<b>von Hildegard Kröss</b><BR /><BR />Auf Weihnachten habe ich mich das ganze Jahr gefreut“, sagt der 76- jährige Luis Thaler. Aufgewachsen in den kargen Nachkriegsjahren erlebte er Weihnachten als ein bescheidenes, besinnliches Fest. <BR /><BR />Weihnachten begann bei ihm zu Hause ein paar Tage vor dem eigentlichen Fest; da wurde der Christbaum besorgt. „Wir Buben durften mit dem Vater in den Wald gehen, einen Baum zu holen, und das war jedes Mal ein besonderes Erlebnis“, erzählt Luis.<BR /><BR />Aufgestellt und schön geschmückt mit Kugeln und Kerzen wurde der Baum dann an Heiligabend. Dazu gab es eine einfache Papierkrippe, die mit Moos verschönert wurde.<BR /><BR />Thalers Frau Anna ist auf dem Putzerhof in der Fraktion Putzen aufgewachsen. „Zu Weihnachten stand das Kirchengehen im Vordergrund“, sagt sie. So war am Heiligen Abend der Besuch des Rorates am frühen Morgen genauso selbstverständlich wie um Mitternacht der Besuch der Christmette. <BR /><BR />Das war bei Luis genauso. Er stieg mit seinen Geschwistern und seinem Vater zu Fuß hinunter ins Tal; eine Dreiviertelstunde brauchten sie. „Der Vater ging mit der Laterne voraus und bahnte uns einen Weg durch die zumeist tief verschneite Landschaft“, erinnert sich Luis. Sie trugen immer Schneestrümpfe und oft auch Steigeisen.<BR /><BR />Einen noch weiteren Weg hatte seine Frau Anna zurückzulegen. Sie und ihre Geschwister fuhren immer mit dem Schlitten ins Tal; heimwärts ging es zu Fuß. Das bedeutete mindestens eine Stunde Gehzeit, waren doch 700 Höhenmeter zu bewältigen. Und natürlich gab es noch keine so gute passende Winterkleidung wie heute. „So waren wir bei Schnee und Kälte oft richtig durchgefroren“, erzählt Anna. <BR /><BR />Aber die Freude war groß, als sie heimkamen, denn in der Zwischenzeit hatte das Christkind Geschenke gebracht. „Es waren nur bescheidene, einfache Geschenke, meistens selbst genähte oder gestrickte Kleidung und Nüsse und Mandarinen“, erinnert sich Luis. Spielzeug gab es kaum, aber da es während des Jahres selten neue Kleidung gab, war die Freude riesengroß. Anna erinnert sich, dass sie einmal eine einfache geschnitzte Holzpuppe – ohne Arme – bekommen hat.<BR /><BR />Nach der Rückkehr von der Mette gab es Nudelsuppe mit Fleisch. „Da langten wir richtig zu, denn der Heilige Abend selbst war bis zum frühen Abend noch ein Fasttag“, sagt Luis.<h3> Erst fasten, dann Festessen</h3>Am Christtag gab es dann ein großes Festessen mit Braten und Knödel und danach noch Wiener Schnitzel – eine absolute Seltenheit. „Als Nachspeise gab es ‚ingmogte Krapflar' und geschlagene Sahne“, erinnert sich Anna. Das sind kleine Mohnkrapfen in Butter – mit Mohn und Zucker bestreut.<BR /><BR />Ansonsten verlief der Christtag sehr ruhig. Nach dem Essen haben die Erwachsenen gerastet und selbstverständlich blieben alle an diesem Tag nur zu Hause. <BR /><BR />„Auch wenn wir nicht viel hatten, war es doch eine wunderschöne Zeit. Es gab keinen Stress, alles lief ruhig ab, alles hatte seine Zeit, seinen Rhythmus“, sagt Luis nachdenklich. Und manchmal wünscht er sich ein bisschen etwas von dieser Zeit zurück