Die Niederdorferin Lena Nocker zog nach Thailand, um dort eine der weltbesten Muay-Thai-Athletin zu werden. <BR /><BR /><BR />Zunächst lief das Leben bei Lena Nocker so wie bei vielen Jugendlichen. Nach der Pflichtschule besuchte sie mit Erfolg die Fachhochschule für Grafik, Wirtschaft und Kommunikation in Brixen. Es folgte ein Jahr, in dem sie sich orientieren wollte: „Es war immer ein Studium geplant, jedoch wusste ich nicht genau ob im Bereich Grafik, Medizin/Physiotherapie oder Sport“. Auch eine Karriere bei der Polizei oder dem italienischen Heer wollte die junge Frau nicht ausschließen. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-53144880_quote" /><BR /><BR /><BR />Mit ihrer Zwillingsschwester fuhr Lena in diesem „Orientierungsjahr“ als Rucksacktouristin nach Thailand. 5 Wochen lang haben sich die beiden Pustererinnen Land und Leute angeschaut. <BR /><BR />Dabei führte sie ihr Weg auch zu einem Muay-Thai-Kampf. Muay Thai, auch als Thaiboxen bekannt, zählt zu den ältesten Kampfkünsten weltweit und ist Nationalsport in Thailand. Sportbegeistert wie Lena schon war, merkte sie, wie sie diese Sportart faszinierte, und „meine Schwester Viktoria hat gleich gesagt, dass sie mich gut darin sehen würde“.<BR /><BR />Sport spielte bei der jungen Lena keine große Rolle in ihrem Leben. Als sie 17 war, entdeckte sie den Sport aber so richtig für sich. „Ich hab angefangen, viel zu laufen, zu klettern, und nach der Thailandreise waren die Muay-Thai-Bilder ständig präsent, ja wurden immer stärker“, erinnert sie sich.<BR /><BR />2017 beschloss Lena, nach Thailand zurückzukehren. Sie wollte sich einen Monat lang intensiv mit diesem Sport auseinander setzen; wollte herausfinden, ob er hält, was sie sich versprach. „Aus dem geplanten einen Monat Thailand wurden 3“, erzählt Lena, „und ich habe mich in das Land und den Sport verliebt“. <BR /><BR />Wie es bei Verliebten eben ist, drehten sich bei Lena nach ihrer Rückkehr nach Südtirol die Gedanken nur um Muay Thai, und es kam, wie es kommen musste: „2018 entschloss ich mich, nach Thailand zu ziehen, dort zu leben und irgendwann eine Muay-Thai- Kämpferin zu werden.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="743240_image" /></div> <BR /><BR />Heute lebt Lena in Phuket, alleine, aber mit Nachbarn, die allesamt etwas mit Kampfsport zu tun haben. Ihr Tagesablauf ist ziemlich durchgetaktet mit 4 bis 5 Stunden Training täglich. Die Trainer bestätigten Lena von Anfang an ein großes Herz und das nötige Durchhaltevermögen.<BR /><BR />Kaum 19 dann ihr erster Kampf, und dank ihrer Begeisterung blieben die ersten Erfolge nicht aus. Lena wurde in mehreren Stadien Meisterin und es gelang ihr, zuerst ein kostenloses Training und dann auch das erste Sponsoring zu erkämpfen.<BR /><BR />„Dann ging's auf die große Bühne in Bangkok, wo ich bei meinem Debüt durch ein KO in der ersten Runde beeindrucken konnte“.<BR /><BR />Das Jahr 2022 hätte besser nicht beginnen können. Am 9. Jänner wurde Lena bei einem spannenden Kampf Weltranglistenerste in der Kategorie Superfedergewicht (130 Pfund/58,967 Kilogramm). „Dieser Titel ist eine ziemliche Krönung, da ich mir nicht erwartet habe, so schnell diesen Erfolg zu haben“, meint Lena bescheiden.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="743243_image" /></div> <BR /><BR />Mit ihrem Titel in der Tasche hofft Lena nun, für weitere bedeutende Kämpfe in die Rankings zu kommen. Ihr Optimismus und ihr Kämpferherz streben von Erfolg zu Erfolg nach weiteren Zielen. Es sind die großen Bühnen, auf denen sie stehen möchte, die sie nach ihrem Titelerfolg nun reizen. Auch ihre Reichweite in sozialen Medien möchte sie erweitern, um Sponsoren zu finden. <BR /><BR />Daheim, so ist Lena überzeugt, könnte sie diese Ziele nicht erreichen. Es ist ihr Team, das ihr ermöglicht hat, das alles zu lernen. „Ich habe Weltklasse-Trainer im Muay Thai, die täglich sehr viel Zeit in mich investieren; ich habe Weltklasse-Trainingspartner hier, die mir auch viel beibringen und mit mir körperlich und psychologisch trainieren. Noch dazu ist das warme Wetter in Thailand ein großer Vorteil, genauso die ganzen Kampfshows und die vielen Kontakte, die man braucht“.<BR /><BR />Und Lena möchte auch konkret etwas für ein besseres Frauenbild in Thailand beitragen. Frauen dürfen erst seit kurzem in den größten Arenen kämpfen und müssen zum Beispiel immer noch unter den Seilen in den Ring steigen, während Männer über die Seile steigen.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-53144884_quote" /><BR /><BR /><BR />Trotz all der Thailand-Begeisterung schlummert in Lena irgendwo, ganz hinten im Unterbewusstsein, auch eine Portion Heimweh: „Ich war schon seit 2 Jahren nicht mehr daheim, deshalb würde es mich unglaublich freuen, meine Familie und Freunde sehen zu können und natürlich unser wunderschönes Südtirol, dass ich vermisse“.<BR /><BR />Vor der Pandemie war Lena einmal im Jahr, meist zur Weihnachtszeit, in Niederdorf. „Ich habe 2 bis 3 Monate in der Gastronomie gearbeitet und nebenbei viel Zeit mit Freunden und meiner Familie verbracht. Obwohl ich arbeitete, fühlte es sich wie ein richtiger Urlaub an“.<BR /><BR />Corona hat die Situation in den vergangenen beiden Jahren schwierig gemacht. Im Sommer hofft Lena, dass sich die Situation soweit entspannt, dass es mit dem Heimatbesuch klappen könnte. Zu lange geht sich eine Niederdorf-Pause aber nicht aus, „weil eine Trainingspause mich zurückwirft und es wichtig ist, fit und kampfbereit zu bleiben, um Erfolg zu haben“.<BR /><BR />Als weitere Ziele nennt Lena natürlich die Erfolge bei den verschiedenen Kämpfen, und dann wäre da noch die Idee, „ein eigenes Muay-Thai-Trainingszentrum in Südtirol zu öffnen, um dort mit verschiedenen Thai-Trainern zusammen zu arbeiten und Seminare zu organisieren. Auch der Kindheitstraum von einer Laufbahn bei der Polizei oder dem Heer ist immer noch präsent.<BR /><BR />