<b>Von Martina Hofer</b><BR /><BR />Der Spatz und seine Freundin, sie sind ein unzertrennliches Team. Doch eines Tages ist nichts mehr so, wie es war. Die Freundin ist plötzlich fort, aber der Spatz weiß nicht, wohin. Er fragt die Frösche am Teich nach ihr, die Schmetterlinge in der Wiese und die Tiere im Wald. Doch niemand kann dem traurigen Kerl weiterhelfen. Weinend verkriecht sich der Spatz in seinem Nest – bis Eule Alba vorbeifliegt. Gemeinsam begeben sie sich erneut auf die Suche. „Und plötzlich merkt der Spatz, dass seine Freundin überall ist – wenn er fühlt, spürt und lauscht“, sagt Michaela Moser über das Kinderbuch, mit dem sie nun ein neues Kapitel in ihrem Leben aufschlägt.<BR /><BR />Seit 1. August ist sie nämlich offiziell eine Buchautorin. Ein Kindheitstraum, der in Erfüllung geht. <BR /><BR />„Ich habe bereits als junges Mädchen unheimlich gern Geschichten geschrieben und als Jugendliche ganze Bibliotheken verschlungen. Der Gedanke daran, dass nun mein erstes Kinderbuch in den Buchläden aufliegt, bringt mich zum Weinen“, spricht tiefe Dankbarkeit aus Michaela Moser und zeugt davon, wie lange der Wunsch in ihr gekeimt hatte.<BR /><BR />„Schon in der Jugend habe ich meine Freunde mit diesem Herzenswunsch zugelabert“, lacht sie und erzählt von den vielen Kinderbüchern, die sie im Lauf der Jahre geschenkt bekommen hat. Besonders angetan war sie von denen des Erfolgsautors Kobi Yamada. Diese legte ihr Freundin Vroni gern unter den Weihnachtsbaum. Als Mitarbeiterin für Integration hatte Vroni nämlich einen besonderen Zugang zu Kinderbüchern und wollte Freundin Michaela zugleich damit anstoßen, doch selbst endlich was zu schreiben. „Sie sagte immer, sie wolle die Erste sein, die mein Kinderbuch liest.“<h3> Kondolenzbuch statt Kinderbuch</h3>Doch das Leben kam dazwischen, und ehe es Moser schaffte, eine Geschichte verlegen zu lassen, leg<?TrVer> te sie Gestecke auf Vronis Grab. Veronika Obkircher starb am 9. Jänner 2024 an Brustkrebs, sie wurde 37 Jahre alt. „Es war genau der Tag vor meinem Geburtstag. Auf schmerzhafte Weise verstand ich, wie endlich unser Dasein ist und dass man seine Träume nicht vor sich herschieben soll.“<BR /><BR />Plötzlich bedurfte es keiner großen Überwindung mehr, nichts schien mehr wichtiger. Michaela Moser setzte sich an den Computer und schrieb. Sie schrieb, als hätte sie nie etwas anderes im Leben getan. „Der Text floss einfach, und es mag spirituell oder auch bescheuert klingen, doch ich hatte das Gefühl, Vroni sitzt neben mir und hilft, die Gedanken in Worte zu fassen.“ <BR /><BR />Gänsehaut überzog ihren Rücken, ein kaum spürbarer Atem der Erinnerung trieb sie an. „Ich wusste, ich muss das jetzt niederschreiben“, schildert Moser diese intensive Zeit des Abschieds. „Das Schreiben tat mir gut. Gleichzeitig aber wollte ich auch etwas schaffen, das Vronis Angehörigen und Freunden, ja allen, die jemanden ganz fest vermissen, Trost und Hoffnung schenkt.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1199127_image" /></div> <BR />Dass sich ihr Erstlingswerk ausgerechnet mit dem so harten Tobak des Sterbens beschäftigen würde, findet Moser nicht befremdlich. <?Uni SchriftWeite="94ru"> Die Sarnerin musste in ihrem Leben<?_Uni> schon mehrere Schicksalsschläge hinnehmen, etwa den Tod ihres Patenonkels, von Freunden der Familie oder von Großeltern. Mittlerweile arbeitet die Freiberuflerin bei Kursen selbst mit Palliativkindern und spürt den besonderen Zugang für diese Themen des Abschieds. „Eine Ausbildung im Bereich Trauerhilfe kann ich mir sehr gut vorstellen“, sinniert sie, möchte sich vorerst aber ihrem Buchprojekt widmen. Denn – es wurde schneller fertig, als erhofft.<BR /><BR /><h3> Kleine Spuren, die Vroni im Buch hinterlässt</h3>„Ich habe mit Elmar Thaler einen motivierten Verleger und mit der gebürtigen Sarnerin Elisabeth Mair eine wahnsinnig talentierte Illustratorin gefunden. Das Feeling hat sofort gepasst.“ Mair verstand es nämlich nicht nur, Mosers Vorstellungen bildhaft umzusetzen – sie wob mit jedem Zeichenstrich auch kleine Gedanken an Vroni in das 32 Seiten starke Vorlesebuch für Klein und Groß (ab vier Jahren). So dominieren etwa ihre Lieblingsfarben Grün und Pink, und auch in den bunten Luftballons finden sich immer wieder Zitate, welche Veronika Obkircher zu Lebzeiten niederschrieb. „Wer Vroni kannte, weiß die kleinen Zeichen zu deuten, und für die anderen sind sie halt da“, lacht Mi<?TrVer> chaela Moser und freut sich, am 1. August endlich ihr Erstlingswerk ganz offiziell in den Händen halten zu dürfen. „Vroni konnte das Buch nicht mehr als Erste lesen, doch ih<?TrVer> re Mama hat total mitgefiebert und jetzt gemeint, sie kaufe mindestens 20 Exemplare“, freut sich die Neo-Autorin und bringt ihre Dankbarkeit für die innige Freundschaft mit einem rührenden Vorwort zum Ausdruck. Sie weiß, Vroni wäre stolz auf sie, und ist überzeugt: „Wir wären auf die Buchpräsentation hin bestimmt feiern gegangen.“<BR /><BR />Die gesellige Sarnerin hatte Partys nämlich geliebt. Auch darum feiern ihre Freunde am 29. August in einem Keller in Astfeld zum zweiten Mal Vronis Geburtstag. „Wir werden wieder über sie reden, ihre Tagebücher lesen und natürlich im neuen Kinderbuch blättern“, zeigt sich Michaela Moser erfüllt. <BR /><BR />Die 35-Jährige sucht nicht mehr nach ihrer Freundin, wie der kleine Spatz. Sie weiß heute, wo Vroni ist: für immer in ihrem Herzen und vielleicht bald auch wieder mit am Schreibtisch. Band zwei über den kleinen Spatz und seine Freundin ist nämlich schon in Ausarbeitung.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1199130_image" /></div>