Denn laut wissenschaftlicher Definition muss sich eine invasive Tierart hierfür 3 Generationen im neuen Lebensraum halten – und dies wurde von den Bozner Halsbandsittichen längst erfüllt.<BR /><BR />In Südtirol wurden die Papageien schon an verschiedenste Orten beobachtet, doch Bozen ist der einzige Ort, an dem sie sich bisher dauerhaft halten konnten und eine Kolonie bildeten. In den letzten Jahren gab es beispielsweise Berichte aus Lana, wo ein einzelnes Männchen beobachtet wurde. Gleich mehrere waren in Leifers anzutreffen.<BR /><BR /> Ob es in der Stadt im Unterland allerdings so wie in Bozen zu einer Brut gekommen ist, wurde bisher noch nicht nachgewiesen. Auch in Meran waren gleich mehrere Tiere unterwegs. Laut der Südtiroler Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz (AVK) eine gezielte Freilassung. Allerdings nicht von Erfolg gekrönt. „Die Vögel überlebten aufgrund eines sehr geübten Habichts nicht lange“, so die AVK.<h3> Raubtiere schlagen zu</h3> Beutegreifer dürften auch der Grund sein, warum die Bozner Kolonie mit bis zu 30 Vögeln überschaubar bleibt. Eigentlich verwunderlich, da es laufend Bruterfolge gibt und die Art eigentlich langlebig ist. Dies spricht für die Entnahme von Exemplaren durch Raubtiere.<BR /><BR />Bozens Papageien nisten in großen Bäumen in den Parks zwischen Gries und Quirein und sind bis hinunter zum Flughafen anzutreffen. Kerngebiet ist die Altstadt bei Schloss Maretsch. Sind die grünen Sittiche eigentlich problemlose Einwanderer? <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="940189_image" /></div> <BR /><BR />„Mit der Zeit verdrängen sie andere Arten. In Florenz haben sie in der Tat die Eulen, wie etwa die Waldkäuze, aus den städtischen Alleen vertrieben“, so der EURAC-Ornithologe Matteo Anderle. Halsbandsittiche sind übrigens nicht die einzigen Papageien, die in Südtirol zeitweise anzutreffen sind. In Lana flatterte beispielsweise an der Seite der dortigen Halsbandsittiche auch ein Rosenköpfchen durch die Gegend. Damit nicht genug, auch ein Nymphensittich wurde dort, wie auch in Gargazon, beobachtet. Und in Bozen gab es zudem noch freilebende Wellensittiche. <BR /><BR />In Italien sind die Halsbandsittiche in mehreren Städten anzutreffen. Die Südtiroler Papageienbestände sind dabei die nördlichsten und mittlerweile die einzige Kolonie in den Alpen. Ein absoluter Grenzbereich für diese wärmeliebende Vogelart. <h3> Überleben unter extremen Bedingungen</h3>Welche Extreme möglich sind, zeigte eine noch exponiertere Halsbandsittich-Kolonie in Tirol vor einigen Jahren, nämlich jene von Innsbruck. Was das Nordtiroler Halsbandsittich-Vorkommen besonders machte und in Wissenschaftler-Kreisen zu vielen Diskussionen führte, war der Vorstoß in hochalpines Terrain. Innsbruck liegt immerhin fast 400 Meter höher als Bozen. <BR /><BR />Die Innsbrucker Kolonie hatte den extremsten Lebensraum bezogen, den diese Papageienart je erobert hatte. Papageien im Schnee – in Innsbruck im Winter einst ein ganz normaler Anblick. Die ursprüngliche Heimat der eigentlich äußerst frostempfindlichen Halsbandsittiche sind die Tropen: In Afrika in den Savannengebieten vom Senegal über Guinea bis in den Sudan, in Asien von Pakistan über Indien, Bangladesch und Myanmar bis nach Sri Lanka. Bozens Halsbandsittiche gehen übrigens auf die indische Unterart zurück.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="940192_image" /></div> <BR /><BR />Martin und Jürgen Pollheimer, Manfred Föger sowie Ida Pack von der Universität Innsbruck befassten sich wissenschaftlich mit der außergewöhnlichen Papageienkolonie in Tirol. Sie begaben sich auf Spurensuche über die Entstehung und versuchten zu ergründen, warum die einst so stabile Population im Jahre 2006 dann doch wieder verschwand. Die Koloniegründer waren 2 Halsbandsittiche, die im Stadtteil Saggen entflogen waren. Auf ähnlich Weise entstand übrigens auch die Bozner Kolonie. Als neuen Lebensraum erkor das Paar dann den an Saggen angrenzenden Hofgarten aus. <BR /><BR />Bis Ende der 1980er-Jahre, also noch vor der Bozner Kolonie, vergrößerte sich das Papageienvorkommen auf knapp 40 Tiere. Ende der 1990er-Jahre wurden bis zu 70 Individuen gezählt. Dass die Papageien trotz Durchschnittstemperaturen von minus zweieinhhalb Grad im Jänner in der Tiroler Landeshauptstadt überleben konnten, hatte 2 Hauptgründe: Einerseits durch Fütterung von Einheimischen im Hofgarten, andererseits durch eine bauliche Besonderheit des Innsbrucker Kongresshauses, das am Rande des Hofgartens steht. Dort sorgte nämlich die Klimaanlage für einen gebündelten Ausstoß von warmer Altluft, konzentriert an einer Stelle. Und dies nutzten die Papageien sozusagen zum Aufwärmen.<BR /><h3> Innsbrucks Kolonie starb wieder aus</h3> Doch damit nicht genug. Aus dem Hofgarten-Schwarm bildeten sich im Laufe der Zeit weitere Kolonien. Eine bezog das Gelände des Botanischen Gartens, eine weitere, wenn auch mit 6 Stück sehr kleine Papageien-Gruppe zog sogar bergwärts und siedelte sich in Igls auf fast 900 Metern Meereshöhe an. Auch aus dem Gelände rund um das Sanatorium Kettenbrücke am Inn wurde eine Schwarm-Ansiedlung gemeldet.<BR /><BR />Zur Fortpflanzung und Aufzucht von Nachwuchs nutzten die Innsbrucker Papageien Bruthöhlen in Platanen, Weiden und Ahornbäumen im Hofgarten und im angrenzenden Saggen. Um das Jahr 2000 erfolgte dann ein Einbruch des Bestandes. Nur noch vereinzelt wurden Papageien beobachtet. Die letzten Sichtungen von Einzeltieren stammen aus 2006. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="940195_image" /></div> <BR /><BR />Die Wissenschaftler der Universität Innsbruck vermuten, dass mehrere Gründe zum Aussterben der Papageien-Kolonie führten. Einerseits nahmen die winterlichen Fütterungen durch Spaziergänger im Hofgarten ab, andererseits wurde den Papageien durch einen Umbau des Innsbrucker Kongresshauses Ende der 1990er-Jahre der bis dahin stark frequentierte winterliche Aufwärm- und Schlafplatz entzogen. Die zuletzt anziehende Klimaerwärmung kam für Innsbrucks Papageien also zu spät. <BR /><BR />Interessant ist, dass im gleichen Zeitraum die ebenfalls einst heimische exotische Türkentaube in Innsbruck wieder ausgestorben ist. Letztere verbreitet sich übrigens in Südtirol seit 1959 beständig.<BR /><BR />