Wie diese willkommenen Frühlings-Effekte aussehen, erklären eine Aufräum-Expertin, eine Fitnesstrainerin, eine Psychologin, ein Ornithologe und eine Kräuterfachfrau – allesamt aus Südtirol.<BR /><BR />Man kann es auch getrost mal vom Endergebnis her betrachten: Was ist es doch für ein schönes Gefühl, in einer frisch herausgeputzten Wohnung zu sein! „Wir nehmen uns selbst auch immer im Spiegel unserer Umgebung wahr“, sagt dazu Berta Pircher Margesin, in Lana ansässige Aufräum-Fachfrau und Anhängerin der bekannten KonMari-Methode. Wenn man also seine eigenen 4 Wände wieder auf Vordermann bringt, so gehe das einher mit innerer Zufriedenheit und mit Wertschätzung für das traute Heim. „Bei vielen Menschen regt sich nach vielen dunklen Wintertagen das Verlangen, aktiv zu werden und Pläne anzugehen“, weiß Berta Pircher Margesin. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1142571_image" /></div> <BR />Diesen Schwung soll man für den vielfach propagierten Frühjahrsputz nutzen, allerdings plädiert die Aufräumfachfrau für ein strukturiertes Vorgehen. Eine Schublade nach der anderen ausmisten, sich einen Raum nach dem anderen vornehmen – mit vielen kleinen Schritte komme man viel eher zum Ziel als mit einer großen Hauruck-Aktion. Die körperliche Aktivität beim Frühjahrsputz, beim Zaunstreichen oder beim Weißeln bewirke zudem den positiven Effekt der Selbstwirksamkeit. „Man nimmt dabei bewusst sich selbst wahr, was vielen eine wohltuende Gelassenheit bzw. Müdigkeit beschert“, weiß sie.<BR /><BR /> Der Frühjahrsputz kann sehr wohl auf weitere Dinge ausgedehnt werden – etwa das Auto zum Check und die Fahrräder in Schuss bringen. Eine befreiende Wirkung kann auch das Entrümpeln des Dachbodens oder des Kellers mit sich bringen. Sinnbildlich kann man den Frühjahrsputz folgendermaßen auf den Punkt bringen: Erst mit sauberen Fenstern hat man einen klaren Durchblick. <h3> Milde Temperaturen zum Training nutzen</h3>Mehr Tageslicht und ansprechende Temperaturen animieren viele Menschen zu so mancher Fitnesseinheit in der freien Natur. Das kann Maria Rastner vom Fitnessstudio Knackig in Brixen nur begrüßen. „Bewegen, bewegen und nochmals bewegen – dieses Credo sollten wir verinnerlichen, bis es zur Routine wird“, erklärt sie. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1142574_image" /></div> <BR />Dabei sollten die äußeren Bedingungen ohnehin zur Nebensache werden, denn Bewegung sei bei jedem Wetter anzuraten. Zwischendurch sei Laufen bei leichtem Regen auch cool. Generell empfiehlt Maria Rastner, sich mit vollem Fokus bzw. Achtsamkeit dem Training in der Natur zu widmen. „Das gelingt am besten, wenn man Handy oder Sportuhr einfach mal ignoriert, denn andernfalls hängt man mental immer an diesen Geräten“, weiß sie. <BR /><BR />Körper und Kopf sollten eine Einheit bilden, erst dann könne ein Training seine volle Wirkung entfalten, erst dann gelinge es tatsächlich, die Batterien aufzuladen und Stress abzubauen. Neben dem eigentlichen Training fördern dabei auch die frische Luft und das unmittelbare Naturerlebnis ein positives Körpergefühl. <BR /><BR />In ihrer Eigenschaft als Fitnesstrainerin ist Maria Rastner klarerweise eine Verfechterin des Ganzjahrestrainings. „Ausdauersport sollte übrigens stets mit Krafttraining kombiniert werden, um dem Muskelabbau vorzubeugen“, hebt sie einen ihrer Leitsätze hervor. Und gerade wenn es um ein effizientes Trainingsprogramm geht, sollte man angesichts des unübersichtlichen Angebots-Dschungels im Internet sich von professionellen Fitnesstrainern beraten lassen. <h3> Nun wird wieder das Glückshormon produziert</h3>Im Frühling ist die Aufbruchstimmung und die Veränderung allerorten zu vernehmen – sei es im Grünen, sei es bei den Tieren und natürlich auch bei den Menschen. „Unsere innere Uhr stellt sich um, viele Menschen verspüren eine neue Energie und haben Lust auf Aktivitäten“, weiß Psychologin Lisa Gamper. <BR /><BR />Grundsätzlich sei der allgemeine Drang, etwas zu unternehmen und sich im Freien zu bewegen, deutlich zu vernehmen. Im Frühling hat es oft den Anschein, als seien die Menschen offener, sympathischer und besser gelaunt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1142577_image" /></div> Dem ist tatsächlich so, weiß die Psychologin, da der Körper mehr vom Glückshormon