<b>Von Martina Hofer</b><BR /><BR />Das Haar ist kürzer, der Teint etwas brauner, aber die sonore Radiostimme ist unverkennbar. „Lange nicht mehr gesehen“, begrüßt Pe<?TrVer> ter Obexer zum Gespräch. Der gebürtige Villnösser sitzt in der <?Uni SchriftWeite="96ru"> Bar des Hotel–Resorts „La Maiena“<?_Uni> in Marling. Hier bei Familie Waldner hat er 1978 seine DJ-Karriere im „Nörder Club“ gestartet. Nun darf er als Freund des Hauses drei Wochen logieren. Urlaub daheim, gewissermaßen.<BR /><BR />Denn das Land, das der heute 64-Jährige viele Jahre als Eventmanager der „Mister- und Misseswahlen“, durch seine Beiträge in diversen Medien oder als Musikredakteur von „Rai Südtirol“ mitgeprägt hat, besucht er heute nur noch einmal im Jahr – und zwar im Sommer, wenn es hier schön warm sei, sagt Obexer. 2019 ist er nämlich ins 9000 Kilometer entfernte Thailand ausgewandert. <BR /><BR /><B><div class="img-embed"><embed id="1201137_image" /></div> </B><BR />„Südtirol ist wunderschön, solange du eine Arbeit hast, eine Familie und einen intakten Freundeskreis. Doch wenn du in Rente gehst und alleinstehend bist, wird es schwierig“, glaubt Obexer. Da er weder vorhatte, als Schülerlotse zu enden, noch als bemitleidenswerter Alkoholiker, war für ihn klar: Wenn er aufhört zu arbeiten, ist er weg. „Weg, um zu leben“, wie es Peter Obexer beschreibt.<h3> Das „Villnösser Peterle“und die Promis</h3>Den Mut, aufzubrechen, hatte das „Villnösser Peterle“, wie man ihn gern genannt hat, schon früh. Aufgewachsen beim Untermesner in St. Magdalena, zog der Lockenkopf mit 17 Jahren in die Landeshauptstadt. Umtriebig in der Welt von Musik und Show, traf er in den vielen Jahren seiner Medientätigkeit zahlreiche Stars – von David Garrett über Peter Maffay bis David Hasselhoff. „Ich liebte meine Arbeit. Der Beruf war mein Hobby“, erinnert er sich gern zurück an seine Radio<?Uni SchriftWeite="94ru"> sendungen „Peters Music Box“ und <?_Uni> „Wochenend und Sonnenschein“. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1201140_image" /></div> <BR />Doch schon damals zog er sich einmal im Jahr zurück aus dem „Trullala“ und reiste zwei Monate um die Welt. Es ging nach Südamerika, nach Bali, Vietnam, Malaysia und immer wieder nach Thailand. „Ich weiß nicht, aber dafür schlug mein Herz, das kann man nicht erklären, das muss man fühlen“, sagt Obexer über je<?TrVer> nen Urlaubsort, der ihn 2004 beinahe das Leben gekostet hätte. <BR /><BR />Zwei Tage vor dem verheerenden Tsunami mit 230.000 Toten weilte er nämlich im später zerstörten Khao Lak. „Hiesige Medien glaubten bereits, dass ich unter den Opfern sei, weil ich zwei Tage nicht erreichbar war“, muss er heute schmunzeln. Doch Totgesagte le<?TrVer> ben bekanntlich länger, und für Obexer kann dieses Leben noch eine ganze Weile so weitergehen. „Mir geht es einfach richtig gut, ich bin glücklich und genieße jeden Augenblick.“ Vor sechs Jahren war dies noch anders.<h3> Die Kündigung und der Aufbruch in ein neues Leben</h3>Das Feuer, das ihn all die Jahre angetrieben hatte und für seinen Beruf brennen ließ, war nur noch <?Uni SchriftWeite="97ru"> ei<?TrVer> ne glimmende Glut. „Ich dachte,<?_Uni> uffa, schon wieder Woche für Woche Musiker interviewen“, erzählt der Moderator, der 43 Jahre, davon 33 bei „Rai Südtirol“, am Äther saß. „Ich hatte plötzlich das Gefühl, das war's.“ Im April 2019 reichte er die Kündigung ein. <BR /><BR />„Bleib doch noch ein paar Jahre bis zur Rente“, versuchte man ihn zu überreden, doch Obexer mochte nicht mehr. Er gab seine Wohnung in Meran/Obermais auf, moderierte am 30. November 2019 ein letztes Mal seine Sendung und saß bereits tags darauf im Flieger nach Thailand. Keine einfache, aber eine mutige Entscheidung, die er bis heute keinen Tag bereut hat.