Ein Besuch bei den beiden Firmeninhabern Moritz und Matthias Moroder in der Gewerbezone Bozen Süd fördert überraschende Erkenntnisse zutage. <BR /><BR />Moritz wirkt ein wenig angespannt. Zwar führt er an diesem Oktobermorgen überaus bereitwillig durch die angemieteten Räumlichkeiten, erläutert technische Details zu den Drohnenmodellen, erklärt Produktionsmethoden sowie Eigenheiten des Marktes und geht offen auf jegliche Fragen ein, allerdings drängt die Zeit. Ein wichtiger Anruf – im Jargon „Call“ genannt – steht unmittelbar bevor, Investitionsvorhaben und die weitere Firmenstrategie werden Inhalt des Gesprächs sein. „Wir sind gerade dabei, Kapital für das Wachstum unserer Firma einzusammeln, damit wir unsere Kapazitäten erhöhen können“, umreißt er seine aktuellen Schwerpunkte, um gleichzeitig auf die bereits vollzogenen Entwicklungsschritte zu verweisen: Technologieentwicklung und Zertifizierungen. <BR /><BR /><b>Aktuelles Modell kann bis zu 100 Kilogramm transportieren</b><BR /><BR />Was in einem technischen Vokabular daherkommt, zählt in der Essenz zu den erstaunlichsten Geschichten in einem Bereich, der in Südtirol nur wenig Beachtung findet: Hightech mit großem Innovationspotenzial. „Wir sind mit unseren Drohnen effektiv Vorreiter in Europa oder sogar in der westlichen Welt, allerdings haben die Chinesen aufgeholt“, sagt Moritz Moroder fast ein bisschen verlegen. Es entspricht nun mal nicht seinem besonnenen Naturell, derartige Dinge marktschreierisch hinauszuposaunen. Die Tatsachen sprechen jedoch für sich, mit ihren Lastendrohnen sind die aus Gröden stammenden Brüder Moritz und Matthias Moroder Marktführer. Die aktuelle vierarmige Drohne des Typs FB3 ist mit acht Rotoren ausgestattet und für den Lastentransport von bis zu 100 Kilogramm zugelassen, damit vermag sie eine Strecke von etwa sieben Kilometern zurückzulegen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1227528_image" /></div> <BR /> Wo es für Hubschrauber oder auch Lastenkrane zu umständlich oder zu teuer wird, erweist sich die Lastendrohne oftmals als optimale Alternative. Zusätzlich dazu erweist sich der Umweltaspekt als starkes Argument: Eine Drohne aus dem Hause FlyingBasket – so nennt sich die Firma der beiden Moroder-Brüder – schwirrt leise durch die Lüfte und verursacht keine direkten CO₂-Emissionen.<BR /><BR /><b>Windturbinen in der Nordsee versorgt</b><BR /><BR />All das hat man neuerdings vor allem in der Nordsee erkannt. „Einer unserer Kunden hat heuer im Sommer mithilfe von über 600 Drohnenflügen Material für Reparaturen und Evakuierungsboxen mit einem Gesamtgewicht von 38 Tonnen von den Schiffen zu mehr als 400 Offshore-Windturbinen geflogen, das ganze Unterfangen dauerte gerade mal sechseinhalb Wochen“, erläutert Moritz Moroder einen Einsatz mit Wow-Effekt. Im Durchschnitt flogen die Drohnen 30-mal täglich, die Zeit- und Kostenersparnisse sprachen für sich. <BR /><BR />Eine moderne Lastendrohne made by Moroder schlägt im Basispreis mit etwa 75.000 Euro, in der Komplettversion mit knapp 100.000 Euro zu Buche. „Hierbei sind auch zusätzliche Batterien, Flug-Training und Unterstützung für die Autorisierung enthalten“, beziffert Matthias Moroder die Preisgestaltung. Damit sei man allemal wettbewerbsfähig, speziell beim Einsatz in der Nordsee habe sich gezeigt, wie schnell sich die Kosten für die Betreiber amortisieren. <BR /><BR /><b>Mehrere Referenzprojekte