Mittwoch, 06. Mai 2015

Tell me your story: Erzählend lernen

Wer Englisch kann, hat es leichter – nicht nur auf Reisen, sondern auch im Beruf. Drei junge Lehrer haben sich in Bozen ein Konzept überlegt, wie Erwachsene und auch Kinder mehr Spaß am Lernen einer neue Sprache haben können. Ohne Bücher.

Durch das Erzählen von Geschichten soll das Lernen einer neuen Sprache einfacher gemacht werden. - Foto: ts
Durch das Erzählen von Geschichten soll das Lernen einer neuen Sprache einfacher gemacht werden. - Foto: ts

Paola aus Bozen, Rachel aus London und Steve aus New York haben vor allem eines gemeinsam: die Freude am Unterrichten. Als routinierte Englischlehrer haben sie in Firmen unterrichtet, mit Polizisten gearbeitet, Ärzte geschult und Richter korrigiert.

 

Steve aus New York, Paola aus Bozen und Rachel aus London (v.l.) wollen eine neue Art des Englischlernens nach Bozen bringen. - Foto: ts

 

Seit der Gründung ihrer Schule „Red Zefiro“ im Jahr 2011 konzentrierte sich Paola Girolametto vor allem auf die Arbeit mit Geschäftsleuten. Vier Jahre später arbeitet sie nun gemeinsam mit Rachel Wolffe und Steve Proctor an einem neuen Konzept: Englisch für Unternehmen – auf eine etwas andere Art und Weise.

Am 30. April haben die drei Lehrer aus Leidenschaft im „Theater im Hof“ ihre neuen Ideen einem breiten Publikum vorgestellt und auch gleich einen Gratis-Schnupperkurs angehängt.

STOL: Ihr sprecht von einer neuen Art des Englischlernens. Was kann man sich darunter vorstellen?

Paola: Die Idee ist es, den Geschäftsleuten dabei zu helfen, auch auf Englisch effizient in ihrem Beruf zu sein. Dazu arbeiten wir auf zwei Ebenen: verbale und nonverbale Kommunikation. Wir unterrichten nicht aus Büchern: Je nachdem, um welche Art von Unternehmen es sich handelt, schaffen wir verschiedene Szenarien. So können die Angestellten üben, wie sie sich im richtigen Leben in diesen Situationen verhalten müssen. Sie werden selbstbewusster und können sich voll und ganz auf ihre Arbeit konzentrieren, anstatt darauf, korrekt Englisch zu sprechen. Anschließend zeigen wir ihnen, wie sie ihre Körpersprache bei Präsentationen ideal einsetzen können.

Steve: Wir bieten den Lernenden die Möglichkeit, die Sprache zur Anwendung zu bringen. Wenn man lernt, die Sprache im Alltag einzusetzen, fühlt man sich gleich wohler, mit sich selbst und der Sprache.

STOL: Welche Szenarien bietet ihr euren Schülern an?

Rachel: Eine der schönsten Seiten an Südtirol ist natürlich der Wein. Darum haben wir beschlossen, unter anderem Events zu organisieren, bei denen wir Wein verkosten. So können die Leute lernen, auf Englisch über Wein zu sprechen. Das ist ein toller Weg, Menschen kennenzulernen. Abgesehen davon passen wir unsere Szenarien den Unternehmen an.

Aber wir haben auch viele andere Ideen: Eine tolle Art des Lernens ist zum Beispiel das Storytelling, also das Geschichtenerzählen. Wir wollen Kinder und Erwachsene ermutigen, englische Geschichten zu lesen und dann zu erzählen. Außerdem wollen wir im Sommer in den Freibädern Englischstunden anzubieten: So nehmen wir den Eltern die Kinder für eine gewisse Zeit ab und sie können spielerisch Englisch lernen.

STOL: Ihr arbeitet nicht mit Lehrbüchern. Wie gestaltet ihr den Unterricht?

Paola: Wir planen unsere Einheiten vor allem durch unsere Erfahrung. Wir alle haben bereits im Marketing, in der Werbung oder der Kommunikation gearbeitet, und wir sind Englischlehrer. Wir haben also von beiden Seiten genügend Hintergrundwissen, das wir einsetzen können.

Rachel: Viele unserer Ideen kommen von gemeinsamen Treffen, bei denen wir die Köpfe rauchen lassen. Wir überlegen uns, was uns selbst Spaß machen würde, und entwickeln dann Konzepte.

STOL: Wie reagieren die Unternehmen auf eure Ideen?

Paola: Sehr gut. Natürlich sind alle neuen Ideen anfänglich mit Schwierigkeiten verbunden, aber sobald die Unternehmer sehen, wie wir arbeiten, sind sie begeistert.

Steve: Wir wollen nicht das Rad neu erfinden, sondern gehen von bestehenden Sachen aus und kombinieren sie zu etwas Neuem.

 

Bei der Vorstellung durften die Zuschauer gleich selbst aktiv werden und einige Übungen machen. - Foto: ts

 

STOL: Ihr arbeitet hauptsächlich mit Südtirolern. Sind sie gute Schüler?

Steve: Auf jeden Fall. Ich denke, das hat viel mit der Geschichte des Landes zu tun. Die Menschen hier sind mit zwei bis drei Sprachen aufgewachsen. Das ist eine perfekte Voraussetzung, um zu unterrichten. Ich bin nicht von hier, aber ich möchte mich einbringen, möchte etwas bewirken. Das mache ich, indem ich Englisch unterrichte.

Paola: Wer Englisch sprechen kann, hat die Möglichkeit, mehr Leute kennenzulernen. Das fördert auch die Weltoffenheit.

STOL: Welches Sprachlevel ist Voraussetzung, um an euren Kursen teilzunehmen?

Paola: Wir unterrichten alle Levels: Man muss nicht perfekt Englisch sprechen, um gut kommunizieren zu können. Das ist die Nachricht, die wir senden wollen: Auch Anfänger haben gute Chancen mit unserer Art des Unterrichtens.

Steve: Wir wollen unseren Schülern zeigen, dass es ok ist, egal welche Art von Englisch man spricht. Um eine Sprache perfekt zu sprechen, benötigt man ein ganzes Leben. Aber in der Zwischenzeit kann man sich mit dem Englisch wohl fühlen, das man beherrscht.

stol