<BR /><BR />Eine schicke Penthousewohnung für 500 Euro Monatsmiete in ei<?TrVer> nem Kondominium zwischen Kanadiern, Koreanern oder Südafrikanern nennt er heute sein Zuhause. „Ich lebe direkt am Strand in Dongtan Beach unweit von Pattaya. Es sind nur fünf Minuten in die Stadt und eine halbe Stunde bis zum nächsten Golfplatz“, steckt er sein Umfeld ab. Was er dort den ganzen Tag mache? „In den Tag hinein zu leben“, was für ihn bedeutet, jeden Tag zu gestalten, worauf er Lust hat. Er besucht Tempel, liegt am Strand oder geht einkaufen. Mittlerweile hat er im Ort eine feste deutsche Community. Es sind Pensionisten aus der Schweiz, Österreich und Deutschland, manche sind nur über den Winter hier, andere für immer. Einige sind als Paar dort, andere haben eine Thai-Frau. Obexer selbst lebt allein und genießt seine Unabhängigkeit. „Ich treffe mich gerne mit Gleichgesinnten, wie einem pensionierten ZDF-Fernsehredakteur, zum Kaffee. Wir philosophieren über die Welt oder kochen gemeinsam.“ <BR /><BR />Gegessen wird mit Vorliebe Speck aus der Heimat, oder es gibt italienische Pasta mit viel Parmesan. Auch den hat er aus Südtirol im Koffer, da Käse in Thailand mit 100 Prozent besteuert wird. <BR /><BR />Den Rest aber bekomme man mittlerweile auch in örtlichen Shops, weiß der Eisacktaler. „Die Geschäfte haben hier bis in die Nacht offen, ebenso die Restaurants. Man sitzt im Freien, geht an den Strand oder zu einem Konzert. Das ist Lebensqualität.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1201143_image" /></div> <BR />Oft aber will Obexer einfach seine Ruhe. Er komme gut mit sich selbst klar, unterstreicht er. Und er braucht Raum zum Schreiben. Nach seinem Schmöker „Schlager, Tussis & Trallala“, der im Herbst 2020 erschienen ist (AROB-Verlag, i.B.u.), arbeitet er nun an seinem Zweitwerk. „Es ist noch nicht reif, aber es wird in Südtirol und darüber hinaus große Wellen schlagen“, prophezeit der kritische Zeitgeist, der seine Heimat auch aus der Ferne fest im Blick hat. Die Perspektive aber hat sich verändert. „Bei manchen Diskussionen denke ich mir schon, wenn das all eure Probleme sind, dann gute Nacht.“ Dennoch bemängelt Obexer gewisse Entwicklungen. Das geht von der Überreglementierung bis hin zur Willkommenskultur. <BR /><BR />„In Thailand muss man eine Bankgarantie von 20.000 Euro hinterlegen oder eine Rente von mindestens 1700 Euro vorweisen können, um überhaupt das jährliche Visum zu bekommen. Und in Südtirol …“, dann winkt Obexer ab, nimmt einen Schluck und sagt: „Mai pen rai“, was so viel heißt wie „Lass gut sein“. Eine thailändische Lebensphilosophie, die er bereits verinnerlicht hat. Vielleicht aber ist es auch das Alter, das ihn Sanftmut lehrt. „Ich habe im vergangenen Jahr 14 Bekannte und Freunde in meinem Alter verloren. Das verändert die eigene Sicht, und ich bin jeden Tag dankbar, dass ich gesund bin und es den Lieben um mich herum gut geht.“ <h3> Die Geisler in Thailand und der Villnösser auf der Palme</h3>In Villnöß leben seit dem Tod der Mutter Barbara 2017 noch seine Geschwister Annemarie und Luis. Auch auf eine Handvoll guter Freunde kann Obexer zählen, wenn er im Sommer für drei Mo<?TrVer> nate in Südtirol weilt. Er geht wandern, trifft sich mit seinen Radkameraden oder besucht sei<?TrVer> nen heute sehr berühmten Heimatort St. Magdalena, wo er einst als Ministrant dem Pfarrer ins Gewand half. <BR /><BR />„Erst kürzlich sah ich das bekannte Bild der Geislerspitzen in einem thailändischen Buchladen. Als ich die Verkäuferin fragte, ob sie diese Berge denn kenne, meinte sie fast beleidigt: Natürlich, das ist das Hi<?TrVer> malaya-Gebirge.“ Mit dieser Aussage hätte sie den stolzen Villnösser beinahe erzürnt, denn: Da<?TrVer> heim sei eben daheim, sagt Obexer, obschon er zum heutigen Zeitpunkt nicht an eine Rückkehr denkt. „Das Sanitätssystem ist in Thailand sehr gut, das Klima freundlich, das Essen gesund, und die Menschen sind offen.“ <BR /><BR />An seinem Leben im Urlaubsparadies teilhaben aber lässt er kaum jemanden: „Ich bin unbesuchbar“, schmunzelt er und wählt mit Bedacht aus, wen er durch die Tempel, Straßenküchen und zu den Stränden führt. „Es gibt die wahren Freunde und die waren Freunde. Über letztere bin ich nicht traurig, sie können ruhig bleiben, wo sie sind.“<BR /><BR />Der Südtiroler weiß um das Netzwerk, das seinen Job ausgemacht hat, doch vermisst der Macher sein früheres „Ich“ zum eigenen Erstaunen nicht. „Nur hin und wieder poste ich noch prickelnde Backstage-Geheimnisse meiner vielen Promibegegnungen, die auch Inhalt meines Buches sind“, sagt Peter Obexer und gibt zu: „Ein bisschen möchte man doch im Gespräch bleiben.“