Heute widmen wir uns dem Sternbild Großer Wagen.<BR /><BR />Selbst Laien der Astronomie ist das Sternbild „Großer Wagen“ ein Begriff. In unseren Breitengraden ist dieses Sternbild zirkumpolar, das heißt, es ist sowohl bei Tag als auch bei Nacht und das ganze Jahr hindurch immer sichtbar. Bei Tag ist es klarerweise von der Sonne überstrahlt, aber in potenten Fernrohren sind die einzelnen Sterne auch am Tag sichtbar. Diese Sammlung aus Sternen vermittelt von der Erde aus gesehen einen Kastenwagen mit Deichsel. Als solches haben diese Sterngruppe alle anderen bedeutenden Kulturen gesehen. Astronomisch gehört dieses Sternbild aber einem größeren Sternbild, dem Großen Bären. Die vier Kastensterne sind nämlich das Gesäß es Bären und die Deichsel der Schwanz des Bären, da der Legende nach Zeus die beiden Bären mit den Händen an den Himmel geworfen hat und dabei der Schwanz in die Länge gezogen wurde. <BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="765896_image" /></div> <BR /><BR /><b>Mythologie rund um den „Großen Bären“ und um den „Großen Wagen“</b><BR /><BR />Die Legende rund um die beiden Sternbilder Großer und Kleiner Bär stammt aus der griechischen Mythologie: Der Göttervater Zeus war einem Abenteuer mit reizvollen Frauen nie abgeneigt, dabei war ihn scheinbar einerlei, ob göttlicher oder profaner Herkunft. Eines Tages konnte sich Zeus vor der hübschen Nymphe Kallisto nicht zurückhalten. Er vergewaltigte die Jungfrau, wobei aus dieser Schandtat der Sohn Arkas entstand. Zeus Gattin Hera war ob dieses Vorfalles und dessen Konsequenzen außer sich vor Wut und sie wollte an Kallisto Rache nehmen. Um dies zu verhindern, wandelte Zeus seine vormalige Geliebte und deren Sohn in zwei Bären um und schleuderte die beiden an den Himmel, wo sie nun außerhalb der Reichweite Heras zirkumpolar das ganze Jahr oberhalb der Horizontlinie bleiben. <BR /><BR />Die Bezeichnung „Großer Wagen“ verdankt die Literatur wieder einmal einem griechischen Gott. Dionysos, Gott des Weins, der Freude, Fruchtbarkeit und Wahnsinns, verweilte auf seinen Streifzügen erneut auf Erden und fand partout kein Schlaflager. Ein armer Hirte fand Erbarmen mit dieser illustren Gestalt und nahm diese bei sich auf. Er teilte sogar sein karges Mahl mit dem Gott. Tags darauf wollte sich Dionysos beim Hirten erkenntlich zeigen und brachte ihm den Anbau von Weinreben bei und das Keltern von Wein bei. Höchst erfreut mit dem Ergebnis dieses Geschenkes packte der Hirte nach dem Gedeihen des Weines alles in Ziegenschläuche, um diesen Wohltrunk seinen Nachbarn vorzuführen. Da das Getränk süffig war, tranken alle viel zu viel davon. Den Gästen wurde übel zumute und sie glaubten, dass sie vergiftet worden waren. Deshalb erschlugen sie den Hirten. Erst als sie tags drauf ausgenüchtert waren, sahen sie ihren Irrtum. Dionysos, der zum erweiterten Kreis der Olympischen Götter zählte, bei den Römern den Namen “Bacchus“ trägt und der den Vorfall beobachtet hatte, erhielt von Zeus die Zustimmung, den Großen Wagen, mit dem der Hirte die Ziegenschläuche zu seinen Gästen brachte, an prominenter Stelle an den Himmel zu setzen. Wissenschaftlich läuft das Sternzeichen allerdings unter der Bezeichnung „Ursa Maior“, der „Große Bär“, abgekürzt „Uma“.