Montag, 23. September 2019

Royal Magic am Kap: Harrys Familie auf Afrikareise

Für Prinz Harry und seine kleine Familie hat ihre Afrikareise mit Verspätung begonnen. Vom Flughafen ging es daher direkt zum ersten Projektbesuch. Der Ort liegt weit abseits der Glitzerfassade der Touristenmetropole Kapstadt.

Harry und seine Familie sind verspätet in Afrika eingetroffen. - ANSA
Harry und seine Familie sind verspätet in Afrika eingetroffen. - ANSA

Tanzen, Singen, Trommeln: Ein farbenfrohes Spektakel erwartete Prinz Harry (35) und seine Frau Meghan (38) am Montag gleich nach ihrer Ankunft in Kapstadt. Im Nyanga-Township setzte das Paar Akzente mit dem Besuch eines Projekts für junge Mädchen. Dort werden ihnen Selbstverteidigungskurse angeboten und Frauenrechte erörtert. Denn die Armenviertel rund um die schillernde Touristenmetropole gelten laut Kriminalstatistik wegen der dort aktiven Verbrecher-Syndikate als Südafrikas gefährlichstes Terrain – die Bewohner riefen in ihrer Not bereits nach dem Militär, das zurzeit die Polizei bei ihrer Arbeit dort unterstützt.

Immer wieder schüttelten Harry und Meghan in dem Projekt Hände, bückten sich zu den Fähnchen schwingenden Kindern, aber auch alten Frauen. Bei sonnigem, aber windigem Wetter herzte die Herzogin von Sussex im sommerlichen schwarz-weißen Kleid einen kleinen Jungen, während Harry sich zunächst zögerlich zum Rhythmus der Trommeln in den Hüften wiegte. Er wirkte zunehmend lockerer und knöpfte sein langärmeliges Hemd auf. Viel Zeit zum Umziehen war dem Paar nicht geblieben, da ihr Linienflug mit Verspätung eingetroffen war, was den Zeitplan durcheinanderzuwirbeln drohte.

Im Projekt selbst reihten sie sich ein bei einem Rollenspiel, setzten sich zu den Mädchen auf den Boden. Ihr eigener Sohn, der kleine Archie, war beim ersten öffentlichen Auftritt zunächst nicht dabei. Die Gesichter der jungen Südafrikaner verrieten, dass das unkomplizierte Auftreten der royalen Sympathieträger ankam.

Reise findet in schwierigen Zeiten statt

Die in Kapstadt begonnene erste offizielle Auslandstour von Prinz Harry und seiner Familie findet in schwierigen Zeiten statt. Zu Hause sorgt die Thomas-Cook-Pleite für Schockwellen, in Südafrika steht die Nation noch unter dem Eindruck grassierender Gewalt gegen überwiegend ausländische Ladenbesitzer sowie auch gegen Frauen. „Gott sei Dank für diese leichte royale Zerstreuung!“, seufzte daher ein Kommentator der südafrikanischen „Sunday Times“ in einem Kommentar und betonte: „Verneige dich, Südafrika, beim Willkommensgruß für die hippsten, spritzigsten und unkonventionellsten Royals an unseren Gestaden.“

Der Besuch hat eine politische Komponente: Der Queen liegt die Stärkung des Commonwealth sehr am Herzen. Vor diesem Hintergrund wird eine ebenso wichtige wie auch emotionale Station von Harrys jüngster Afrikareise (bis 2.10.) liegen – in dem Land, das als erster Staat seit einem Jahrzehnt dieser Allianz beitreten will: Angola. Harry, der von seiner Großmutter zum Jugend-Botschafter des Commonwealth erklärt worden ist, soll dort diplomatisch für gute Stimmung sorgen. Und er wird dort auf den Spuren seiner Mutter unterwegs sein.

Straßenumbenennung

Denn wie einst die bei einem Autounfall in Paris getötete Prinzessin Diana engagiert auch er sich im Kampf gegen Landminen. In Angola wird er am kommenden Freitag ein Camp von Minen-Entschärfern besuchen – in dem früheren Bürgerkriegsland liegen noch immer Tausende Sprengminen im Boden. Harry wird dabei auch den Ort besuchen, an dem seine Mutter einst in einem aktiven Minenfeld für einen Bann der Sprengkörper warb.

Doch davor wird das Paar am Dienstag – dem Tag des nationalen Erbes – erst einmal die älteste südafrikanische Moschee in Kapstadts historischem Bo-Kaap-Distrikt besuchen. Ganz in der Nähe – im District Six – findet eine offizielle Straßen-Umbenennung statt, die eine noch aus Apartheidzeiten stammende Maßnahme rückgängig machen soll: Die Keizersgracht Street wird wieder offiziell in Hanover Street umbenannt. Offen blieb dabei, ob es sich auch um eine Verneigung vor den Ahnen des royalen Besuchs handelt: Denn die kamen einst aus Hannover.

dpa

stol