Wie es um die hiesige Jagdkultur bestellt ist und welchen Stellenwert die Jägerschaft in Südtirol hat, weiß Landesjägermeister Günther Rabensteiner.<BR /><BR /><b>Herr Rabensteiner, wozu dieses Buch über die Jagdbräuche?</b><BR />Günther Rabensteiner: Das Brauchtum verbindet in vielerlei Hinsicht, es stärkt die Gemeinschaft der Jäger. Diese pflegt eine Vielzahl an Bräuchen, und es ist doch gut, wenn diese Tradition dokumentiert wird, bevor dies oder jenes womöglich in Vergessenheit gerät. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1165536_image" /></div> <BR /><b>Um was für althergebrachte Gepflogenheiten handelt es sich denn hier?</b><BR />Rabensteiner: Im Buch wird ein sehr breites Spektrum abgedeckt, dieses reicht vom Jagdhornblasen bis hin zum Brauch des letzten Bissens, vom Jagdgewand bis hin zur symbolhaften Sprache der Brüche. Apropos Sprache: Sehr interessant finde ich auch das Kapitel über Südtiroler Dialektnamen einiger Tiere und Pflanzen. <BR /><BR /><BR /><b>Brüche? Was hat es damit auf sich?</b><BR />Rabensteiner: Es ist die Zeichensprache der Jäger, mithilfe von Zweiglein hinterlässt der Jäger einem später folgenden Jäger Hinweise für die Nachsuche. Je nachdem, wie die Ästchen gesteckt sind, signalisieren sie den Ort des Anschusses, die Fluchtrichtungen des beschossenen Wildes („Fährtenbruch“) oder kennzeichnet eine Gefahrenstelle („Warnbruch“). Wenn das Wild erlegt und tot ist, dann erhält es einen kleinen Bruch in den Äser oder Schnabel als symbolisches Zeichen für die letzte ewige Äsung und Ausdruck der Dankbarkeit. Mit dem Erlegerbruch auf der rechten Seite des Hutes signalisiert der Jäger, dass er etwas erlegt hat. <BR /><BR /><b>Sind Tierpräparate als Jagdtrophäen noch üblich?</b><BR />Rabensteiner: Ja, bei besonderen Stücken schon, so etwa lässt man sich ein erlegtes Spielhuhn präparieren, weil wir davon nur mehr wenige schießen. Auch Reh- und Gamsböcke sind als Trophäen beliebt. <BR /><BR /><b>Welche Rolle spielt heutzutage noch das Jagdhorn bzw. die Jagdhornbläser?</b><BR />Rabensteiner: Jagdhornbläser sind unsere Kulturträger und genießen einen entsprechend großen Stellenwert in der Jägerschaft. Früher haben sie zumeist die Hubertusfeier, Hubertusmessen sowie Beerdigungen umrahmt, mittlerweile blasen sie die Signale auch bei Dorffesten oder runden Geburtstagsfeiern. Und natürlich auch bei den örtlichen Hegeschauen. In Deutschland und Österreich werden nach den Gemeinschafts- und Treibjagden die Totsignale des erlegten Wildes intoniert. Bei uns ist das nicht üblich. Unterm Strich gibt es in Südtirol mehr als 200 Jagdhornbläser, die in 28 Jagdhornbläsergruppen organisiert sind.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1165539_image" /></div> <BR /><b>Die Jagd muss sich zunehmend kritischen Fragen stellen. Was sagen Sie Menschen, die den grundsätzlichen Sinn und Zweck der Jagd bezweifeln?</b><BR />Rabensteiner: Das ist ein wichtiger Punkt, umso wichtiger ist Aufklärung. Denn die Jäger sorgen für die Regulierung des Wildbestandes und achten auf eine gesunde Entwicklung des Waldes. Das ist gerade jetzt ein Gebot der Stunde, angesichts der vielen Freiflächen infolge von Windwurf, Schneedruck und Borkenkäferschäden. Das Schalenwild frisst gerne frische Triebe, hier muss man schauen, das Gleichgewicht zum Schutz des Waldes zu gewährleisten. Versuche, das Wild und den Wald sich selbst zu überlassen, gab es beispielsweise im Nationalpark Stilfser Joch. Diese Versuche sind fehlgeschlagen. Hinzufügen möchte ich auch, dass Jäger zusammen mit Jagdaufsehern und Bauern Jahr für Jahr viele Hunderte Rehkitze retten oder dass Jagdaufseher sich um die mehr als 1.000 Wildunfälle im Jahr kümmern. All das trägt zur guten Akzeptanz der Jägerschaft in der Bevölkerung bei. <BR /><BR /><b>Wie groß ist die Jägerschaft in Südtirol?</b><BR />Rabensteiner: Die Gesamtzahl von etwa 6.200 Jägern und Jägerinnen ist seit 20 Jahren konstant geblieben. Vor dem Hintergrund des eklatanten Rückgangs in Italien, wo im selben Zeitraum von ehemals 2,5 Millionen Jäger heute gerade noch 600.000 übrig geblieben sind, ist das beachtlich. Der Frauenanteil ist im Steigen begriffen, aktuell sind 500 Jägerinnen aktiv. Auch das ist ein erfreuliches Zeichen. <BR /><BR /><b>Was fasziniert Sie persönlich an der Jagd?</b><BR />Rabensteiner: Von jedem Pirschgang nimmt man neue, interessante Beobachtungen mit, wirklich von jedem einzelnen. Mir geht es gerade um diese Beobachtungen, um das Umherstreifen in der Natur und Bergwelt, um die schöne Kameradschaft. Man muss beileibe nicht immer etwas schießen. Die Prüfung habe ich 1992 gemacht, ich bin nun seit 33 Jahren Jäger. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1165542_image" /></div> <BR /><BR /><b>Buchtipp:</b><BR />Das Buch über Jägerbräuche in Südtirol mit dem Titel „Alte Hüte, gute Bräuche“ (128 S., Athesia Verlag) wurde vom Südtiroler Jagdverband herausgegeben. Erhältlich in allen Athesia-Buchhandlungen.