Donnerstag, 14. Dezember 2017

Und wieder ging die Welt nicht unter

Ob aus Bibelversen errechnet oder mit dem plötzlichen Auftauchen eines ominösen Planeten namens „Nibiru“ begründet – mindestens viermal ist im zu Ende gehenden Jahr ein Weltuntergangstermin verstrichen, ohne dass irgendetwas passiert ist. Das hielt die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) in ihrer Bilanz zu Voraussagen von Hellsehern und Astrologen fest.

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Ebenso ausgeblieben sind eine Invasion riesiger Marienkäfer und Attacken aggressiver Eichhörnchen auf Menschen überall auf der Welt. Außerdem hat kein aus einem Tank ausgebrochener Piranha Menschen gefressen.

Den Euro gibt es nach wie vor, und mangels eines Crashs der Währung sind weder Italien noch Dänemark aus der EU ausgetreten, wie ein Brite für 2017 vorhergesagt hatte. Im Buckingham-Palast loderten keine Flammen, der Schiefe Turm von Pisa steht immer noch und im Eriesee an der Grenze von Kanada und den USA ist kein UFO gelandet. Nord- und Südkorea sind immer noch getrennte Staaten.

Ein Vulkanausbruch auf Island a la Eyjafjallajökull 2010 mit weitreichenden Folgen für den Rest Europas hat zumindest bis Mitte Dezember nicht stattgefunden, auch wenn Geologen einen solchen für die nahe Zukunft nicht ausschließen. „Was in der Vergangenheit geschah, wird als Prognose für die Zukunft wiederholt – es könnte ja noch einmal passieren. Wirklich Überraschendes wie der Rücktritt des Papstes 2013 oder eben die Folgen des Vulkanausbruchs in Island von 2010 fand man in den Prognosen der Wahrsager damals nicht, und auch heute bedienen sich die Prognosen fast ausnahmslos bereits bekannter Szenarien“, erklärte der deutsche Mathematiker Michael Kunkel, der jedes Jahr die Prognosen diverser Auguren untersucht.

Positive Aussichten waren 2017 zwar selten zu finden, aber durchaus vorhanden. Der deutsche Astrologe und Nostradamus-Forscher Kurt Allgeier lag mit seiner Vorhersage richtig, dass auch 2017 nicht der Dritte Weltkrieg ausbricht. Entgegen seiner Prophezeiung hat sich allerdings in Südfrankreich kein neuer Staat gebildet.

Dass die Wahrsagerei tragische Folgen haben kann, machte die GWUP anhand zweier Fällen aus Vietnam und Frankreich deutlich. Eine Vietnamesin tötete ihren wenige Tage alten Enkel, weil laut einem Wahrsager durch das Baby das Karma der Familie geschädigt würde. Nicht ganz so tragisch endete für eine 35-jährige Frau in Frankreich die Beratung einer Wahrsagerin. Ihr wurde der nahende Herztod prophezeit. Ihre Verunsicherung war so groß, dass auch medizinisches Fachpersonal ihr die Angst erst nach längerer psychologischer Behandlung nehmen konnte. Inzwischen hat sie die Wahrsagerin geklagt und laut GWUP einen ersten kleinen Erfolg erzielt: Die Wahrsagerin hat ihre Angebote vom Netz genommen.

apa

stol