„Unsere Art des politischen Verstehens ist sozial erlernt“, so Projektleiter Emo Gotsbachner in einer Aussendung des Wissenschaftsfonds FWF, der das Projekt gefördert hat.Anhand dieses erlernten Repertoires entwerfen die Zuseher Deutungsmuster, mit denen sie auch neue Informationen und Aussagen bewerten. Will ein Politiker beim gegnerischen Lager punkten, muss er diese eingefahrenen Deutungsrahmen erst durchbrechen.Wie Politiker ihre Positionen und Deutungen bei Zusehern verankern können, wurde wissenschaftlich bis heute kaum zufriedenstellend analysiert. Zu komplex schienen die Anforderungen an eine Methodik zum Nachvollziehen der Wahrnehmungsprozesse von potenziellen Wählern.Deutungsrahmen beeinflusst VerstehenIm „Frame Project“ haben die Wiener Wissenschaftler versucht, anhand sogenannter „Deutungsrahmen“ nachzuzeichnen, wie Verstehen und Wahrnehmung bei politischen TV-Debatten funktionieren.Nach Angaben der Forscher interpretieren Zuseher neue Informationen innerhalb von bekannten Mustern, deren Repertoire auf Erlerntem basiert. Aus diesen Mustern bilden die Zuseher ihren Deutungsrahmen.„Wenn nun Deutungsmuster anderer Parteien nicht zu unserem Deutungsrahmen passen, so nehmen wir diese als Äußerungen des gegnerischen politischen Lagers wahr und schalten unsere Aufnahmebereitschaft ab“, so Gotsbachner.Politiker wechseln die SprechartIm Zuge des Projektes wurden politische ORF-Fernsehdiskussionen jeweils vier bis fünf Gruppen von Zusehern mit unterschiedlichem sozialem und politischem Hintergrund gezeigt und ihre Reaktionen auf das Gesagte anschließend ausgewertet.Dabei habe sich deutlich gezeigt, dass Politiker versuchen, möglichst viele Zuseher anzusprechen und dafür gerne publikumsorientierte Sprechweisen nutzen und auch einmal die Art des Sprechens wechseln.„In vielen rhetorischen Strategien lässt sich der Versuch beobachten, Anhänger des anderen politischen Spektrums anzusprechen“, erklärte Gotsbacher.apa