Mittwoch, 07. August 2019

„Was wächst wie?“: Die Vanille

Woher kommt Baumwolle und woraus wird Kaffee gewonnen? Im täglichen Gebrauch verwenden wir zahlreiche Produkte, wissen aber oft nicht genau, woher sie eigentlich stammen. STOL fragt deshalb: „Was wächst wie?“ Diesmal unter der Lupe: die Vanille.

Vanille wird auch das „schwarze Gold" genannt.
Vanille wird auch das „schwarze Gold" genannt. - Foto: © shutterstock

Vanille wird aus den fermentierten Kapselfrüchten („Schoten“) verschiedener Arten der Orchideen-Gattung hergestellt. Die Orchideengattung „Vanilla“ umfasst 110 Arten, nur 15 davon liefern aromatische Kapseln - die Vanilleschoten. Sie wird auch „Königin der Gewürze“ genannt und erzielt derzeit auf dem Weltmarkt Kilopreise von bis zu 600 Euro.

Angebaut wird die Gewürzvanille vor allem auf Madagaskar und anderen Inseln im Indischen Ozean. Dort befinden sich Plantagen voll mit Vanillepflanzen. Ihre Schoten werden bis zu 30 Zentimeter lang und werden noch gelbgrün - also kurz vor der Reife - geerntet. Die frischen Früchte haben allerdings nicht das typische Aroma und auch nicht den typischen Vanillegeschmack.

Eine frisch geerntete Vanilleschote. -Foto: shutterstock

Eine frisch geerntete Vanilleschote. -Foto: shutterstock

Diesen bekommen sie erst, wenn sie der "Schwarzbräunung" unterzogen werden. Dabei werden die Früchte mit Heißwasser oder mit Wasserdampf behandelt. Danach werden sie in luftdichten Behältern bis zu 4 Wochen lang fermentiert. Dieses aufwendige Verfahren ist ein Grund für den hohen Vanillepreis, derzeit kostet ein Kilo 600 Euro.

Ein weiterer Grund ist die künstliche Bestäubung. Die Blüten werden per Hand innerhalb von 12 Stunden nach der Öffnung bestäubt. Lässt man sich länger Zeit, findet keine Bestäubung statt, die Blüte verblüht und es wird keine Kapselfrucht produziert.

 

Die händische Bestäubung der Vanillepflanze ist ein aufwendiger Prozess. -Foto: shutterstock

Die händische Bestäubung der Vanillepflanze ist ein aufwendiger Prozess. -Foto: shutterstock

Schon bei den Azteken beliebt 

In Mexiko wird die Vanille schon seit jeher geschätzt. Bei den Azteken mussten die Menschen eine Teil ihres Tributs in Vanille ableisten. Damals war das Gewürz für die reichen Herrscher bestimmt. Nachdem die Europäer in Mexiko ankamen und die Vanille nach Spanien brachten, fand sie auch dort langsam Verbreitung. Allerdings weiterhin nur in den Kreisen der Reichen und Mächtigen. Spanien verhängte ein Ausfuhrverbot. Jeden, der die Vanille außer Landes brachte, erwartete die Todesstrafe. Erst im 19. Jahrhundert - nach der Unabhängigkeit Mexikos - verbreitete sich die Pflanze in Resteuropa. 

Heute ist der größte Abnehmer für das Gewürz der Getränkehersteller Coca Cola. 1985 wollte man die Vanille in den verschiedenen Getränken durch synthetische ersetzen, das scheiterte allerdings am Widerstand der Konsumenten.

Außerdem wird Vanille zur Aromatisierung von Kakao, Schokolade und zahlreichen weiteren Süßigkeiten verwendet. 

Auch Vanilleeis enthält das beliebte Gewürz. -Foto: shutterstock

Auch Vanilleeis enthält das beliebte Gewürz. -Foto: shutterstock

Im Jahr 2016 wurden weltweit insgesamt 7940 Tonnen Vanille produziert. Der Großteil davon - nämlich fast 3000 Tonnen davon -  in Madagaskar.

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stol/lmu

stol