<b>Oriol Cardona Coll nahm sich auch Zeit für ein Interview. Darin spricht er über seine Faszination für das Skibergsteigen, seine erfolgreiche erste Teilnahme an Olympia und darüber, was die olympische Premiere für seine Sportart bedeutet.<BR /><BR />Wie kommt man in Katalonien zum Skibergsteigen?<BR /></b>Oriol Cardona Coll: Als Kind habe ich Leichtathletik betrieben und bin am Wochenende oft zum Skifahren in die Pyrenäen gefahren, das war von mir zu Hause ungefähr zwei Stunden mit dem Auto entfernt. Später bin ich dann zum Skibergsteigen gekommen. Spanien ist sicher kein schneereiches Land, aber wir haben schöne Berge, die Sierra Nevada im Süden und die Pyrenäen im Norden, die sich gut für Skitouren eignen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74651055_listbox" /><BR /><BR /><b>Was fasziniert Sie an der Sportart?</b><BR />Cardona Coll: Ich liebe es, mich im sportlichen Wettkampf mit anderen zu messen. Ich habe mich für Skibergsteigen und Trailrunning entschieden, weil mich die Mischung zwischen Sport und den Bergen begeistert. Es ist eben nicht nur reiner Sport, sondern man ist draußen in der Natur und kann seine eigene Spur durch die Berge ziehen. Ich trainiere zum Großteil auf Pisten, aber wenn ich körperlich oder mental ein bisschen müde bin, gehe ich ins Gelände. Auch wenn unsere Rennen im Sprint-Bereich nur sehr kurz sind, ist das eine wichtige Abwechslung, damit ich nicht immer nur das Gleiche erlebe. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1310151_image" /></div> <BR /><BR /><b>Was bedeutet es für Sie, der allererste Olympiasieger in Ihrer Sportart zu sein?</b><BR />Cardona Coll: Sehr viel. Mir war schon vorher klar, dass ich mit einem Sieg in die Sportgeschichte eingehen würde. Es war ein großes Ziel, nicht nur bei den Olympischen Spielen zu gewinnen, sondern beim ersten Mal, dass meine Sportart Teil von Olympia war. Und ich bin ja auch schon 31, ich habe nicht mehr so viele Gelegenheiten zur Teilnahme. Ich plane, bei den Winterspielen 2030 in Frankreich dabei zu sein, aber wahrscheinlich kein drittes Mal.<BR /><BR /><b>Wie haben Sie Ihre ersten Olympischen Spiele erlebt?</b><BR />Cardona Coll: Es war großartig. Olympia ist für jeden Athleten etwas sehr Spezielles, die historische Bedeutung des Events ist enorm. Ich wollte bei meiner ersten Teilnahme eine gute Leistung zeigen. Die Erwartungen an mich waren auch groß, von mir selbst und von meinem Umfeld, da ich in den vergangenen vier Jahren die größten Rennen im Sprint gewonnen hatte. Aber ich denke, Erwartungshaltung und Druck sind ein Privileg. Sie bringen das Beste in mir zum Vorschein. Trotzdem war Olympia eine große Herausforderung, da es ganz anders war als alle Rennen zuvor. Wir wirkten sehr professionell, es sah so aus, als wären wir endlich auf einer Augenhöhe mit den wichtigsten Sportarten der Welt angekommen. Die großen Stars dieser Sportarten durfte ich dann auch bei der Schlussfeier treffen. Das war eine sehr schöne Erfahrung. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1310154_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie läuft ein Wettkampf im Skibergsteigen ab?</b><BR />Cardona Coll: Bei Olympia gab es zwei Disziplinen: den Sprint im Einzel und die Mixed-Staffel. Im Sprint ist in einem zweieinhalb bis drei Minuten langen Rennen das Wichtigste am Skibergsteigen zusammengefasst. Das Rennen besteht aus einem kurzen Anstieg mit den Steigfellen und der anschließenden Abfahrt. Der Anstieg ist in verschiedene Abschnitte unterteilt, die abwechselnd mit den Skiern an den Füßen und am Rucksack absolviert werden. Es ist ein kurzes, sehr schnelles, durch die ständigen Wechsel technisch anspruchsvolles und auch taktisches Rennen. Aber es braucht auch Ausdauer, da es bis zum Finale aus mehreren Runden hintereinander mit jeweils sechs Sportlern besteht.<BR /><BR /><b>Gibt es auch andere Disziplinen?</b><BR />Cardona Coll: Mehrere, die alle deutlich länger sind als der Sprint. Das Vertical ist ein reines Aufstiegsrennen über rund 700 Höhenmeter. Das Individual ist die Königsdisziplin des Skibergsteigens: Es dauert ungefähr eineinhalb Stunden und besteht aus mehreren Aufstiegen und Abfahrten im freien Gelände. Und dann gibt es noch das Team-Rennen, die traditionellste Form des Skibergsteigens über mehrere Stunden in hochalpinem Gelände.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1310157_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Warum hat das Internationale Olympische Komitee das Sprintrennen ausgewählt?</b><BR />Cardona Coll: Der Sprint ist die jüngste Disziplin, es gibt ihn seit 2010. Das Format ist durch seine Kürze sehr spannend und spektakulär für die Zuschauer, auch im Fernsehen. Es wurde für den Fall eingeführt, dass das Skibergsteigen eines Tages Teil des olympischen Wettkampfprogramms werden sollte, und das hat ja geklappt. Es ist auch ein Format, das mir persönlich sehr liegt. Vielleicht kommt 2030 eine dritte Disziplin bei Olympia dazu, das wird demnächst entschieden.<BR /><BR /><b>Welche Möglichkeiten zur Entwicklung sehen Sie für das Skibergsteigen?</b><BR />Cardona Coll: Bei den Olympischen Spielen hatten wir die Möglichkeit, die ganze Welt auf unseren Sport aufmerksam zu machen. Ich denke, wir haben dieses Ziel erreicht. Zumindest in Spanien habe ich das erlebt. Viele Menschen haben das Skibergsteigen kennengelernt, aber auch, dass der Sprint nur ein kleiner Teil unserer Sportart ist. Ich denke, in Zukunft werden viel mehr Leute unseren Sport zumindest einmal ausprobieren, hoffentlich auch viele junge Menschen. Schlussendlich wird dann auch das Niveau im Skibergsteigen ansteigen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1310160_image" /></div> <BR /><BR /><b>Sie sind auf Einladung Ihres Ausrüsters Dynafit in Bozen. Wann begann diese Zusammenarbeit?</b><BR />Cardona Coll: Dynafit ist seit 13 Jahren mein Partner, es gibt nicht viele andere Sportler, die so lange bei derselben Marke sind. Dynafit war für mich 2013 die beste Wahl, weil es eine Qualitätsmarke ist und sie die gesamte Ausrüstung hatte, die ich damals für Skibergsteigen und Trailrunning brauchte. Wir sind über all die Jahre zusammengewachsen und haben eine starke Beziehung aufgebaut. Zusammen haben wir auch mein Projekt Olympia gestartet, wir haben eng zusammengearbeitet und mit der bestmöglichen Ausrüstung alle Voraussetzungen für ein perfektes Jahr geschaffen.