In bestimmten Situationen wird selbst ihm mulmig. So etwa im heurigen Sommer in Kenia, irgendwo im Buschland, auf der Suche nach Nilpferden. Sein Begleiter, ein Missionar, gibt ihm eindringlich zu verstehen, dass man sich vor diesen stämmigen Wildtieren in Acht nehmen müsse, drückt ihm zum Selbstschutz einen Speer in die Hand und meint nur: „Tobias, wenn wir ein Nilpferd sehen, dann müssen wir die Beine in die Hand nehmen und uns auf den nächstbesten Baum retten. Aber zunächst einmal müssen wir unser Motorrad wiederfinden.“ Tobias entgegnet: „Okay, aber was soll ich mit meiner Kamera-Ausrüstung machen?“ Der Missionar antwortet trocken, er habe die Wahl zwischen Leben und Kamera. „Zum Glück ist alles gut gegangen, wir haben dort nur Spuren von Nilpferden gesehen“, schildert Tobias eine Episode aus seinem jüngsten Abenteuer.<BR /><BR /><b>Keine Idee zu abwegig</b><BR /><BR />Bei Tobias Demetz handelt es sich um einen ziemlich verwegenen 23-jährigen Burschen aus Wolkenstein, der sich seinen Platz in der großen, aber doch sehr schwierigen Filmbranche sichern will. Für sein junges Alter hat er bereits eine Vielzahl an Erfahrungen vorzuweisen, doch er weiß selbst, dass er erst noch ganz am Anfang steht und seinen eigenen Weg erst noch finden muss. Sein Leitmotiv: Überall lässt sich Neues dazulernen, keine Idee ist zu abwegig, als dass sie sich nicht verwirklichen ließe, jede neue Erfahrung dient wie ein Puzzleteil zur Entwicklung des großen Ganzen. Am Ende dieser Entwicklung könnte durchaus die Verwirklichung eines Traums stehen: freischaffender Dokumentarfilmer. <BR /><BR /><b>Leben mit den Massai</b><BR /><BR />Drei Wochen war Tobias heuer in Kenia, nachdem er dort schon im Vorjahr mithilfe der Caritas die notwendigen Vorbereitungen getroffen hat. Filmen wollte er die Schönheit der Savanne, die beeindruckenden Wildtiere, vor allem aber die Massai. Die farbenfrohen Gewänder und der traditionelle Schmuck sind charakteristisch für dieses stolze Hirtenvolk, das mit seiner Rinderherde immerzu den besten Weideplätzen hinterherwandert. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1215051_image" /></div> <BR /><BR />„Ich habe mehrere Tage mit ihnen verbracht, habe so ihren Tagesablauf kennengelernt, sie leben in perfekter Symbiose mit der Natur“, weiß Tobias zu berichten. Nach und nach hat er ihr Vertrauen gewonnen, sich in ihren traditionellen Gewändern gekleidet und sogar das Blut der geschlachteten Rinder getrunken. Faszinierend findet er die isoliert lebenden Stämme, etwa jene der kontaktscheuen Orma, welchen er im kommenden Jahr nochmals besuchen möchte. „Diese Volksstämme sind in ihrer Existenz bedroht, umso wichtiger wäre, ihren Lebensraum und ihre Kultur zu schützen“, sagt der Grödner. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1215054_image" /></div> <BR /><BR />Von seinen Aufnahmen schneidet er einen Kurzfilm, ein Teil davon war für den Nationalpark gedacht, allerdings konnten nicht alle Lizenzrechte geklärt werden. <BR /><BR />Eine weitere ungewöhnliche Doku hat der junge Filmemacher über seinen Onkel Ulrich Senoner gedreht. Dieser lebt weitgehend zurückgezogen auf einer Hütte am Fuße des Plattkofels auf der Seiser Alm, von der Zivilisation abgewandt nur mit dem Allernötigsten. „Mir gefällt, wie er seine Vorstellung vom Lebensglück durchgezogen hat, ich habe 160 Tage mit ihm auf der Alm verbracht, und so entstand innerhalb von vier Jahren und aus rund 100 Stunden Material eine Doku“, erzählt Tobias. Der Streifen ist nun fast fertig. <BR /><BR /><b>Netzwerken in Cannes</b><BR /><BR />Sein Wissensdurst und seine Neugier haben den 23-Jährigen schon viele Jobs in der Filmproduktion beschert – von der Schnitt- und Kameraassistenz über Regie bis hin zu Rollen vor der Kamera. Als bisher wertvollste Erfahrung bezeichnet er die Arbeit als Pre-Editor im Film „Hill of Vision“ (2021). Seine Passion für die Schauspielerei entdeckte er im Zuge eines Austauschjahres im Jahr 2019 in Irland, wo er eine angesehene Schauspielschule besuchte. Kleinere Rollen verkörperte er zudem in einigen Produktionen von Netflix und Amazon Prime. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1215057_image" /></div> <BR /><BR />Natürlich weiß er auch um die Notwendigkeit des Netzwerkens, heuer war er bereits zum dritten Mal bei den Filmfestspielen von Cannes. Dort komme man mit Leuten, die einen weiterbringen ins Gespräch, etwa Regisseuren, Schauspielern oder Direktoren anderer Filmfestivals. <BR />„Einen großen Anteil an meinem Werdegang haben natürlich meine Eltern, die mich auf viele Reisen mitgenommen und in mir diesen Abenteuerhunger geweckt haben“, sagt Tobias und nennt als Beispiele Länder wie Georgien, Aserbaidschan oder den südostasiatischen Raum. So lässt sich wohl erklären, dass er so gut wie keine Berührungsängste mit exotischen Kulturen kennt. „Ich habe von Schlange und Krokodil bis hin zu Würmern und Skorpionen eigentlich alles gegessen, heute würde ich auf manches wegen der Erreger verzichten“, meint er lachend. Und so kam es auch, dass er sich schon als 12-Jähriger für Insekten interessierte und als Jugendlicher den Besuchern des Naturmuseums die Angst vor Vogelspinnen nahm. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1215060_image" /></div> <BR /><BR />All die Projekte, Reisen und Erfahrungen gibt es natürlich nicht gratis. „Meine Aktivitäten finanziere ich hauptsächlich mit Auftragsvideos für Hochzeiten sowie Werbung, hin und wieder gibt es auch einen Beitrag“, lässt er wissen und fügt hinzu, dass man sehr wohl auch sehr günstig reisen könne. Man müsse nur immer dran bleiben und mit Hartnäckigkeit seine Ideen verfolgen, eine Tür führe oft zur nächsten. <BR /><BR />Was hat er als Nächstes im Auge? „Das Amazonasgebiet, die Natur muss überwältigend schön sein“, sagt er. Man darf sicher sein, dass er schon bald im Flieger nach Brasilien sitzt. Tobias ist gewiss ein Träumer, aber einer, der es versteht, seine Träume auch zu verwirklichen.