40 Tage lang war er mit seinem Gravelbike vom Nordkap bis zum Südwesten Portugals unterwegs, am 3. November hat er sein Ziel erreicht. Im Interview berichtet er von seinem einmaligen Unterfangen. <BR /><BR /><BR /><BR />War das Marathon-Projekt tatsächlich nicht erschöpfend – im wahrsten Sinne des Wortes? Oder was hat Sie zu dieser Erweiterung des Projekts bewogen? <BR />Stefan Santifaller: Nachdem ich nach 7700 Kilometern endlich das Nordkap erreicht hatte, war ich tatsächlich körperlich gefordert, aber innerlich fühlte ich, dass ich noch nicht am Ziel war. Vor allem war der Wunsch da, meine eigenen Grenzen weiter zu erforschen. Ich war zwar seit 3 Jahren nicht mehr auf einem Rad gesessen, aber ich wusste, dass die Rückreise auf dem Fahrrad nicht nur eine sportliche, sondern auch mentale Erweiterung dieses Projekts sein würde. <BR /><BR /><b>Somit ging es vom Nordkap mit dem Rad wieder zurück an den Ausgangspunkt an der Westküste Portugals?</b><BR />Santifaller: Ja, genau. Dafür benutzte ich ein Gravelbike, das sich bestens eignet für verschiedenste Streckenbeläge und Wetterbedingungen – etwa strömenden Regen oder Eiseskälte. Unterm Strich radelte ich damit 40 Tage wieder quer durch Europa. <BR /><BR /><b>Welche Eindrücke waren am schönsten?</b><BR />Santifaller: Es gab sehr, sehr viele unterschiedliche besondere Momente. Etwa die Ruhe in den endlosen Wäldern und stillen Seen Finnlands. Das Wiedersehen mit der windgepeitschten, schwedischen Küste bei Umeå, wo ich ja eine Zeitlang studiert habe. Das dänische Seenland und Fehmarn, dann die herbstliche Farbenpracht in der Weinregion des Ahrtals, ehe ich das besondere Flair von Paris und Bordeaux genießen konnte. Es folgte die anspruchsvolle Überquerung der Pyrenäen, dann die rauen Landschaften der spanischen Extremadura und schließlich die letzten Kilometer im hügeligen Inland Portugals. Dann endlich, am 3. November erreichte ich das Ziel, den Leuchtturm am Cabo de São Vicente in Portugal. Genau dort hatte vor 7 Monaten mein großes Abenteuer begonnen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1093899_image" /></div> <b>Hatten Sie ähnlich wie beim Laufen die gesamte Ausrüstung mit dabei?</b><BR />Santifaller: Ja, die Schwierigkeit bestand darin, aufgrund des Wintereinbruchs in Norwegen und Finnland das Nötigste unterzubringen, aber gleichzeitig das Gewicht gering zu halten. Beim Übernachten habe ich mich für eine Mischung aus Zelt, gelegentlichen Unterkünften und der Gastfreundschaft von Einheimischen entschieden. <BR /><BR /><b>Welche Gedanken bleiben nun? Inwieweit hat sie dieses große Abenteuer geprägt?</b><BR />Santifaller: Es bleibt eine große Fülle an Gedanken und Eindrücken, die mich sicher ein Leben lang begleiten werden. So ist eine tiefere Erkenntnis, wie weit man mit Entschlossenheit und einem klaren Ziel kommen kann. Gerade die schwierigsten Momente – die Tage voller Schmerzen, die Momente der Erschöpfung und das Kämpfen gegen äußere Widrigkeiten – haben mir gezeigt, dass die Grenzen oft nur im Kopf existieren. Ein weiterer prägender Gedanke ist, wie kraftvoll menschliche Verbindungen sind. <BR /><BR /><b>Inwiefern?</b><BR />Santifaller: Auf der Strecke bin ich Menschen begegnet, deren Geschichten, Unterstützung und Freundlichkeit mir immer wieder neue Energie gaben. Ich habe zudem gelernt, dass man oft mit viel weniger auskommt, als man denkt, und dass der Reichtum eines Moments, einer Landschaft oder einer Begegnung nicht von materiellem Besitz abhängig ist. <BR /><BR /><b>Unterm Strich war es also eine sehr positive Erfahrung?</b><BR />Absolut. Insgesamt hat mich dieses Abenteuer offener, geduldiger und achtsamer gemacht. Es hat mir gezeigt, wie kostbar die kleinen Dinge im Leben sind. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1093902_image" /></div> <BR /><b>Bleibt der Vollbart?</b><BR />Santifaller: Gute Frage. Der Vollbart ist eine Art Reisebegleiter, er symbolisiert für mich die Herausforderungen und das Durchhalten. Ein großes Abenteuer braucht wohl einen großen Bart! Aber im Alltag wird er weichen. <BR /><BR /><b>Und jetzt? Gibt es schon neue Pläne?</b><BR />Santifaller: Meine Projekt- und Ideen-Liste ist lang. Zunächst geht es an die Algarve und Lissabon zum Ausradeln, bevor ich nach Südtirol und Deutschland zurückkehre. Mein Projekt endet hier nicht. Ich freue mich darauf, das gesammelte Wissen und die Erfahrungen zu bündeln und bei Impuls-Vorträgen, Business-Keynotes und möglicherweise auch in Form eines Buches zu teilen.<BR />Interview: Alex Zingerle