<b>Von Edith Runer</b><BR /><BR />Ob in Südtirol oder Österreich – wenn es um Europa- oder Völkerrecht geht, ist Walter Obwexer für viele Regierungen und Medien erste Wahl. Mit Anzug und Krawatte, gewählt in der Sprache, sachlich, präzise – so kennt man den gebürtigen Villnösser. <BR /><BR />Doch hinter dem renommierten Juristen steckt noch ein anderer Walter Obwexer – ein unterhaltsamer Erzähler mit erfrischenden Anekdoten im Köcher. Fast erinnert er an den bekannten Vatikanexperten Andreas Englisch – nicht so laut und überschwänglich, aber mit feinem Witz und Sinn für gute Geschichten. <h3> Abmachung mit dem Pfarrer</h3>Ein Beispiel? Da wäre das Ehrenamt als Pfarrgemeinderatspräsident in seiner Heimatgemeinde, das er 25 Jahre lang innehatte. Die Geschichte dazu erzählt er gerne: 1985, gerade im Studium, wurde er ins Gremium gewählt. „Als der Pfarrer sich partout weigerte, die jeweilige Anzahl der Stimmen für die beiden Meistgewählten offenzulegen, wollte keiner von ihnen das Amt übernehmen“, erzählt er. <BR /><BR />„Dann soll's halt der Walter machen“, hieß es. Und plötzlich fand sich der damals 20-Jährige als Präsident wieder. „Der Pfarrer hatte große Bedenken, ob das gut gehen kann.“ Doch ein Vierteljahrhundert später, als er das Amt niederlegte, wollte man ihn nur ungern gehen lassen. Kirchen renoviert, Bauprojekte begleitet, Finanzen im Griff – Obwexer hatte sich als umsichtiger Manager bewährt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1181895_image" /></div> <BR />Ob er sehr gläubig sei? „Nicht mehr als andere. Aber mit dem Pfarrer hatte ich eine Art stillschweigende Abmachung: Er macht das Religiöse, ich die Verwaltung. Das hat gut funktioniert.“<h3> Morgensport auf der Piste</h3>Inzwischen ist Walter Obwexer längst im Stubaital zu Hause. Ehefrau Karin ist auch Juristin, Tochter Sarah studiert ebenfalls Jura – nur Sohn Simon schert aus, möchte nach der Matura in die Medizin. Der Familienvater pendelt täglich nach Innsbruck. Meist sitzt er spätestens um 8 Uhr im Büro, nachdem er vielleicht schon einen halbstündigen Morgenlauf und die obligatorische Zeitungslektüre hinter sich hat.<BR /><BR /> Es sei denn, es ist Winter, gerade kein fixer Termin im Kalender, die Sonne am Himmel – da kann der passionierte Skifahrer ein paar Schwüngen auf der Piste nicht widerstehen. „Wenn ich gegen 11 Uhr in der Uni die Treppe hinaufeile und die Rektorin treffe, weiß sie schon Bescheid. ‚Sie waren bestimmt Skifahren‘, ruft sie mir dann zu.“ Und meistens hat sie recht. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1181898_image" /></div> <BR />Im Wohnort Mieders gibt es zwei Lifte – das reicht zum Auskosten. Danach geht's unter die Dusche und ab ins Büro. Am Wochenende verbringt Walter Obwexer dann schon die eine oder andere Stunde mehr im Schnee, meistens gemeinsam mit seiner Frau. <BR /><BR />Sportlich ist der 60-Jährige seit seiner Kindheit – damals gezwungenermaßen: „Vom Feltunerhof in der Fraktion Koll, wo ich daheim war, musste ich jahrelang täglich 500 Höhenmeter runter ins Dorf zur Schule und wieder rauf, manchmal sogar zweimal.“ Doch selbst das hielt ihn und seine Freunde im Winter nicht davon ab, sich nachmittags kurzerhand eine eigene Piste in den Hang zu treten, um dort ein paar Meter Ski zu fahren. <h3> Südtirolkrimi zum Einschlafen</h3>In den wärmeren Jahreszeiten verhelfen Walter Obwexer abendliche flotte Spaziergänge oder kurze Wanderungen mit seiner Frau zur nötigen Portion Sauerstoff – als Ausgleich zum trockenen Paragrafenstudium.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1181901_image" /></div> Richtig Feierabend hat er aber selten. Selbst an Wochenenden – da stehen mitunter auch E-Bike-Runden auf dem Programm – muss er nach einer E-Bike-Tour oder Wanderung manchmal ans Telefon oder ans Mikrofon. Doch das stört ihn nicht weiter: „Schließlich werde ich mit Steuergeldern bezahlt.“<BR /><BR />Abschalten nach einem langen Tag? Das ist für den Uniprofessor gar nicht so einfach. Manchmal hilft aber ein guter Südtirolkrimi – als wohltuender Kontrast zu Gesetzestexten. <BR /><BR />Was er tun würde, wenn er einmal viiiieeel Freizeit hätte? Die Antwort kommt prompt: „Eine Städtereise in den Norden unternehmen – und ein Musikinstrument erlernen.“ Fürs Erste reicht ihm aber der klassische Sommerurlaub. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1181904_image" /></div> <embed id="dtext86-70347835_listbox" /><BR /><BR />Eine Woche ans Meer oder in die Berge, eine Woche Kultur und Stadtflair – nach diesem bewährten Schema verreisen Karin und Walter Obwexer am liebsten. Und heuer? „Wenn alles klappt: Paris und Griechenland.“ Klingt ganz nach einem guten Plan. <BR /><BR /><embed id="dtext86-70347834_listbox" />