<b>Frau Waldner, was machen Sie gerade?</b><BR />Patrizia Waldner: Wir sind gerade am Festgelände eingetroffen (es ist 8.30 Uhr, Anm. d. Red.) und bereiten alles für den heutigen Tag vor. Es gibt viel zu tun – die Wiesn läuft auf Hochtouren.<BR /><BR /><b>Erzählen Sie, wie das war diese Woche, als es eine Bombendrohung gab. Wo waren Sie da gerade?</b><BR />Waldner: Wir haben gerade aufgedeckt und uns – so wie jetzt – auf den Wiesn-Tag vorbereitet. Plötzlich hieß es, wir sollen uns versammeln, weil uns etwas Wichtiges mitgeteilt werden muss.<BR /><BR /><b>Da haben Sie dann von der Bombendrohung erfahren?</b><BR />Waldner: Genau. Man sagte uns, es gebe einen Drohbrief und das Oktoberfest öffne bis auf Weiteres nicht. Wir mussten sofort das Festgelände verlassen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-71705074_quote" /><BR /><BR /><b>Gab es Panik?</b><BR />Waldner: Panik nicht, aber wir hatten Angst. Als wir das Zelt verließen, liefen überall Polizisten über die Theresienwiese – das hat uns natürlich verunsichert. Wir wollten dann mit dem Taxi in unsere Wohnung fahren, aber es gab keines mehr. Schließlich fuhren wir zu dritt mit einer Rikscha nach Hause. Mit der U-Bahn wollten wir nicht …<BR /><BR /><b>Warum nicht?</b><BR />Waldner: Wir hatten einfach zu große Angst. Zu dieser Zeit wusste ja niemand, was los war und von welcher Gefahr man ausgehen musste.<BR /><b><BR />Wie ging es dann weiter?</b><BR />Waldner: Wir warteten in unserer Wohnung in München auf weitere Informationen. Gegen 16 Uhr hieß es, dass das Fest ab 17.30 Uhr wieder öffnet. Also fuhren wir zurück und arbeiteten, als wäre nichts gewesen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-71705075_quote" /><BR /><BR /><b>War an diesem Tag bei den Besuchern etwas anders? War Angst oder Unsicherheit zu spüren?</b><BR />Waldner: Überhaupt nicht. Ab 18 Uhr war die Wiesn wieder voll, die Stimmung ausgelassen und gut.<BR /><BR /><b>Sie sind seit 28 Jahren auf der Wiesn. Hat sich das Fest in dieser Zeit verändert?</b><BR />Waldner: Ja, sehr. Als ich 1997 anfing, waren es vor allem die Bayern selbst, die zur Wiesn gingen. Ein Maß Bier kostete damals 8 Mark und die Leute kamen noch in echter Tracht. Heute ist das Publikum sehr international – bei uns im Zelt sitzen viele Australier, US-Amerikaner und Italiener. Und die echte Tracht ist leider oft durch Plastik-Lederhosen ersetzt worden.<BR /><BR /><b>Und die Stimmung – ist die heute eine andere?</b><BR />Waldner: Nein, die ist gleich geblieben. Auf der Wiesn ist die Stimmung immer super, das ist das Einzige, das sich in all den Jahren nicht verändert hat (lacht).<BR /><BR /><b>Die Arbeit auf dem Oktoberfest ist Knochenarbeit. Brauchen Sie nach den 16 Tagen Urlaub, um sich zu erholen?</b><BR />Waldner: Ich arbeite mittlerweile nur noch eine Woche, die andere übernimmt meine Tochter Viktoria.<BR /><BR /><b>Ihre Tochter arbeitet auch auf dem Oktoberfest?</b><BR />Waldner: Ja, seit neun Jahren. Sie ist 29. Gemeinsam mit meiner Cousine Anja, meiner guten Freundin Carmen und mir sind wir vier Südtiroler Frauen im Hofbräu-Festzelt – ein tolles Team. Urlaub brauche ich danach nicht. Sobald ich wieder in Südtirol bin, geht die Arbeit am nächsten Tag gleich weiter.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1220610_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie sieht es mit dem Trinkgeld aus: Sind die Wiesn-Besucher geiziger geworden?</b><BR />Waldner: Ganz im Gegenteil. So viel Trinkgeld wie heuer habe ich noch nie bekommen.<BR /><BR /><b>Ihr Geheimnis?</b><BR />Waldner: Wenn man nett und freundlich ist, bekommt man so viel Trinkgeld, dass man sehr gut davon leben kann (lacht).