Samstag, 26. August 2017

„Was wächst wie?“ (3): Die Dattel

Woher kommt Baumwolle und woraus wird Kaffee gewonnen? Im täglichen Gebrauch verwenden wir zahlreiche Produkte, wissen aber oft nicht genau, woher sie eigentlich stammen. STOL fragt deshalb: „Was wächst wie?“ Diesmal unter der Lupe: die Dattel.

Die Dattelpalme wurde bereits im alten Mesopotamien angebaut.
Die Dattelpalme wurde bereits im alten Mesopotamien angebaut. - Foto: © shutterstock

Eine orientalische Kulturpflanze, die bereits im alten Mesopotamien angebaut wurde: Die Rede ist von der Dattelpalme. Die „Echte Dattelpalme“ gehört zur gleichlautenden Gattung der Dattelpalmen und zur Familie der Palmengewächse. Ihre Früchte werden Datteln genannt.

Die Datteln erreichen eine Größe von 4 bis 5 Zentimeter und am Ende ihres Reifungsprozesses haben sie einen warmen, goldbraunen Ton. Je dünnhäutiger, weicher und saftiger sie sind, desto besser ist ihre Qualität.  

„Deglet Nour“: Die beliebteste Dattel

Die beliebteste Exportdattel ist die „französische Muskatdattel“, auch „Deglet Nour“ bezeichnet. Sie zeichnen der Geschmack nach Karamell und ihre Saftigkeit aus, da sie nur für kurze Zeit getrocknet wird. Sie erzielt am Weltmarkt einen der höchsten Dattelpreise. Liebhaber müssen für 1 Kilogramm  rund 11 Euro auf den Tisch legen.

Negativ fällt aber auf, dass sie im Vergleich mit den gewöhnlichen Dattelpalmen viel Wasser braucht.   

300 bis 500 Früchte pro Palme

Beim Anbau der Dattelpalme beginnt alles – wie meistens im Pflanzenreich – mit der Bestäubung. Einige Wochen später bilden sich beerenartige Früchte an der Rispe. An den Fruchtständen reifen bis zum Ende 300 bis 500 Früchte heran.

Die Rispenstränge biegen sich nach unten. - Foto: shutterstock

Im Laufe des Reifungsprozesses werden die Rispenstränge durch die wachsenden Früchte immer schwerer und biegen sich nach unten. Um einem Abbruch vorzubeugen, werden diese Stränge auf das nächst-untere Palmenblatt gebunden. So sind sie später auch leichter zu erreichen.

Mit Plastiksäcken gegen hungrige Vögel

Im Oktober wird die Ernte eingeholt. Jede Palme bringt um die 50 bis 150 Kilogramm Datteln ein. Damit die Ernte aber erfolgreich ist, müssen die Datteln während des Jahres abgedeckt werden.

Sie werden in schützende Plastiksäcke oder gewachste Papiertüten gehüllt. Diese bewahren die Früchte vor dem Appetit der Vögel und Insektenarten sowie vor starkem Regen und hoher Luftfeuchtigkeit. Andernfalls könnten die Datteln aufplatzen, faulen oder Risse bekommen.

Hauptanbauer im Nahen und Mittleren Osten

Die größten Dattelanbauer sind unter anderem Ägypten und Saudi Arabien, während Die Vereinigten Arabischen Emirate und der Irak zu den Hauptexporteuren gehören.

Der Iran kann sich zu beiden Kategorien zählen. Die Vereinten Arabischen Emirate und Indien sind nebenbei die größten Dattelimporteure.

In Europa gehören Frankreich und Deutschland zu den größten Käufern als auch Verkäufern von Datteln.

Sorgt für mehr Flora und Fauna in der Wüste

Dattelpalmen lassen Wüsten und Halbwüsten nicht ganz so karg und trocken aussehen. Besonders Oasen profitieren von deren Anbau.

Dort sorgen sie für eine ausgezeichnete Bewirtschaftung des zerbrechlichen Lebensraums, weil zwischen den Dattelpalmen weitere Pflanzen aufgrund ihrer vor Wind und starker Sonneneinstrahlung schützenden Eigenschaft angepflanzt werden können. Außerdem verbraucht die Pflanze relativ wenig Wasser. 

Alles findet Verwendung

Wie bei der Banane (Siehe eigener Bericht) kann auch bei der Dattelpflanze beinahe alles zu etwas Sinnvollem weiterverarbeitet werden.  

Aus Palmwedeln können Zäune, Matten und Körbe geflochten werden. Sogar einfache Hütten werden daraus gebaut. Handelt es sich um noch junge Blätter, so können sie wie Gemüse verzehrt werden.

Bürsten, Säcke oder Seile können aus den Fasern der Blattstiele angefertigt werden und der Stamm der Pflanze wird dazu verwendet, um Brunnen und sogar Brücken herzustellen. Aus Stämmen älterer Pflanzen kann Saft gewonnen und aus den Dattelkernen Öl gepresst werden.

Im Bild: Datteln mit einer Zitronen-Käse-Paste. - Foto: shutterstock

Die Dattel gehört im Nahen und Mittleren Osten sowie in den maghrebinischen Ländern zu den Grundnahrungsmitteln. Von Brot über ein pikantes Gericht bis hin zu Sirup, Mehl, Wein oder Paste: Die Dattel findet in vielen Gerichten und Getränken Anwendung.

Während frische Datteln nur von September bis Januar erhältlich sind, können getrocknete das ganze Jahr genossen werden. In Europa werden sie als kleine Stückchen im Müsli, Obstsalat oder Weihnachtsgebäck gegessen.

Lesen Sie auch die anderen Folgen der STOL-Serie „Was wächst wie?“  Safran und Banane .

stol/mai

stol