Philipp Falsers Passion gilt der Sprache und der Kommunikation. Er ist überzeugt, dass die meisten zwischenmenschlichen Probleme genau damit zusammenhängen. Als Rhetorik- und Kommunikationstrainer arbeitet er mit Firmen, Kanzleien, Politikern (u.a. mit Funktionären der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands/SPD) zusammen.<BR /><BR />Die wichtigste Kommunikationskompetenz überhaupt ist laut Falser allerdings nicht ein perfekter Umgang mit Worten und Begriffen, sondern etwas, das zunächst so ganz und gar nichts mit Sprechen zu tun hat. Aber dazu später mehr. <h3> Philipp Falser: „Was ist das für ein ‚Puff‘ da?“</h3>Geboren wurde Falser 1994 in München, aufgewachsen ist er in Esslingen bei Stuttgart. Dort lebt er heute gemeinsam mit seiner Verlobten Julia-Tamara Rochlitzer. Trotzdem ist er ein waschechter Südtiroler. Seine Eltern Elisabeth und Gerhard Falser stammen nämlich aus Bozen. Aus beruflichen Gründen sind sie nach Deutschland gezogen. Daheim hat Philipp Falser mit ihnen immer Dialekt geredet. „Als ich dann in die Schule kam, habe ich mal laut gesagt: „Was ist das für ein ‚Puff‘ da? Da wurden gleich meine Eltern angerufen, und es gab das erste Elterngespräch.“ <I>(lacht)</I> Der Bedeutungsunterschied zwischen dem Südtiroler Dialekt („Puff“ für Chaos oder Unordnung) und dem Hochdeutschen (Bordell) war schnell geklärt. <h3> Es geht ihm nicht ums„perfekte“ Sprechen</h3>Im Zuge seines Bachelorstudiums der Sprechkunst und Sprecherziehung an der Musikhochschule in Stuttgart und seines Masterstudiums in Rhetorik habe er dann das das klassische Hochdeutsch gelernt. Das spricht der 29-Jährige mittlerweile akzentfrei und wird deshalb auch gerne als „zweiter Markus Lanz“ bezeichnet. Trotzdem verteidigt Falser nach wie vor den Dialekt: „Hochdeutsch soll in meinen Augen die zweite Sprache sein. Was nicht passieren darf, ist eine Dialektreduktion. Wenn ich nach Südtirol schaue, ist genau das meine Befürchtung. Dass man eben immer weniger zum Dialekt steht und versucht, Hochdeutsch zu reden.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="988024_image" /></div> <BR /><BR />Im Telefongespräch spricht Falser jedenfalls Dialekt und drückt sich gewählt aus, aber nicht abgehoben oder theatralisch. Es geht ihm nicht ums „perfekte“ Sprechen oder um intellektuelles Gehabe. Es geht ihm um die Haltung. Damit meint Falser, dass man sein Gegenüber immer als ebenbürtig ansehen sollte. Die Grundannahme der sogenannten kooperativen Rhetorik, die Philipp Falser propagiert, ist nämlich: „Mein Gegenüber ist genauso ein Mensch wie ich und möchte verstanden werden.“ Diesen Gedanken leite er von der Gottesebenbildlichkeit ab.<h3> Was man von Talkshows nicht lernen kann</h3>In Diskussionsrunden wie bei Markus Lanz etwa, erklärt der Rhetorik- und Kommunikationsexperte weiter, versuche man gar nicht mehr, den anderen zu verstehen. Es gehe vielmehr darum, dem Gesprächspartner auszuweichen, ihn „an die Wand zu klatschen“, schlicht und einfach im Austausch zu gewinnen! Das Gegenüber werde von vornherein nicht als ebenbürtig angesehen. Und das sei falsch, denn da stimme die Haltung nicht. Das Fatale daran ist: „Solche Diskussionssendungen haben einen enormen Einfluss darauf, wie wir im Alltag miteinander kommunizieren. Deshalb müssen wir zwischen Kommunikationssituationen in einer Talkshow und jenen im realen Leben unterscheiden. Wir sind nämlich keine Politiker, deren Ziel es sein soll, eine Diskussion zu gewinnen.