Die diplomierte Hundetrainerin Lisa Holzner verrät, wie es geht. Von Petra Schwienbacher<BR /><BR />Vor allem Welpen und Junghunde sind draußen häufig stark aufgeregt – sie haben Spaziergänge vor allem mit Action verknüpft. Ohne gezielte Ruhephasen lernen Hunde: Draußen passiert immer etwas. Damit sie also auch unterwegs entspannen können und ein ausgeglichenes Hundeleben führen, brauchen sie die Erfahrung, dass draußen nicht ständig etwas von ihnen erwartet wird.<BR /><BR /><b>Warum sind Ruheübungen draußen so wichtig?</b><BR />Lisa Holzner: Ruhe ist kein Automatismus – sie ist eine Fähigkeit, die gelernt werden muss. Gerade wenn ein Hund Ruhe draußen noch nicht kennt, sollten auf jedem Spaziergang kurze Ruheübungen eingebaut werden. <BR /><BR /><b>Wie führt man Ruheübungen draußen richtig durch?</b><BR />Holzner: Am besten beginnt man immer an denselben Orten. Das gibt Sicherheit und hilft dem Hund, schneller zur Ruhe zu kommen. Wenn es dort gut klappt, kann man die Übungen nach und nach auf andere Orte und Situationen ausdehnen. <BR /><BR />Die Übung ist bewusst einfach aufgebaut: Man bleibt stehen oder setzt sich beispielsweise auf eine Bank. Der Hund bleibt an der Leine. Die Leine sollte circa zwei Meter lang sein oder kürzer. Man gibt dem Hund keine Signale. Man richtet seine Aufmerksamkeit nicht auf den Hund. Hilfreich ist es, wenn man sich also mit etwas anderem beschäftigt, zum Beispiel aufs Handy schaut, Musik hört oder ein Buch liest. <BR /><BR />So lernt der Hund: Ich habe Pause. Es passiert gerade nichts Spannendes. Die ersten Einheiten dauern nur 30 Sekunden, maximal ein bis zwei Minuten – je nach Hund. Wichtig ist: Nicht weitergehen, wenn der Hund nervös wird, sondern möglichst dann auflösen, wenn er noch entspannt ist. Ziel ist immer Entspannung – nicht das Durchhalten!<BR /><BR /><b>Sind Signale wie Sitz oder Platz hier nicht sinnvoll?</b><BR />Holzner: Nein. Wenn der Hund ein Sitz- oder Platz-Signal bekommt, kann er sich nicht selbst die angenehmste Position aussuchen. Das führt oft zu Unruhe. Muss das Signal dann erneut gegeben werden, lernt der Hund außerdem, dass Hibbeln und Unruhe Aufmerksamkeit bringen. Bei Ruheübungen soll der Hund selbst entscheiden dürfen, wie er entspannen möchte. Mit der Zeit wird er sich ganz von allein hinsetzen oder hinlegen – ohne Aufforderung.<BR /><BR />Zusätzlich kann eine bestimmte Decke ins Training eingebaut werden. Diese sollte zu Beginn ausschließlich für gezieltes Ruhetraining genutzt werden. Die Decke ist kein Zwang, sondern ein Angebot und ein klares Zeichen: Jetzt ist Pause. <BR /><BR />Der Hund wird sporadisch belohnt, wenn er sitzt oder liegt, ohne seinen Menschen anzuschauen – hier sollte man keine Erwartungshaltung aufbauen. Wenn es für den Hund beispielsweise bei großer Hitze angenehmer ist, neben der Decke im kühlen Gras zu ruhen, ist das auch okay.