<b>Von Christoph Höllrigl</b><BR /><BR />Eine kleine Firma aus der Schweiz sorgt derzeit in der Skiwelt für Aufruhr. Im Rahmen der Technologiemesse CES in Las Vegas hat „E-Outdoor“ aus San Bernardino (Graubünden) den nach eigenen Angaben ersten E-Tourenski der Welt präsentiert. Er soll laut Firmengründer Nicola Colombo Skitourengeher beim Aufstieg unterstützen – mittels eines rotierenden Fellbandes.<BR /><BR />Das System erinnert an eine Pistenraupe in Kleinformat. Setzt der Tourengeher im Schnee auf, schiebt das Band automatisch nach vorne. Um bis zu 80 Prozent schneller sollen Skitourengeher laut Herstellerangaben damit unterwegs sein können, und dafür 30 Prozent weniger Energie aufwenden. Vor der Abfahrt verstaue man das gesamte System (ca. 3,2 kg) mit wenigen Handgriffen im Rucksack. Gegenüber der Tageszeitung <?Uni SchriftWeite="97ru"> „Tagesanzeiger“ erklärte Colombo,<?_Uni> er wolle damit Skitouren einem breiteren Publikum zugänglich machen – also eine Art „Demokratisierung des Sports“ vorantreiben. Das Online-Portal „Blick.ch“ berichtete bereits euphorisch von der „nächsten elektrifizierten Sportrevolution“.<BR /><BR />Die Technologie soll im kommenden Winter marktreif sein. Dazu hat das Unternehmen angekündigt, das „E-Skimo“ genannte System in Zusammenarbeit mit größeren Skimarken anbieten zu wollen. Diese müssten nämlich kompatible Skier herstellen (u.a. mit einem Loch für das Antriebsband). Kosten soll das Ganze zusätzlich zwischen 950 und 1400 Euro.<h3> AVS-Präsident Simeoni: Gefährliche Entwicklung</h3>Sehr skeptisch steht den E-Tourenskiern Georg Simeoni, Präsident des Alpenvereins Südtirol (AVS), gegenüber: „Für mich ist das ein No-Go! Das ist eine sehr gefährliche und bedenkliche Entwicklung, die mit einem normalen Berg-Erleben wenig zu tun hat. Damit gibt man nämlich wieder Leuten die Möglichkeit, irgendwo hinaufzumarschieren, obwohl sie vom Berg keine Ahnung haben. So wie bei den E-Bikes, mit denen sie überall hinaufkommen.“ Natürlich gebe es fortlaufende Entwicklungen. Aber als Alpenverein werde man so etwas nicht propagieren.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1124577_image" /></div> <BR /><BR />Dem von den Entwicklern angeführten Demokratisierungs-Argument hält Simeoni süffisant entgegen: „Was heißt denn Demokratisierung? Ich komme auch nicht mehr auf einen 5000er hinauf. Deshalb fühle ich mich nicht ausgeschlossen aus der Gesellschaft. Es muss also nicht jeder um alles in der Welt überall hinkommen.“<h3> Bergrettungs-Chef Hellrigl: Mehr Leute, mehr Einsätze</h3>Nicht ganz so skeptisch verfolgt die Neuheit aus der Schweiz Thomas Hellrigl, Landesleiter der Bergrettung im AVS: „Wenn das vom Markt angenommen wird, kann ich mir durchaus vorstellen, dass es zu einer weiteren Zunahme von Freizeitsportlern im Gebirge führt.“ Aus bergretterischer Sicht bedeute das laut Hellrigl: „Wenn mehr Leute unterwegs sind, dann steigen in der Regel auch die Einsatzzahlen; das liegt in der Natur der Sache. Aber besorgt sind wir deshalb nicht.“ Wohl auch deshalb, weil Hellrigl davon ausgeht, dass es – aufgrund des frühen Entwicklungszeitpunktes und der hohen Preise – noch einige Jahre dauern dürfte, bis Südtirols Bergretter zu ihrem ersten Einsatz mit E-Skitourengehern im alpinen Gelände ausrücken müssen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1124580_image" /></div> <h3> Schwitzer (Sporthandel): Für Skitouren- Zukunft interessant</h3>Keinesfalls negativ beurteilt die E-Tourenskier Christian Schwitzer, Verantwortlicher für den Ski-Einkauf bei „Sportler“, wenngleich er am Prototypen noch einige Punkte bemängelt: „Meine erste Reaktion war: Das System ist schwer und klobig. Skitourengeher suchen eigentlich die Leichtigkeit im Aufstieg und die Performance in der Abfahrt.“ Dennoch betont er: „Ich finde es sehr interessant. Neuheiten und Innovationen tun dem Markt immer gut, und man muss ihnen eine Chance geben. Freilich muss man beobachten, wie sich das entwickelt.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1124583_image" /></div> <BR /><BR />Aus Nutzersicht scheine das System jedenfalls recht einfach zu funktionieren: Mit dem E-Antrieb aufsteigen, Rollen und Batterien abmontieren und abfahren. Geschickt findet Schwitzer auch die Strategie, dass die Firma das System in Zusammenarbeit mit Skimarken weiterentwickeln möchte, damit diese es dann in ih<?TrVer> re Skier integrieren können. Welche Entwicklungen möglich seien – sowohl aus technologischer Sicht wie vom Nutzerzugang her – zeige der E-Bike-Bereich. Dort sei die Skepsis zu Beginn auch groß gewesen – die Kritik reichte vom sportlichen Argument über Gewicht bzw. Design bis hin zum Preis. Heute aber, so Schwitzer, setzten selbst frühere Skeptiker auf E-Bikes, weil man damit weniger eingeschränkt sei. „Wenn sich das für die Skitouren-Zukunft ähnlich entwickelt, ist es sicher interessant.“