<b>von Christian Tschurtschenthaler</b><b><BR /><BR />Frau Tschurtschenthaler Hackhofer, Sie sind als Servicefachkraft in einem Hotel von morgens bis abends auf den Beinen. Was hat Sie dazu bewogen, sich in Ihrer Freizeit nicht zu erholen, sondern Extremsport zu betreiben?</b><BR />Dora Tschurtschenthaler Hackhofer: Für mich ist das, was ich mache, nicht Extremsport, im Gegenteil. Der fast tägliche Gang zum Helmgipfel ist für mich Erholung pur. Das Helmhaus direkt am italienisch-österreichischen Grenzstein stellt für mich einen Kraftplatz dar, den ich nach und nach für mich entdeckt habe. Ich wohne am Helmweg im Weiler Palmstatt auf 1340 Metern Seehöhe und kann direkt ab meiner Haustür über die Kristler- und Trojenhöfe auf dem Heimatsteig zum Helmgipfel gelangen, meistens mit Trekkingstöcken für einen gelenkeschonenden Abstieg. Irgendwann habe ich begonnen, nach jeder Rückkehr Strichlisten zu machen, die am Kuchlkastl hängen, und nun ist diese runde Zahl erreicht. Dabei beginnst du mehr und mehr in deinen Körper hineinzuhören, die eigenen Grenzen auszuloten, aber auch bewusster zu erleben und zu genießen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1072518_image" /></div> <BR /><b>Was fasziniert Sie so daran, dass man den selben Weg 1500 Mal auf sich nimmt? Schließlich ist das Ganze kein Spaziergang </b><b>und Sie gehen – egal ob Sommer oder Winter, morgens oder abends, bei brütender Hitze oder eisiger Kälte</b>...<BR />Tschurtschenthaler Hackhofer: Ich bin schon ein wenig stolz auf mich, dass ich das durchgezogen habe, zu Fuß oder mit Tourenskiern, und ich es auch gesundheitlich durchhalten konnte. Eine meiner schnellsten Zeiten war eine Stunde und 5 Minuten, aber da war ich noch 10 Jahre jünger. Jetzt geht es mir nicht mehr um die Zeit. Es geht darum, ein gutes Gefühl zu haben, frei zu werden im Kopf, das spektakuläre Licht des Sonnenaufgangs zu erleben oder bei Sonnenuntergang die Ruhe und den Frieden des Abends zu finden. Das Europakreuz am Gipfel neben dem Helmhäusl bedeutet mir sehr viel. Es ist für mich eine Pilgerstätte geworden, wo ich jedes Mal bete, für Menschen, die in meinem Leben eine besondere Bedeutung hatten. Hier hatte ich auch besondere Begegnungen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-66528545_quote" /><BR /><BR /><b><BR />Erzählen Sie uns davon?</b><BR /> Tschurtschenthaler Hackhofer: Einmal bin ich früh morgens einem Pferd begegnet, das ausgebüchst war und mich bis zum Gipfel begleitet hat. Ein andermal begrüßte mich ein Adler am Dachl des Kreuzes, der sich dann in die Weiten des Gipfelmeeres schwang. Einmal im November 2020 traf ich völlig unerwartet mit dem bekannten Netflix-Schauspieler Bear Grylls zusammen, der per Hubschrauber am Helmhaus abgesetzt worden war. Danach durfte ich mit dem Heli zurück ins Tal fliegen. Im Jänner 2023 habe ich, wie viele Mal zuvor, am Gipfel Hans Happacher getroffen und mit ihm von der Aussicht und der Schönheit dieser Berge geschwärmt. Danach fuhr er mit den Skiern in die Helmleite ein, wo sich eine Lawine löste. Ich war die letzte, die ihn lebend gesehen hat. Das schönste Erlebnis hatte ich bei meiner 1500. Gipfelbezwingung. Mein Mann Arthur nahm mich am Gipfel in die Arme. Dann gab es Applaus von 150 Gästen, die zum Sonnenaufgang auf den Helm gekommen waren, und hinterher knallte der Sektkorken.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1072521_image" /></div> <BR /><b>Gibt es ein neues Ziel, einen neuen Berg, den Sie nun anpeilen, nachdem dieser Rekord geschafft ist? </b><BR /> Tschurtschenthaler Hackhofer: Mein größtes Ziel ist, zufrieden mit mir selber zu werden, von der einzigartigen Natur und ihren Stimmungen umgeben und inspiriert zu sein, um bereit für den Alltag zu sein. Auf alle Fälle bleibe ich meinem Berg, dem Helm, treu. Ich möchte zu meinem 60. Geburtstag die 2000er Marke an Gipfelbezwingungen knacken und träume davon, irgendwann im Helmhäusl zu schlafen, wenn es mir gehören sollte. Doch das wird wohl ein Traum bleiben...