Jedoch geht es bei diesem Trend um weit mehr als um bloßes Garteln. Die Menschen suchen Ruhe, Gemütlichkeit, einen Ausgleich zum Alltagsstress und eine Verbindung zur Natur, wissen die beiden Betreiber Günther Rauch und Patrick Höller.<BR /><BR />Vor über 15 Jahren begann Günther Rauch, sein Vorhaben einer Schrebergartenanlage in die Tat umzusetzen. Heute sind sämtliche 45 Parzellen verpachtet, die Leute wissen ihr kleines Stückchen Ungezwungenheit und Freiheit zu schätzen.<BR /><BR />Hier der Unternehmer, dort eine Familie, hinten ein Rentnerpärchen. Wenn Günther Rauch durch seine Schrebergartenanlage führt, wird schnell klar: Hier werden Menschen aller Altersklassen, unterschiedlichster Berufsgruppen und soziokultureller Prägung von einer gemeinsamen Sehnsucht vereint – jener nach Ruhe und einem Stückchen Natur. Manche würden wohl auch von Freiheit oder Ungezwungenheit sprechen. Tatsache ist, dass die verfügbaren 45 Gartenparzellen alle vergeben sind und sich immer wieder mal Leute für die Warteliste melden. „Jeder kann es sich hier nach den eigenen Vorstellungen einrichten, wobei einige Grundregeln für ein gemeinsames Miteinander zu beachten sind“, sagt Günther.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1332054_image" /></div> <BR /><BR />Das kann das unerlässliche Stutzen der Obstbäume betreffen, die Maße des Gartenhäusls (3,6 Quadratmeter mit einer maximalen Höhe von 2,4 Meter) oder die Nutzung der Gemeinschaftsflächen. „Es hat sich hier alles sehr gut eingespielt, auch wenn ich hin und wieder natürlich auf gewisse Dinge hinweisen muss“, sagt Günther, der dieses ungewöhnliche Projekt im Jahr 2010 losgetreten hat und damit eine der landesweit ersten Schrebergartenanlagen von privater Hand. <BR />Rund 7.000 Quadratmeter Grund hat er damals von seinem Vater und seiner Tante geerbt. Zu viel, um es nebenbei zu bewirtschaften, und wohl zu wenig, um es als klassische Apfelwiese zu vermieten. Als Obstbauer hat sich Günther Rauch, damals noch Geschäftsführer von Biokistl Südtirol, heute Unternehmer im Lebensmittelsegment (Fruchtsäfte Annalena u.a.m.), ohnehin nie gesehen, also wagte er einfach mal etwas Neues, etwas Ungewöhnliches. <BR /><b><BR />Ein kleines Fleckchen Grün als Symbol der Freiheit</b><BR /><BR />Begonnen hat alles mit einer Parzelle für Schwester und Bruder, die in Meran und Bozen wohnen. Nach und nach hat sich das Projekt mit dem sinnigen Namen „Gartenzwerge Nals“ herumgesprochen, sodass laufend neue Parzellen dazugekommen sind. Die anfänglichen Bedenken konnten längst zerstreut werden. „Sechs Bauern grenzen mit ihren Grundstücken an diese Anlage, wir hatten zu keiner Zeit Probleme, weil wir uns gegenseitig respektieren und uns austauschen“, bekräftigt Günther. <BR /><BR /><BR />Man müsse freilich der Typ sein, um so eine Anlage in Schuss zu halten. Zwischen Wasserleitungen, Hecken, Holzlatten, Gehwegen, Kompost, Toiletten oder Parkplatz ist immer wieder mal etwas zu reparieren oder zu erneuern. Einerseits gilt es, mit den Mietern ein gutes Auskommen zu pflegen, andererseits wollen auch Grenzen gesetzt werden. Zum Wohle der gesamten Schrebergartenanlage. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1332057_image" /></div> Kommt man mit Günther ins Plaudern, merkt man schnell, dass er dieser umgängliche Typ ist, der es versteht, zwischen klaren Vorgaben und gemütlicher Plauderei locker hin- und herzuwechseln. „Selbst angebautes Gemüse, Salate oder Obst sind nur ein Beweggrund für so eine Parzelle, vielen geht es um ein Stückchen Grün, um zwangloses Beisammensein, auch um ein Gefühl der Freiheit“, hat Günther beobachtet. Viele schätzen in dieser grünen Oase die Ruhe, manche brauchen dringend Abstand zum Job, gar einige wollen einfach nur der hektischen Stadt entfliehen.<BR /><b><BR />Runterkommen. Dösen. Durchatmen.</b><BR /><BR />Und so lernt man sich hier näher kennen, kommt beim Ausjäten oder Ernten ins Gespräch, entwickelt ein Gemeinschaftsgefühl. Nicht alles hat bisher funktioniert, so etwa musste nach einigen Jahren die gemeinsame Grillstruktur wieder abgebaut werden. Wenn für Grillabende zu viele Gäste von auswärts eingeladen werden, sprengt das die Kapazitäten. <BR /><BR />Etwas mehr als 1.000 Euro berappen die Mieter pro Jahr für die Standardgröße von 100 Quadratmetern, manche haben etwas größere Flächen. „Es ist ein Stückchen Luxus, das man sich hier gönnt, allerdings spreche ich nicht von monetärem Luxus“, sagt Günther. Die wenigen Schrebergartenanlagen in Südtirol sind mehr oder weniger ausgebucht. Somit ist es Luxus, überhaupt ein Stück Erde zu bekommen, um es nach eigenen Vorstellungen beackern zu können. Na klar, auch das einfache, pure Leben wird zunehmend zum Luxusgut.