Samstag, 22. September 2018

Straßenkünstler mit Kartenlesegerät

Jahrhundertelang lebten Künstler und Verkäufer auf Londons Straßen vom Kleingeld der Passanten. Doch das Bargeld kommt in der britischen Hauptstadt aus der Mode – und die Künstler und Händler müssen umdenken: Die Straßensängerin Charlotte Campbell war eine der ersten, die sich anpassten und ein Kartenterminal zum bargeldlosen Bezahlen anschafften.

In Großbritannien betragen Bargeldzahlungen nur mehr 21 Prozent der gesamten Zahlungen.
In Großbritannien betragen Bargeldzahlungen nur mehr 21 Prozent der gesamten Zahlungen. - Foto: © shutterstock

„Die Zeiten ändern sich in London, die Leute neigen dazu, alles mit Karten zu bezahlen“, sagt Campbell, die fast täglich im Schatten des Riesenrades London Eye auftritt. „Straßenmusik wird sonst zu einer sterbenden Kunst, wenn die Leute kein Bargeld mehr dabei haben“, konstatiert die Sängerin.

Zwischen fünf und zehn Prozent ihres Einkommen kommen inzwischen von Bankkarten, die an ihren kontaktlosen Kartenleser gehalten werden. Durch ihr Telefon hat sie ihn so programmiert, dass jeweils zwei Pfund (2,22 Euro) belastet werden.

Die Zahlen des Finanzministeriums geben ihr Recht: Demnach wurden 2016 nur noch 40 Prozent aller inländischen Zahlungen mit Bargeld abgewickelt, verglichen mit 62 Prozent 2006. Bis 2026 prophezeit die Behörde einen Rückgang der Bargeldzahlungen auf 21 Prozent, was Großbritannien an den Rand einer bargeldlosen Gesellschaft brächte.

Kein Bankkonto, kein Geld

Tatsächlich wollen auch Behörden weg vom Bargeld, weil die digitale Erfassung von Transaktionen Steuerhinterziehung und Terrorismus-Finanzierung erschwert. Doch könnten Obdachlose, Flüchtlinge und andere Bürger ohne Bankkonto von diesem neuen Zahlungsverkehr ausgeschlossen werden, warnt Scott.

Wie riskant es ist, sich allzu sehr auf digitale Zahlungen zu verlassen, zeigt ein Vorfall im Juni: An einem Freitagabend waren 5,2 Millionen Transaktionen mit Visa-Karten – davon allein 2,4 Millionen im Vereinigten Königreich – über mehrere Stunden blockiert, sodass Pubs, Läden und Restaurants zur besten Abendzeit kaum Geschäfte machen konnten.

apa/afp

stol