<b>Frau Dirisamer, was kann Theaterpädagogik denn bewirken?</b><BR />Nora Dirisamer: Gerade beim Unterricht vermag Theaterpädagogik erstaunliche Wirkungen zu entfalten. So gelingt es, kreative Lösungsprozesse wieder zu reaktivieren und damit das Ideenpotenzial und die Kreativität im Kinde freizulegen. Gerade Kindern gelingt das leichter als Erwachsenen, weil da der innere Zensor noch nicht so stark ausgeprägt ist. Dabei ist genau diese gelebte Kreativität etwas, das uns Menschen stark verwurzelt und glücklich macht. Doch Theaterpädagogik vermag noch vieles mehr.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1074975_image" /></div> <BR /><BR /><b>Was meinen Sie?</b><BR />Dirisamer: Wenn es um unsere Gesellschaft geht und um die Art, wie wir alle miteinander umgehen, dann punktet die Theaterpädagogik mit ihren niederschwelligen Methoden. Ich denke an Dinge wie Toleranz, Integration oder soziale Kompetenz. Daher wäre es schön, wenn Bildungsinstitutionen sich dafür stark machen, theaterpädagogische Elemente in den Unterricht einzubauen. <BR /><BR /><b>Allerdings zu Lasten der klassischen Fächer?</b><BR />Dirisamer: Unsere Forschungsprojekte an der Kepler-Universität in Linz zeigen klar, dass die Kinder sich die Lerninhalte besser merken, wenn sie diese auf spielerische Art erarbeiten und selbst entdecken. Was man selbst erlebt, merkt man sich nun mal besser – das ist keine Neuigkeit. Gerade dieses eigenständige Entdecken ist ein Schlüsselelement: Die Kinder beginnen über Zusammenhänge nachzudenken und stellen über die eigentlichen Inhalte hinaus Fragen. Das haben wir speziell bei den sogenannten MINT-Fächern beobachtet. Ich weiß, es gibt noch das Vorurteil: Die wollen nur spielen! Dabei weiß man aus der Hirnforschung, wie wichtig Spaß für den Lernerfolg ist. In der Wirtschaft und in Managerkreisen hat man das erkannt, dort setzt man verstärkt auf theaterpädagogische Konzepte.