Sonntag, 12. Juni 2016

Sein Feldthurner „Dream“

Markus Dorfmann (40) ging 1995 nach Amerika, um als Schlagzeuger durchzustarten. Heute führt der Feldthurnser zwei Restaurants in New York und gibt den Rhythmus an der Bar anstatt am Drum Set vor.

Foto: Markus Dorfmann
Foto: Markus Dorfmann

Südtirol Online: Herr Dorfmann, vom Musiker zum Restaurantbetreiber – wie kam es dazu?

Markus Dorfmann: Ich war 13 Jahre lang als Musiker unterwegs. Aus dem Koffer zu leben und kein richtiges Zuhause zu haben ist mit der Zeit sehr ermüdend. 2008 habe ich drei Menschen kennengelernt, die ein Restaurant eröffnen wollten und noch einen Managing Partner suchten. So habe ich entschieden zu investieren, und wir haben im April 2009 das Restaurant „Emporio“ im Viertel Nolita in Little Italy eröffnet. Mit Unterstützung guter Freunde ist es recht bald zum Selbstläufer geworden. 

Stol: Kann man vom „American Dream“ sprechen?

Dorfmann: Ich würde es eher einen „Felthurner Traum“ nennen. Ich hatte das große Glück zur richtigen Zeit die richtigen Menschen zu treffen, die mir immer unter die Arme greifen, wenn ich sie brauche. 

Stol: Was bieten Sie in Ihren mittlerweile zwei Restaurants?

Dorfmann: Das Restaurant „Emporio“ hat 90 Sitzplätze (www.emporiony.com), das 2014 eröffnete „Baker & Co.“ 55 Sitzplätze (www.bakerandcony.com). Beide Restaurants bieten saisonale italienische Küche, aber auch lokale Spezialitäten, biodynamische Weine und nachhaltige Produkte an. Unsere Kunden kommen großteils aus der Nachbarschaft und besuchen die Restaurants auch mehrmals in der Woche. 

Stol: Wann und warum sind Sie nach Amerika gegangen?

Dorfmann: Ich bin 1995 nach Amerika ausgewandert, um Musiker zu werden. Ich hatte damals klassische Perkussion im Bozner Konservatorium studiert. Im ersten Jahr habe ich in einer Jugendherberge mit  sechs bis zehn anderen im Zimmer gewohnt und meine Miete zum Teil abgearbeitet. Von 1997 bis 2008 war ich dann mit meiner Band Carbondale unterwegs, nahm Tonträger auf und teilten und die Bühne mit Stars wie Sheryl Crow, Lifehouse, Kelly Clarkson, Lisa Marie Presley und vielen mehr. Ich liebte jede Minute hinter dem Drum Set. Es war ein ganz anderes Leben als das heutige. 

Stol: Haben Sie Ihre Ziele erreicht?

Dorfmann: Ziele sind relativ. Immer wenn du eines erreicht hast, suchst du schon ein Neues. Als Musiker habe ich Dinge erreicht, von denen ich anfangs nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Es war gewaltig, das Leben eines Rockstars zu leben. Ab 35 ist es aber irgendwie nicht mehr ganz so interessant. Mit dem Restaurant wurde ich nun vor neuen Herausforderungen gestellt. Aber ich bin zuversichtlich und freue mich jeden Tag auf Neues. 

Stol: Wo möchten Sie noch hin?

Dorfmann: Ich möchte noch weitere Restaurants eröffnen und mit meiner Familie ein ruhiges Leben führen. Wir wohnen an de Upper East Side von Manhattan, nur zwei Blocks vom Central Park entfernt. 

Stol: Geben Sie am Schlagzeug noch den Rhythmus an?

Dorfmann: Ich werde Musik immer lieben, aber Schlagzeug spiele ich nicht mehr. Das Drum Set in einem Apartment inmitten von Manhattan zu spielen ist keine gute Idee und Studio habe ich keines mehr. 

Stol: Welchen Bezug haben Sie noch zur Heimat Feldthurns?

Dorfmann: Es kommen mich regelmäßig Südtiroler und auch Feldthurner in New York besuchen. Ich liebe Südtirol und bin auch stets daran interessiert, was daheim so passiert. Dank sozialer Medien kriege ich relativ viel mit und fühle mich nicht so, als würde ich auf der anderen Seite des Globus leben. 

Stol: Was vermissen Sie in New York?

Dorfmann: Die Berge, die frische Luft, die Alm und einen guten Speck mit Schüttelbrot.  

Stol: Wie erleben Sie die Heimat aus der Ferne?

Dorfmann: Ich serviere in meinen Restaurants Weine von der Eisacktaler Kellereigenossenschaft, wo mein Cousin Thomas Dorfmann Kellermeister ist. Auch wird hier in New York Wein von meinem Schulfreund und Nachbarn vom Garlider Hof ausgeschenkt. Wir verkaufen außerdem Südtiroler Speck und servieren heimische Gerichte. 

Stol: Wie nehmen Sie Amerika im Wahljahr wahr?

Dorfmann: Hoffnungsvoll. Dass Donald Trump aber Präsident werden will, ist eine furchtbare Vorstellung für Amerika und die Welt. Ich glaube in der Politik ist kein Platz für einen engstirnigen Reality-TV-Star. 

stol

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