Selbst beim Erzählen über sein Leben ist der Prucker stets in Bewegung, redet und gestikuliert leidenschaftlich. Das war schon als Bub so. Er hatte fußballerisches Talent und schaffte es bis nach Turin, wo er Innenverteidiger war in einer der Nachwuchsmannschaften von Juventus.<BR /><BR />„Mein erster Italienisch-Aufsatz wurde mit einer glatten Null bewertet“, schmunzelt er heute noch. Aber Ubald hielt durch, biss sich durch und kehrte nach drei Jahren in seine ladinische Heimat zurück, wo er zunächst als Skiläufer agierte. <BR /><BR />Ein heftiger Zusammenprall auf Ronc bescherte ihm vier Monate Gips – im Fuß verspürt er heute noch Schmerzen – und für seine Eltern war das Kapitel Sport damit abgeschrieben, denn auch seine Schwester Ulrike hatte sich bei einem Unfall am Aprica-Pass schwer verletzt.<BR /><BR />Da trat Onkel Alfred Prucker, auf den Plan – selbst Sportler und Olympionike. Er überzeugte seinen Neffen, zum Nordischen Skisport zu wechseln. So begann Ubald – zusammen mit seinem jüngeren Bruder Tillmann – sich mit Langlauf und Skisprung abzugeben. Auch Jahrgangskollege Ulrich Kostner war mit von der Partie. Nach dem dritten Platz in der Staffel bei den Staatsmeisterschaften in Ploden/Sappada war der Weg vorgezeichnet. <BR /><BR />Ubald kam zu den Carabinieri, und ergatterte bei insgesamt 850 Bewerbern einen Platz in der höheren Sportschule in Rom. Dort zeigte er sich überaus aktiv, interessiert, kontaktierte Trainer aus Norwegen und lieferte als Abschlussarbeit sogar einen kleinen Film ab, der auch beim Olympiasieger von 1968, dem legendären Franco Nones, Beachtung fand.<BR /><BR />1971 kontaktierte ihn Battista Mismetti, der den damals als Militärdisziplin eingestuften Biathlonsport weiter entwickeln wollte. Eine Zeit arbeitete Prucker in einer Gruppe dann auch für den Nordischen Skisport. „Aber das funktionierte nicht recht gut, weil unterschiedliche Auffassungen vorherrschten und alle immer Recht haben w<BR />ollten“, erzählt Ubald Prucker.<BR /><BR />1974 trennte man also Biathlon vom übrigen Nordischen Skisport, und zu der Zeit lernte Ubald Prucker Paul Zingerle kennen. Dieser hatte die damals verrückt scheinende Idee, Biathlon nach Antholz zu holen. „Wir haben zuerst auf dem zugefrorenen Antholzer See geschossen, erst später fanden wir einen neuen Standort für den Schießstand. Entscheidend war, dass Biathlon von Groß- auf Kleinkaliber umstellte, obschon die Sowjetunion und Großbritannien – zwei Militärmächte – total dagegen waren. Von da an ging es aufwärts“, blickt Ubald Prucker auf gut 50 Jahre Erfahrung zurück.<BR /><BR />Vom Schmied in Mühlbach ließ man sich Zielscheiben-Anlagen anfertigen, rasant wuchs die junge Sportart in Antholz und in Ridnaun, und spätestens als 1988 erste Olympiamedaillen nach Südtirol kamen, war der Durchbruch geschafft.<BR /><BR />Über die vielen Jahre als Sportchef des italienischen Teams erzählt der heute 80jährige nicht viel, aber es waren Zeiten mit Erfolgen, mit WM-Titeln und zahlreichen Medaillen, die Ubald Prucker stets als mitfiebernder Betreuer am Streckenrand erleben und auch genießen konnte. Es war die Zeit der „Antholzer Buam“, die Zeit des Aufbaus eines Frauenteams (mit Nathalie Santer, Sigrid Pallhuber und Monika Schwingshackl), die 1996 – zumindest im italienischen Verband – ein abruptes Ende nahm.<BR /><BR />Fortan wurde Ubald Prucker von der Internationalen Biathlon Union (IBU) – deren Vizepräsident er auch war – als Biathlon-Botschafter in die Welt hinausgeschickt. Die Liste der Länder, in denen der Grödner Tausendsassa tätig war, ist ellenlang – zuerst in der Schweiz, Frankreich, Andorra und Spanien, später in Chile und Argentinien, acht Jahre (!) in Neuseeland, Australien, Japan, Südkorea und China, wobei er an den zwei letzten Stationen wesentlich an der Gestaltung der Olympiastrecken und Olympiaschießstände mitgewirkt hat.<BR /><BR />„Ich habe seit 50 Jahren diszipliniert Tagebuch geführt und errechnet, dass ich im Schnitt gerade einmal 76 Tage pro Jahr zu Hause in Gröden war. Einmal waren es gar nur 46 Tage, die ich in St. Ulrich mit meiner Frau Loredana und den Söhnen Gunnar und Einar verbringen konnte“, erklärt Prucker.<BR /><BR />Bei den Olympischen Winterspiele 2006 in Turin war er Standort-Manager der Biathlon-Wettbewerbe in San Sicario. Und natürlich war er auch da mit Leidenschaft und Herzblut dabei. Nach der Sommer-Universiade 2025 war Schluss. „Das war der letzte Koffer, den ich gepackt habe“, versprach er seiner Frau. Er möchte jetzt den Ruhestand genießen. Aber in Bewegung bleibt er, ob beim Skifahren oder beim Wandern („nur dort, wo ich keine Leute treffe“).<BR /><BR />Mit sehr vielen Menschen in allen Ecken der Welt, besonders in Italien, Südtirol und Gröden, ist Ubald Prucker ein Stück des Lebensweges gemeinsam gegangen. All diese Begleiter wünschen dem Jubilar weiter viel Freude am Sport und an den vielen kleinen Dingen, die das Leben so lebenswert machen.