Serotonin produziert. Mit der Sonne werden zudem die körpereigenen Vitamin-D-Speicher wieder aufgefüllt. „Im dunklen Winter schüttet unser Körper vermehrt das Schlafhormon Melatonin aus, im Frühling schwenkt er dagegen infolge der längeren und sonnigeren Tage verstärkt zum Serotonin um“, erklärt Lisa Gamper. Damit fühle man sich leichter, beschwingter und sorgenfreier. <BR /><BR />Allerdings gilt das nicht pauschal. Im Frühling liege auch reichlich Spannung in der Luft, insbesondere für Menschen, die an Depressionen oder depressiven Verstimmungen leiden, könne diese Aufbruchszeit sehr anstrengend sein. „Für sie stimmt das innere Erleben mit dem äußeren Geschehen nicht überein“, weiß Lisa Gamper. Davon abgesehen, empfiehlt sie viel Bewegung an der frischen Luft, damit sich der Körper schnell an die neue Jahreszeit gewöhnt. Schon ein 20-minütiger Spaziergang fördere die Durchblutung des Gehirns, hebe die Stimmung und bringe das Nervensystem zur Ruhe. <h3> Der Sound des Frühlings</h3>Der Frühling hat auch einen charakteristischen Sound, es ist jener der Wald- und Wiesenvögel. Der Grödner Ornithologe Iacun Prugger weiß, welche Vogelarten den Frühling hierzulande verkünden. „Als eine der ersten Arten wird die Wasseramsel aktiv, es folgen Amseln, Zipzalpe und auch der Kuckuck“, zählt er auf. <BR /><BR />Die in der Nähe von Bächen brütende Wasseramsel erkennt man an ihrem markanten weißen Brustfleck. Gerade jetzt im März und April versuchen die Vögel ihre Reviere zu verteidigen, ehe sich das große Gezwitscher im Mai und Juni wieder beruhigt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1142580_image" /></div> <BR />Iacun Prugger rät, beim Spazierengehen genau hinzuschauen und die Ohren zu spitzen. „Waldvögel finden in Südtirol nach wie vor gute Bedingungen vor, Wiesenbrüter dagegen haben unter der Zurückdrängung ihrer Lebensräume zu leiden“, weiß der Vogelkundler. Je abwechslungsreicher die Landschaft, desto besser für die Vögel. Gute Lebensbedingungen herrschen indes auf dem offenen Feld des Bozner Flugplatzes, einem der „besten Plätze für Vogelbeobachtungen im gesamten Alpenraum“. Die wohltuende Wirkung von Vogelgesang auf die menschliche Psyche wurde bereits erforscht, das Zwitschern soll ein Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit evozieren. <BR /><BR />„Momentan sind die Gesänge der Buchfinken mit den finalen hohen Tönen allgegenwärtig, auch die Mönchsgrasmücke flötet in sehr hohen Tönen, und besonders schön finde ich das Lied der Singdrossel“, sagt der Ornithologe. Na dann, nichts wie raus und Ohren auf. <h3> Die Natur scheint förmlich zu explodieren</h3>In den Talniederungen und südlicheren Landesteilen ist es bereits soweit – die Natur scheint förmlich zu explodieren: Wiesen und Felder wechseln in saftiges Grün, Bäume und Sträucher entwickeln frische Blätter, die Knospen treiben aus. <BR /><BR />„All das Grün in der Umgebung tut unserem Gemüt gut, es animiert unsere Vitalkräfte und gibt uns Lebensfreude“, weiß Jutta Tappeiner Ebner, bekannte Kräuterpädagogin und Rosenexpertin aus Nals. Ihr Garten hält sie bereits ordentlich auf Trab: Rosen schneiden, Obstbäume zurückschneiden, Knospen verwerten. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1142583_image" /></div> „Momentan bin ich am Sammeln von Knospen, die voll von wertvollen Inhaltsstoffen sind“, sagt sie. Heinbuchen, Haseln und Hagebutten sind gerade an der Reihe. Hagebuttenmazerat sollte in keiner Hausapotheke fehlen, es helfe bei Erkältungen und viralen Infektionen. Nebenbei wird Zigori für einen schönen Löwenzahnsalat gestochen, der Bärlauch geerntet, ebenso sprießt das „grüne Elixier“ Vogelmiere. Aus den frisch gesammelten Veilchen setzt sie ein wohlriechendes Öl nach Hildegard von Bingen an, die entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung sei erstaunlich. <BR /><BR />Man könne ihm kaum genug Wertschätzung entgegenbringen, dem saisonal wiederkehrenden Wunder sich erneuernder Natur. Ihr sollte der Mensch Autonomie zugestehen, die Chance auf Wildnis und Vielfalt. Lazy Gardening, also faules Gärtnern, nennt sich der dazugehörige Trend. Altes Holz, Kleinstlebewesen und sogenanntes Unkraut wie der Ackerschachtelhalm erfüllen dabei genauso ihren Dienst wie die Vogelmiere oder Rosenstöcke. Forsythien blühen. Ahhh.