Samstag, 02. September 2017

„Was wächst wie?“ (5): Die Kartoffel

Woher kommt Baumwolle und woraus wird Kaffee gewonnen? Im täglichen Gebrauch verwenden wir zahlreiche Produkte, wissen aber oft nicht genau, woher sie eigentlich stammen. STOL fragt deshalb: „Was wächst wie?“ Diesmal unter der Lupe: die Kartoffel.

Die Kartoffeln gehören in Europa zu den Grundnahrungsmitteln.
Die Kartoffeln gehören in Europa zu den Grundnahrungsmitteln. - Foto: © shutterstock

Sie gehören im europäischen Raum neben Nudeln und Reis zu den Grundnahrungsmitteln: die Kartoffeln, hierzulande auch als „Erdäpfel“ bezeichnet. Sie gehören zur Familie der Nachtschattengewächse, zu denen sowohl Nahrungspflanzen als auch Zierpflanzen gehören.

Die Pflanze kann eine Höhe von 1 Meter erreichen. Knapp über der Oberfläche, oft sogar noch unterirdisch, bildet sie Knollen. Ihre Blätter sind herzförmig, haben ein stumpfes Ende und sind flaumig behaart.

Die Geschichte der Kartoffel in Europa begann mit den spanischen Entdeckern und Eroberern in Südamerika. Bei ihrer Rückkehr brachten sie stets ihnen neue und unbekannte Pflanzen und Früchte wie die Kartoffel mit nach Hause.

Auch wenn Bauern sie zunächst an ihr Vieh verfütterten und nur die Blüten von den Adeligen bewundert wurden, schaffte sie später den Durchbruch und gehört heute zu den wichtigsten Lebensmitteln.

Benötigt viele Nährstoffe

Optimale Anbaubedingungen findet die Kartoffel bei einem Temperaturtagesmittel um die 19 Grad Celsius. Sollten die Temperaturen unter 10 Grad Celsius sinken oder über 30 Grad Celsius steigen, wird ihr Wachstum erschwert.

Ideal für den Anbau ist ein Boden mit vielen Nährstoffen, so  werden oft Mist und Kompost verwendet, um den Boden fruchtbarer zu machen. Die Bodentemperatur sollte zwischen 15 bis 18 Grad Celsius liegen.

Vorbereitungen bereits im Herbst

Um die Kartoffel erfolgreich anzupflanzen, muss bereits im Herbst mit den Vorbereitungen begonnen werden. Damit der Boden locker wird, muss er umgegraben und gepflügt werden. Oft wird diese Prozedur im Frühjahr wiederholt, um den Boden so locker, feinkrümelig und trocken wie möglich zu gestalten.

Die Kartoffeln benötigen einen lockeren, umgepflügten Boden. - Foto: shutterstock

Die Kartoffelknollen können folglich im Frühjahr direkt eingepflanzt oder vorgekeimt werden. Letzteres bedeutet, dass das Pflanzgut 2 bis 3 Wochen lang bei Temperaturen um die 10 Grad Celsius oder nur 3 bis 4 Tage bei 20 Grad Celsius in einem mit Pflanzenerde und Wasser gefüllten Behälter gelagert wird.

Bei diesen Temperaturen und dem Licht ausgesetzt, keimen die Knollen vor. Vorteil bei dieser Variante ist, dass die Kartoffeln größer, zahlreicher und oft auch früher bereit zur Ernte sind.

Erst im April einsetzen

Da die Kartoffel frostempfindlich ist, sollte sie erst im April eingepflanzt werden. Gesetzt wird sie häufig durch spezielle Legemaschinen in einer Tiefe bis zu 10 Zentimeter unter der Erde in einem Reihenabstand zwischen 60 und 90 Zentimeter. Die Pflanzen zueinander sollten einen Abstand zwischen 25 und 40 Zentimeter aufweisen.

Um die Kartoffelknollen vor Frost zu schützen, kann das Beet mit einem Vlies abgedeckt werden. Dieses hält den Boden warm, spart Wasser und kann sogar das Wachsen von Unkraut unterdrücken. Wenn kein Vlies verwendet wird, muss das Beet fortlaufend, vor allem bei längeren Trockenperioden, gegossen werden.

Stellt hohe Anforderungen bei der Lagerung

Die Erntezeit ist abhängig von der jeweiligen Sorte. Handelt es sich um Frühkartoffeln, so können sie bereits nach 90 bis 120 Tagen geerntet werden, mittelfrühe Kartoffeln nach 120 bis 150 und Spätkartoffeln erst nach 150 bis 180 Tagen.

In einem nächsten Schritt werden die Kartoffeln von den Pflanzenresten und Wurzeln befreit und anschließend gesäubert. Die besten Lagerungsbedingungen finden sie bei gut belüfteten Lagerstätten bei 5 bis 10 Grad Celsius, rund 90 Prozent Luftfeuchtigkeit und wenig Lichteinfall. Aufgrund dieser Anforderungen ist das Lagern recht kostenintensiv.

Eine ausführliche Erklärung zum Anbau der Kartoffel finden Sie auch im Video von OBI.

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Etwa 376 Millionen Tonnen jährlich

Im Jahr 2013 betrug die Weltproduktion 376 Millionen Tonnen Kartoffeln.

Die 20 größten Anbauer der Pflanze produzieren beinahe 80 Prozent der Welternte. Dazu gehören unter anderem China, Indien, Russland aber auch die USA, Deutschland und die Ukraine.

Kann wahre Wunder wirken

Die Kartoffel bietet einen vielfältigen Anwendungsbereich: besonders in der Küche, egal ob als Beilage oder als Hauptgericht.

Im Bild: Kartoffeln mit Schinken und Pilzen. - Foto: shutterstock

Aber auch in der Kosmetik kann sie wahre Wunder wirken. Sie kann die Haut beruhigen und die Haare bei regelmäßiger Anwendung dunkler machen. Außerdem ist mit einer Kartoffel-Maske Entspannung vorprogrammiert.

Lesen Sie auch die anderen Folgen der STOL-Serie „Was wächst wie?“  Safran, Banane, Dattel, Kaffee und Kakao .

stol/mai

stol