<b>Warum ist der Welttag der Großeltern und alten Menschen wichtig?</b><BR />Toni Fiung: Weil wir in unserer auf Leistung orientierten Gesellschaft gerne vergessen, welchen Schatz wir an unseren älteren Mitmenschen haben.<BR /><BR /><b>Was macht Großeltern eigentlich zu Großeltern?</b><BR />Fiung: Mit jedem Kind wird ein Großvater, eine Großmutter geboren. Großeltern freuen sich sehr darauf und oft entsteht zwischen ihnen und dem Kind eine besondere Verbindung. Sie stehen nicht unter Erziehungsdruck und tragen auch nicht Verantwortung wie die Eltern. Kinder spüren, bei Oma oder Opa dürfen sie einfach sein – ohne Erwartungen, ohne Leistungsdruck. <BR /><BR /><b>Wie erleben Sie das in Ihrer Arbeit als Seelsorger?</b><BR />Fiung: Ich sehe Großeltern, die ganz selbstverständlich im Leben ihrer Enkel eine kostbare Rolle spielen – sei es durch Betreuung, durch ihre Zeit oder einfach durch ihr Dasein. Gleichzeitig begegne ich aber auch älteren Menschen, die sich allein fühlen. Die Familie ist verstreut, der Kontakt bricht ab, das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, wächst. Der Welttag kann ein wichtiges Zeichen setzen: als Einladung, wieder aufeinander zuzugehen.<BR /><BR /><b>Also ist der Generationendialog wichtig?</b><BR />Fiung: Er ist ein gegenseitiges Geschenk. Wenn der Enkel dem Opa das Smartphone erklärt, wächst nicht nur das technische Verständnis, sondern auch das Selbstwertgefühl beider.<BR /><BR /><b>Was geben Großeltern weiter, was wertvoll ist?</b><BR />Fiung: Eine Grundhaltung dem Leben gegenüber. Sie zeigen, dass man Krisen übersteht, dass Glauben tragen kann, dass Gemeinschaft Halt gibt. In vielen Familien sind sie es, die religiöse Rituale weiterleben. Das wird oft sehr geschätzt.<BR /><BR /><b>Heute sind viele Großeltern selbst noch sehr aktiv?</b><BR />Fiung: Viele Großeltern sind fit, mobil, selbstbestimmt – das ist wunderbar. Aber es bedeutet auch, dass das Großelternsein eine Rolle ist, die man bewusst gestalten muss. Und die sich immer wieder mit den Kindern und Enkeln neu aushandeln lässt. Dafür braucht es Gespräch, gegenseitiges Verständnis – und auch die Bereitschaft, Grenzen zu respektieren.<BR /><BR /><b>Was würden Sie jungen Eltern raten im Umgang mit den Großeltern ihrer Kinder?</b><BR />Fiung: Sich bewusst zu machen, dass auch die Großeltern Zeit brauchen, um ihre Rolle zu finden. Und offen darüber zu sprechen, was man sich wünscht und was nicht.<BR /><BR /><b>Und was wünschen Sie den Großeltern?</b><BR />Fiung: Vertrauen. In die Jungen, in ihre Entscheidungen. Es braucht manchmal die Fähigkeit, sich zurückzunehmen, auch wenn man es vielleicht anders machen würde. Nicht jeder Ratschlag ist hilfreich. Wer es schafft, sich einzubringen, ohne zu drängen, wird nicht selten mit tiefer Dankbarkeit belohnt.<BR /><BR /><b>Was möchten Sie Großeltern mit auf den Weg geben?</b><BR />Fiung: Das Thema des Welttages heuer lautet: „Selig, die die Hoffnung nicht aufgegeben haben“. Es ist eine Würdigung all jener Menschen, die trotz schwieriger Zeiten, Einsamkeit oder persönlicher Schicksale nicht verbittert sind, sondern weitergeben, was das Leben schön und hell macht.