Wir haben uns im Vorfeld umgehört, wie es um die Witze-Kultur in Südtirol bestellt ist und wie ein Witz serviert gehört. <BR /><BR />Im Sarntal, wo denn auch sonst? Der Bürgersaal in Sarnthein wird am kommenden Samstag zum Epizentrum des Witzeerzählens, wenn dort mehrere Kandidaten vor den erwartet 500 Zuhörern genüsslich ihre Witze absondern und so die Trophäe des Südtiroler Witze-Königs zu ergattern. Die Idee dazu stammt von Flora Brugger, die den Sarner Witz als Kulturgut etikettiert (freilich ohne Witz), zusammen mit ihrer Schwester Paula hat sie diese ungewöhnliche Veranstaltung auf die Beine gestellt. <BR /><BR />Paula Brugger hat schon einige Sammlungen von Sarner Witzen veröffentlicht, getrost darf man sie als Witze-Koryphäe bezeichnen.<BR />Sie erklärt: „Mit dem Sarner Witz heißt es höllisch aufpassen, weil die Auswärtigen oft meinen: Jaja, die Sarner sind nicht gerade die Hellsten, deshalb kann man ruhig ein paar Witze über sie reißen. Dabei ist es so, dass zum Schluss immer der Sarner lacht, während der andere dumm aus der Wäsche schaut.“ Und wenn das gar nicht zutrifft, dann sei es gar kein richtiger Sarner, sondern ein Gsieser Witz. Öha. Man sollte den Sarnern also besser nicht allzu blöd kommen, allem Anschein nach sind sie nicht auf der Brennsupp„ dahergeschwommen. <BR /><BR /><BR />Dieser Auffassung ist auch Thomas Hochkofler, seines Zeichens Großmeister des Sarner Humors und sachkundiger Witzegourmet. „Besonders wichtig beim Erzählen ist der Überraschungseffekt, die Pointe muss dich im Gnagg treffen“, weiß er. Deshalb muss man auf der Hut sein, dass der Zuhörer den Braten nur ja nicht auf halbem Weg riecht. Der Witz an sich ist also nur die halbe Miete, man muss ihn freilich auch gut erzählen können. Glücklicherweise gibt es hierzulande noch Unikate, die wissen ihre Witze mit derart viel Schmäh und rotzigem Tamtam zu unterfüttern, da kann es einen als Zuhörer schon mal zerreißen. Genau solche Unikate erhofft man sich auch bei der 2. Witze-Meisterschaft. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1074876_image" /></div> <BR />Hochkofler, der den Abend zusammen mit Michaela Moser moderieren wird, mag die trockenen Witze, etwa nach der Art: „Papa, Papa, was ist ein Transvestit“, fragt der Bua seinen Vater. Dieser meint bloß: „Frog gscheider die Mama, der sell woaß es.“ Hoch im Kurs stehen bei ihm auch Antiwitze, beispielsweise: „Sitzen 2 Wolkenkratzer in der Tiefgarage und stricken Benzin.“ Nicht wenige rollen bei sowas nur mitleidig mit den Augen, genauso wie beim Evergreen: „Treffen sich zwei, kommt einer.“ Nun sind Witze im Speziellen und Humor ganz generell stets auch eine Gratwanderung. <BR /><BR />Schließlich liegt es in der Natur des Witzes, Klischees aufzuzeigen, Ungerechtigkeiten anzuprangern oder Tabus zu thematisieren. „Es lässt sich schon eine gewisse Überempfindlichkeit und auch Hysterie feststellen“, meint Hochkofler, wenn es um die politische Korrektheit bzw. die vermeintlich richtige moralische Haltung geht. So hatte er in seinem Soloprogramm „Der Hausmeister“ einen Witz über Rollstuhlfahrer eingebaut. Gerade von Menschen im Rollstuhl bekam er dafür begeisterte Rückmeldungen, während andere Leute der Ansicht waren, man könne sich doch nicht über Schwächere lustig machen. In dieser Hinsicht sei unsere Gesellschaft verkrampfter geworden, und eben auch moralisierender. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1074879_image" /></div> <BR />Allemal kurios ist hingegen, dass der noch amtierende Südtiroler Witzekönig ein Passeirer ist. Luis Hofer hat die erste Ausgabe der Südtiroler Witzemeisterschaft vor 2 Jahren für sich entschieden. Diesen Affront erklärt sich Hochkofler damit, dass Hofer bloß „zum Ifinger raufwandern musste, um dort die inspirierende Sarner Luft zu schnuppern“. Tatsächlich räumten die Passeirer damals groß ab, denn auf dem Podest landete auch die nunmehrige Landesrätin Rosmarie Pamer, die eigentlich bloß als Fahrerin des späteren Witze-Königs Luis Hofer in Erscheinung treten wollte. <BR />„Ich kenne viel bessere Witzeerzähler als mich selbst, so etwa Arnold Schuler oder Franz Pixner, den Bürgermeister von Riffian“, stapelt sie tief. Jedenfalls profitiere das Zwischenmenschliche, wenn man ab und zu die Stimmung mit einem flotten Spruch oder kecken Witz auflockert – natürlich auch unter Politikern. Sogar eine noch stärkere Wirkung schreibt Paula Brugger dem Humor zu, wenn sie konstatiert: „Einmal im Tag lachen und einmal schwitzen – dann brauchst du keinen Doktor.“