Kastanienbäume blühen erst im Juni. Heuer war dieser Monat kalt und feucht. „Der Frost macht den Früchten nichts aus. Niederschlag ist aber ein Problem“, erklärt Giacomo Gatti. Der Regen wäscht die Baumpollen aus der Luft, eine Bestäubung durch den Wind ist nicht mehr möglich. Das hat, laut Gatti, einen Ernterückgang von schätzungsweise 20 bis 30 Prozent zur Folge. <h3> Gute Qualität der Früchte</h3>Doch die schlechte Befruchtung hatte auch einen Vorteil: „In den Kastanienigeln können normalerweise bis zu 3 Kastanien Platz finden. Diesmal werden es wohl nur eine oder 2 Kastanien sein“, weiß der Experte. Das hat zur Folge, dass die Früchte größer sind, die Qualität leidet nicht darunter, sondern ist im Gegenteil sehr gut – zumindest bis zur Ernte. <BR /><BR /><embed id="dtext86-66722769_quote" /><BR /><BR />Danach beginnt nämlich die große Herausforderung für Kastanienbauern und -liebhaber: die Lagerung. Bereits nach einigen Tagen können die braunen Früchte von einem Pilz befallen werden, der die Pflanzenkrankheit Graufäule verursacht. <BR /><BR />Sie macht die Früchte ungenießbar. Deshalb ist es umso wichtiger, sie richtig zu lagern. „Aufgesammelte Kastanien müssen sofort an einem kühlen Ort aufbewahrt werden“, informiert Experte Gatti (siehe Tipps). <h3> Klimawandel als Herausforderung</h3>Vor 10 Jahren war noch die Gallwespe die größte Gefahr für die Edelkastanie. „Zum Glück konnten wir einen natürlichen Gegenspieler einsetzen, die Schlupfwespe Torymus sinensis“, berichtet Gatti. Damit wurde der Schädling erfolgreich bekämpft. Im Trentino und in Südtirol werden keine Pflanzenschutzmittel in der Kastanienkultur eingesetzt. <BR /><BR />Aber der Klimawandel macht auch Kastanienbäumen zu schaffen. „Die hohen Temperaturen beschleunigen die Ausbreitung von Graufäule“, sagt Gatti. Vor 20 Jahren seien ein bis 2 Prozent der gelagerten Früchte von der Krankheit betroffen gewesen, heute könne es nach ein paar Wochen Lagerung zum Totalausfall der Ernte kommen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-66722950_quote" /><BR /><BR />Ein weiteres Phänomen, das die Erderwärmung mit sich bringt: Kastanien sind normalerweise Ende September, Anfang Oktober reif. „Wenn es zu dieser Zeit immer noch heiß ist, kaufen weniger Konsumenten Kastanien“, sagt Gatti. Bei 25 Grad Celsius sei man nicht motiviert, Kastanien zu braten. <BR /><BR />Ein kalter Herbst fördere den Kastanienverkauf. „2022 war es im Herbst heiß. Die Menschen haben erst im November und Dezember viele Kastanien gekauft.“ Bis dahin müssen die Kastanien richtig gelagert werden, ansonsten droht der Pilzbefall und sie verderben. Es ist ein Teufelskreis. „Deshalb kommt der Lagerung eine immer größere Bedeutung zu“, schließt Gatti.<BR /><BR />In Südtirol werden auf etwa 400 Hektar Kastanien angebaut. Damit ist die Kastanie nach dem Apfel und der Weinrebe die drittgrößte Obstkultur des Landes. <h3> Wann geerntet wird</h3>In 10 Tagen beginnt die Kastanienernte. „Heuer sind wir etwas spät dran. Normalerweise geht es Ende September los“, so Christoph Ladurner, Vizeobmann des Kastanienvereins Burggrafenamt. Einzelne Kastanien würden in den nächsten Tagen schon von den Bäumen fallen. Bis zu 7 Euro kostet ein Kilogramm Kastanien beim Bauern.<BR /><h3> Tipps:</h3><div class="img-embed"><embed id="1077582_image" /></div> <BR /><b>So lagert man Kastanien richtig</b>