“ In privaten Diskussionen gehe es in erster Linie ums Verstehen – und ums Zuhören. <BR /><BR />Spannend: Die meisten Fehler machen Menschen bei Letzterem – also beim Zuhören. Leider, so Falser, lerne man das Zuhören nicht in der Schule, und daher schleichen sich gerade in dieser Phase der Kommunikation die meisten „Pannen“ ein. Und das sind laut Falser die drei häufigsten:<BR /><BR /><b>1</b> „Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Realität. Das Gehirn passt das Gehörte zu schnell an die eigene Realität an, verzerrt und generalisiert die Informationen. Das nennt man Konnotation. Wir denken also zu wissen, was der andere meint. Daher sollte man das vermeintlich Verstandene durch Rückfragen bestätigen lassen. Damit lassen sich viele Missverständnisse vermeiden.“<BR /><BR /><b>2</b>„Der zweite Zuhörfehler ist: Wir hören selektiv. Das passiert ganz stark, wenn uns das Gegenüber schon gut bekannt ist. Wir meinen also zu wissen, was der andere sagt und meint, weil wir ihn oder sie schon kennen. Und dann hören wir genau das, was wir hören wollen.“<BR /><BR /><b>3</b>„Fehler Nummer drei ist die Konstruktion. Wir konstruieren uns unsere Antwort im Kopf, noch bevor unser Gegenüber fertig gesprochen hat. Das heißt, der andere argumentiert gerade, und ich denke mir gleichzeitig: „Hm, jetzt muss mir ein Argument einfallen, um dem richtig eines auszuwischen.„ Oder ich konstruiere eine kritische Gegenfrage, während der andere spricht. Das Ergebnis: Man hört nicht mehr sauber zu. Das erleben wir ganz oft in Polit-Talkshows und Diskussionssendungen. Dort erleben wir ganz selten, dass wirklich zugehört wird. Dabei macht das Zuhören 50 Prozent unserer Kommunikation aus!“<h3> Das fällt bei Südtirolern besonders auf</h3>Vom Zuhören nun zurück zum Gesprochenen. Auf die Frage, ob Philipp Falser beim Sprachverhalten der Südtiroler etwas Besonderes auffällt, antwortet er: „Ja! Eine allgemeine Tendenz in allen südlich gelegenen Gebieten ist: Die Menschen kommunizieren indirekter. Man spricht Dinge eher durch die Blume an. Bedeutet: Kritik wird nicht direkt, sondern nur indirekt und versteckt geäußert.“ Auch Titel und Ansprache haben in Südtirol eine höhere Wichtigkeit. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="988027_image" /></div> <BR />Ein weiteres, weltweites Phänomen in der Kommunikation ist der „Ich-Bezug“. Laut Falser gebrauchen Menschen in Gesprächen immer mehr das Wörtchen „Ich“. Das führe dazu, dass weniger Verständnis fürs Gegenüber da sei, betont der Sprach- und Kommunikationstrainer.<BR /><BR />Außerdem sollte man nicht allzu viel und lange über sich selbst sprechen. Das distanziere das Gegenüber, weil man ihm den Platz zum Sprechen wegnehme. Besser wäre es, den Fokus aufs Zuhören zu legen und insgesamt weniger zu senden, also zu sprechen. „In einer Welt, in der es ums Senden geht, und dabei denke ich an soziale Netzwerke, ist das dauernde Sprechen über sich selbst aber fatalerweise eine logische Folge unseres Kommunikationsverhaltens.“<BR /><BR />Doch wie schrieb schon einstmals der Schweizer Schriftsteller, Dichter und Politiker Gottfried Keller (1819–1890): „Mehr zu hören, als zu reden – solches lehrt uns die Natur: Sie versah uns mit zwei Ohren, doch mit einer Zunge nur.“