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1332060_image" /></div> <BR /><b>Ruheoase Glaning</b><BR /><BR />Mit einer Mischung aus Tatkraft, Mut und Know-how hat Patrick Höller seine Schrebergartenanlage in unmittelbarer Nähe zum elterlichen Hof verwirklicht. Im Laufe von knapp neun Jahren sind Parzellen für mittlerweile 30 Mieter entstanden. Die Menschen seien sehr dankbar für das Angebot abseits von Lärm und Hektik. Flaniert man durch die Schrebergartenanlage von Patrick Höller, fallen einem die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten eines kleinen Fleckchens Grünland ins Auge: Manche Mieter mögen es üppig, bunt und durchaus wild, haben etwa Salat- und Kräuterbeete mit hohen Brombeerstauden, Rosenhecken und Obstbäumen garniert, womöglich noch einen Grill und einen Trampolin in ihrer Parzelle stehen, andere dagegen beschränken sich auf Liegestühle, eine Rückzugsnische und sauber gepflegten Rasen. Die einzelnen Grundstücke spiegeln somit auch die Wesensart der Mieter wider. <BR />Insgesamt 30 Parzellen vermietet Patrick Höller auf einer ansehnlichen Wiesenfläche in Glaning in unmittelbarer Nähe zum elterlichen Moarhof, die Standardgröße beläuft sich auf 100 Quadratmeter, manche Parzellen sind auch etwas größer. Komplettiert wird die Anlage mit dem Namen „Schrebergärten Bozen“ von einem Gemeinschaftsplatz mitsamt Calcetto- und Tischtennistisch, Sandkasten und Bocciafeld sowie einem kleinen Fußballfeld. Natürlich dürfen Gartengeräte, Toiletten und Wasseranschlüsse nicht fehlen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1332063_image" /></div> „Die Menschen wissen die besondere Lage hier sehr zu schätzen“, sagt Patrick und zählt Faktoren wie die Abwesenheit von Straßen und Stadtlärm, die angenehmen Temperaturen und den Rundumblick auf Wiesen, Wälder sowie ferne Gebirgszüge auf. Nichts weist darauf hin, dass die darunterliegende Stadt Bozen kaum eine Viertelstunde Fahrtzeit entfernt ist. Der Ort hier ist ideal für Stadtmenschen, die dem hektischen Treiben und der Sommerhitze entfliehen wollen. <BR /><BR /><b>Beträchtliche Investitionen und viel Arbeit</b><BR /><BR />Als Patrick Höller im Jahr 2017 mit seinem Vorhaben begann, konnte er nicht ahnen, dass es auf so gute Resonanz stoßen würde. „Ich war 21 Jahre alt, habe meinem Vater gesagt, dass ich die volle Verantwortung dafür übernehme und bei der Bank einen ziemlich großen Kredit aufgenommen“, blickt er zurück. Inspiriert hatte ihn das Projekt der „Gartenzwerge Nals“. Zunächst galt es, ein Wasserreservoir und Leitungen anzulegen, Parkplätze zu berücksichtigen und das Areal zu beackern. „Um alles am Laufen zu halten, ist mehr Arbeit notwendig, als sich viele denken würden“, sagt er. Mit einem einzigen Mieter hat alles begonnen, Jahr für Jahr sind immer mehr dazugekommen: Familien mit Kindern, Einzelpersonen, Pensionisten, erstaunlich viele junge Leute zwischen 20 und 30 Jahren aus Bozen, Leifers und einigen umliegenden Gemeinden. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1332066_image" /></div> <BR />Was bauen sie hier vorzugsweise an? Die Aufzählung von Patrick ist lang, sie beginnt mit Wasser- und Zuckermelonen und endet schließlich bei Karotten und diversem Kohlgemüse, das man noch in den Wintermonaten ernten kann. „Nachdem wir auf unserem Bauernhof selbst allerlei Gemüse anbauen und auf den Bauernmärkten in Bozen verkaufen, können wir unsere Erfahrungswerte an die Pächter weitergeben“, sagt Patrick, der hauptberuflich für einen Landmaschinenbetrieb in Tscherms tätig ist. Folglich versorgt er die Leute mit praktischen Tipps, achtet auf die Funktionstüchtigkeit der Anlage und entwickelt sie beständig weiter. Für die Standardparzelle berechnet er 1.050 Euro im Jahr, darin sind auch all seine Serviceleistungen enthalten. „Beim Garteln können die Leute gut abschalten, wobei hier viele einfach die Natur und die feine Gesellschaft genießen wollen“, weiß er zu berichten.