Dienstag, 13. Oktober 2015

Schlutzer, Schlern, Siegesdenkmal

Darf mit dem Siegesdenkmal geworben werden? Florian Castlunger, 35 Jahre, ist Social Media Manager der SMG. Vor einigen Wochen hat er einen Schnappschuss des Siegesdenkmals auf dem Instagram-Kanal der Agentur online gestellt. Geht das? STOL hat bei Castlunger nachgefragt.

Copyright: Screenshot/Instagram visitsouthtyrol
Copyright: Screenshot/Instagram visitsouthtyrol

Südtirol Online: Herr Castlunger, inwiefern eignet sich ein faschistoides Monument für Werbezwecke?

Florian Castlunger, Social Media Manager der SMG: Auf unserem Instagram-Kanal wollen wir ein authentisches, reales, persönliches Bild von Südtirol übermitteln. Direkt aus der Mitte des Landes gegriffen, also nicht immer die reine Postkartenidylle. Instagram ist ein Kanal, der direkter ist, der Kanal lebt von ungewöhnlichen Blickwinkeln und Motiven. Die Zielgruppe der jungen Touristen, die sich auf Instagram bewegt, will in das Land eintauchen. Natürlich wissen nicht alle, warum die Realität in Südtirol, so ist, wie sie ist. Warum gibt es Deutsch und Italienisch? Da fehlt das geschichtliche Wissen. Wenn Touristen nach Bozen kommen, können sie das Siegesdenkmal oft nicht einordnen. Dabei erzählt es viel darüber, wie der Ist-Zustand in Südtirol zustande gekommen ist. Wir wollten ein geschichtliches Thema, das für die Realität wichtig ist, in den Vordergrund rücken.

STOL: Zusammengefasst: Man kann Touristen mehr zutrauen als die schöne, heile Welt.

Castlunger: Absolut. Natürlich muss zwischen Motiven für Kampagnen und Motiven für Instagram unterschieden werden. Und man muss mit Reaktionen rechnen.

STOL: Haben Sie damit gerechnet?

Castlunger: Ich habe mit Kommentaren gerechnet. Aber auch damit, dass diskutiert und nicht bloß protestiert wird. Es geht ums Thema, es wurde kein Angriff auf die SMG gestartet. Ich würde die Reaktionen nicht als „Shitstorm“ bezeichnen.

 

 

STOL: Empfinden Sie die Reaktionen als übertrieben?

Castlunger: Einige schon. Wir haben den Post nun auch noch einmal ergänzt: Wir erklären, dass uns die Ausstellung im Siegesdenkmal wichtig ist, um das Thema zu erklären.

STOL: Sie sagen selbst, das Siegesdenkmal lässt sich anfangs schwer einordnen. Wäre ein Link zur Ausstellung nicht schon von Anfang an besser gewesen?

Castlunger: Wäre natürlich eine Möglichkeit gewesen. Man hätte den Post auch ausführlicher gestalten können. Auf Instagram ist ein Link allerdings nicht klickbar, das ist dann nicht so angenehm, und es ist auch nicht eine Plattform, auf der man ganze Bücher liest. Man sollte nicht zu viel schreiben, das wirkt verwirrend und schreckt ein wenig ab.

STOL: Hat man jemals darüber nachgedacht, das Bild ganz zu entfernen?

Castlunger: Daran hätte ich nun nicht gedacht. Diskussion ist immer erlaubt. Wir versuchen, mit unserem Instagram-Account nicht die SMG darzustellen, sondern Südtirol. Unsere Auftraggeber sind insofern alle Einwohner Südtirols. Da gibt’s natürlich immer Personen, die mit unseren Aktionen nicht einverstanden sind. Das ist normal. Grundsätzlich äußern Menschen im Netz viel schneller ihre Meinung – und auch in einer Art und Weise, wie man es im persönlichen Umgang wahrscheinlich nicht machen würde. Aber generell ist die Stimmung auf unseren Kanälen positiv.

STOL: Gab’s schon mal so starke Reaktionen auf ein Foto?

Castlunger: (überlegt) Was es bisher sicher noch nie gab, war, dass zwei, drei Journalisten angerufen und wegen eines Instagram-Posts nachgefragt haben.

STOL: Was sind die Lehren, die Sie aus der Episode ziehen? Wird sich die SMG online künftig doch lieber auf unverfängliche Schlutzkrapfen-Fotos spezialisieren?

Castlunger: Wir werden das Thema sicher nochmals besprechen und evaluieren. Grundsätzlich bin ich folgender Überzeugung: Wir sollten so arbeiten, dass wir Leute bewegen und nicht darauf erpicht sein, ja nirgends anzuecken.

Interview: Petra Gasslitter

stol