<BR /><BR /><b>Definition der Einheit für Helligkeit der Sterne: mag (Magnitude)</b><BR /><BR />Aus historischen Gründen wurden die Sterne, die mit dem bloßen Auge sichtbar waren, in sechs verschiedene Größenklassen, Magnituden genannt, eingeteilt. Dieses System wurde ursprünglich vom griechischen Astronom Hipparch um 120 v. Chr. erdacht und wird heute immer noch in einer leicht abgewandelten Form verwendet. Hipparch wählte die Einteilung, dass der hellste Stern die Magnitude 1 und der schwächste die Magnitude 6 bekam.<BR /><BR />Die 7 auffälligen Sterne des Sternbildes in der Einzelbetrachtung<BR />Das Sternbild Großer Bär enthält viele helle Sterne. Der hellste ist Dubhe (Alpha = α-UMa), ein 1,8 mag (Magnitude) heller Roter Riese. Dubhe ist der hintere obere Kastenstern im Wagenkasten des Großen Wagens. Unterhalb von Dubhe liegt der 2,4 mag helle Merak (Beta = β-UMa). Östlich von Merak finden wir den ebenfalls 2,4 mag hellen Phekda (Gamma = γ-UMa), und 4,5° nordöstlich von Phekda finden wir den 3,3 mag hellen Megrez (Delta = δ-UMa). Megrez bedeutet „Schwanzwurzel“, denn hier beginnt der lange Schwanz des Großen Bären. Die Sterne Dubhe, Merak, Phekda und Megrez bilden den Kasten des „Großen Wagens“. Zieht man eine Linie von Merak durch Dubhe und verlängert sie um das Fünffache, stößt man auf den Polarstern.<BR /><BR /><b>3 Sterne für die Deichsel</b><BR /><BR />Die Deichsel des „Großen Wagens“ wird durch drei Sterne gebildet. Der 1,8m helle Alioth (Epsilon = ε-UMa) ist der hellste der Deichselsterne, und steht von den Deichselsternen am nächsten zu Megrez. Der mittlere Deichselstern ist der 2,3 mag helle Mizar (Zeta = ζ-UMa). An der Spitze der Deichsel liegt als letzter Deichselstern der 1,9m helle Benetnash (Eta). Von den sieben hellsten Sternen des Großen Wagens gehören fünf (Merak, Phekda, Megrez, Alioth und Mizar) zu einer sehr ausgedehnten Gruppe von Sternen, die sich gemeinsam in der gleichen Geschwindigkeit und in der gleichen Richtung durchs All bewegen. Diese Sterngruppe wird als der „Bärenstrom“ bezeichnet, zu diesem Sternenstrom gehören die hellen Sterne Gemma (Sternbild Nördliche Krone“), Sirius („Großer Hund“), Ras Alhague „Schlangenträger“), Zosma („Löwe“) und Menkalinan („Fuhrmann“), aber auch zahlreiche schwächere Sterne. Unsere Sonne durchquert auf ihrer Bahn um das Zentrum der Galaxis diesen lockeren Strom aus Sternen seit vielen Jahrtausenden.<BR /><BR />Wenn man die Figur des Großen Bären am Himmel erfassen will, muss man von Megrez nach Dubhe eine Linie ziehen und die Länge dieser Linie über Dubhe hinaus verdoppeln. Man kommt so zu den 3,0 mag hellen Sternen Tau = τ-Ursae Majoris und 23-Ursae Majoris. Diese beiden Sterne stellen die Augen des Großen Bären dar. Verlängert man die Linie weiter, gelangt man zum 3,4 mag hellen Omikron = ο-Ursae Majoris, der die Nasenspitze des Bären markiert. Zieht man von Megrez eine Linie durch Merak und verlängert sie über Merak hinaus, gelangt man zum 3,2m hellen Stern Theta Ursae Majoris und weiter zu dem Sternenpaar Talitha und Kappa. Die Sterne Theta Ursae Majoris, Talitha (Iota Ursae Majoris) und Kappa Ursae Majoris bilden die Vorderpranke. Zieht man von Megrez eine Linie zu Phekda und verlängert sie über Phekda bis zum 3,0m hellen Psi, so bildet Psi mit dem Sternenpaar Tania Borealis (Lambda Ursae Majoris) und Tania Australis (My Ursae Majoris) die Hinterpranke.<BR /><BR /> Mizar ist ein schönes Mehrfachsystem an Sternen, dessen Partner im Abstand von 14 Bogensekunden voneinander stehen. In elf Bogenminuten Abstand von Mizar steht der 4,2 mag helle Alkor, den man auch als den „Augenprüfer“ bezeichnet. Landläufig meint man, dass man ein gutes Augenlicht hat, wenn man diese beiden Sterne ohne Sehhilfe optisch zu trennen vermag.