erfolgreich</b><b>durchgezogen</b><BR /><BR />Die Offshore-Versorgung ist beileibe nicht das einzige nennenswerte Referenzprojekt der beiden versierten Entwickler, so haben sie etwa in Zusammenarbeit mit der italienischen Post die kleine Insel Procida vor der Küste Neapels für vier Monate tagtäglich mit Post und Paketen beliefert, so haben sie mit dem Energieversorger ENEL Demo-Flüge für den Bau von Stromleitungen gemacht, und so haben sie erst heuer im Sommer ein Pilotprojekt zur Versorgung von vier Südtiroler Schutzhütten erfolgreich durchgezogen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1227531_image" /></div> Genau damit hatte vor zehn Jahren alles seinen Lauf genommen. „Als Grödner haben wir die Versorgungsflüge von Helikoptern gesehen und uns gefragt, ob das nicht auch mit einer Drohne machbar wäre“, erklärt Moritz Moroder die Ausgangsidee. Mit Pioniergeist schraubten die beiden Softwarespezialisten (beide haben an der Uni Bozen einen Bachelor in Informatik abgeschlossen, Moritz machte außerdem einen Master in Unternehmensführung und Innovation) zunächst daheim im Elternhaus in Gröden an Drohnenmodellen herum. <BR /><BR /><b>Produktionskapazitäten ausbauen</b><BR /><BR />Im Jahr 2015 hoben sie ihr Start-up aus der Taufe, seitdem gehören sie unbestritten zu den Treibern der Branche. Sie haben am gesetzlichen Regelwerk für die unbemannten Flugobjekte mitgewirkt, haben mit der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) und mit der italienischen Luftfahrtbehörde (ENAC) zusammengearbeitet, haben vor allem eigenständig die Modelle ständig weiterentwickelt und ganz nebenbei Einsatzmöglichkeiten und potenzielle Märkte erkundet. <BR />„Uns geht es nun darum, den Produktionsprozess zu automatisieren, wir möchten auf zehn oder womöglich 100 gefertigte Drohnen pro Woche kommen“, nennt Moritz Moroder eine Zielvorgabe. Derzeit haben sie in ihrem Firmensitz in Bozen die Kapazitäten zur Herstellung von 50 Drohnen – im Jahr. <BR /><BR />Moritz Moroder signiert als CEO und verfolgt in erster Linie die strategische Ausrichtung, Matthias dagegen treibt als CTO vorrangig die technische Entwicklung voran. Zusammen beschäftigen sie 25 Mitarbeiter aus unterschiedlichsten Ländern, allesamt hochgradig qualifiziert und technologisch beschlagen. So gesehen darf man bei ihnen von „Brain Gain“ (Zuwanderung von hochqualifizierten Fachkräften) anstatt des hierzulande oftmals beklagten „Brain Drain“ (Abwanderung derselben) sprechen.<BR /><BR /><b>„Brain Gain“ statt „Brain Drain“</b><BR /><BR />Letzthin gab es reichlich Wirbel um Drohnen, allerdings nicht um Lastendrohnen, sondern zum Zwecke der elektronischen Kriegsführung. Flughäfen wurden mit Drohnen lahmgelegt, im Krieg in der Ukraine gehören Kamikaze-Drohnen zum Alltag. Nachdem mit Leonardo auch ein Rüstungs- und Raumfahrtkonzern bei FlyingBasket eingestiegen ist, liegt die Frage nahe, inwieweit sich das auf die Firmenstrategie auswirkt. Moritz Moroder beruhigt: „Wir haben die absolute Entscheidungshoheit über unsere Ausrichtung, unser Geschäftsfeld ist der Logistikbereich.“ Sehr wohl haben sie auch schon ein Projekt mit dem Militär durchgezogen, indem sie für die Alpini die Versorgung eines Feldlazaretts mit Blutkonserven simuliert haben. Und wer weiß, wie lange es dauert, bis eine heute schon machbare Aktion zur Selbstverständlichkeit wird: In Bergnot geratene Personen mit einer Drohne retten.