wörter für essen und Italien ist hier Programm – eines, das von New York bis Tokio schon erprobt ist und das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Es kommt aber noch schöner: Im ersten Stock hängen an die 100 Prosciutto-Keulen unter der Decke, darunter stapeln sich riesige Käselaibe.Der edle Parmigiano mit garantierter Herkunft und dem „Jahrgang“ 2010 muss umrunden, wer zum Mozzarella-Stand mit dem echten Büffelweichkäse will oder später dann in der Birreria den Durst löschen will. Auch wie man ein Bier braut, das kann man hier lernen, nicht nur das Brutzeln italienischer Gerichte in nagelneuen Kochschulabteilungen."Eataly": Das Konzept geht aufWas in einem einst als Flughafenanbindung für die Fußball-Weltmeisterschaft 1990 errichteten Gebäude untergekommen ist, entfaltet sich so zur Mischung aus Großmarkt und Treffpunkt.„Eataly Roma“, das ist das jüngste Werk des Unternehmers Oscar Farinetti aus Alba, der vor fünf Jahren den ersten Jahrmarkt des Kulinarischen in Turin eröffnet hat und nun auch der Hauptstadt das Vergnügen eines Schlaraffenlandes liefern wollte.Daraus wurde der größte seiner „Eataly“-Einrichtungen mit 20 Restaurants, Bars und Cafés, etwa 14 000 oft lecker dargebotenen Produkten und Dutzenden von Lehreinrichtungen. Und das alles auf insgesamt vier Ebenen mit zusammen 17 000 Quadratmetern. Der frühere „Air Terminal“, einst als Avantgardebau angesehen, war zuvor mächtig heruntergekommen, behaust von Migranten und Obdachlosen.Er galt als Symbol von Verschwendung – für ein sportliches Großereignis errichtet und dann nicht genutzt. Die italienische Mixtur aus Gastronomie, bestem Design rund um das Kochen und Opern-Untermalung bringt verschiedenartigste Kultur in allen Formen zusammen, die Sinne ansprechen.Ein Paradies, könnte man sagen, wären nicht am Ende des Rundgangs die Kassen für alle leckeren Dinge, denen das Auge oder die Nase nicht widerstehen konnten: Hübsche Törtchen zum „Reinsetzen“ aus der Pasticceria, das rustikale biologische Brot oder die Focaccia nach Genueser Art, das feine Olivenöl aus ganz gleich welcher italienischen Region.Dazu die Hummerzange oder das Pasta-Schneiderad aus der Utensilien-Abteilung, vielleicht auch das jüngste Slowfood-Werk mit Rezepten für daheim.„Es gefiel uns nicht, dass unser größter Laden im Ausland in New York steht und nicht in Rom“, sagt Unternehmersohn Nicola Farinetti, Leiter dieses riesigen Freizeitparks des Essens, der römischen „La Repubblica“.Selbstverständlich gibt es hier auch Schokoladen aller Art, das beliebte italienische Eis sowie ein kleines Kräuter-Salat-Demonstrationsbeet. 80 Millionen Euro hat der Unternehmer Farinetti investiert, der mit seinen Spezialläden weltweit einen Umsatz von 300 Millionen Euro jährlich macht.Zehntausende sollen auch im „Eataly Roma“ gut essen, etwas über kochen und zubereiten lernen oder Produkte mit nach Hause nehmen können. Kongresse über Kulinarisches werden organisiert.Und in dem obersten Stockwerk bewirtet sie Chefkoch Gianluca Esposito in dem „Ristorante Italia“ mit 20 Gerichten aus italienischen Regionen.dpa