Dienstag, 26. Dezember 2017

Welthit mit Cellulite: Anitta und ihr Po bewegen Brasilien

In den ersten elf Sekunden ist im Musikvideo nur ihr Hinterteil im knappen Höschen zu sehen - unverkennbar mit Cellulite. Die 24-jährige Anitta schickt sich an, mit dem Favela-Hit „Vai malandra” („Auf geht's, schlechtes Mädchen”) zum neuen Popstar Brasiliens zu werden. In den vergangenen Tagen wurde das Lied mit den eingängigen Beats bei Youtube schon rund 60 Millionen Mal aufgerufen.

Anitta bei einem Auftritt in Las Vegas. - Foto: APA/AFP/Getty
Anitta bei einem Auftritt in Las Vegas. - Foto: APA/AFP/Getty

Und als erstes Lied auf Portugiesisch überhaupt schaffte es „Vai malandra” unter die weltweiten Top 20 des Musikdienstes Spotify. Gerade weil Anitta bekannt dafür ist, ihren Körper, die Sexualität in den Mittelpunkt zu stellen, ihre Funk-Musik auch mit ihrem Sex-Appeal zu verkaufen, hat rechtzeitig zum Hochsommer und zur Badesaison auf der Südhalbkugel das Video zu Weihnachten eine riesige Debatte in Brasilien ausgelöst - wegen der Darstellung der Frau als Lustobjekt, aber noch mehr wegen der Cellulite. Denn das Schönheitsideal setzt viele Frauen im fünftgrößten Land der Welt massiv unter Druck - Brasilien ist eines der führenden Länder bei Schönheitsoperationen.

„Die echte Frau hat Cellulite”

Selbst bei den Festessen zu Weihnachten war das Video in Rio ein kontroverses Thema - Anitta wird auch vorgeworfen, mit dem bewussten Zurschaustellen der Cellulite nur den Werbeeffekt für das Lied erhöhen zu wollen. Sie weist das zurück. „Es war meine Entscheidung, das Video nicht nachzubearbeiten”, sagt Anitta im Interview dem Portal „O Globo”. „Die echte Frau hat Cellulite. Ich bin sehr froh über die positive Wirkung.” Man müsse sich endlich zusammentun, um diese ganzen Körpervergleiche zu stoppen, sagt die Sängerin.

An der Copacabana werden in diesen Tagen wieder die geölten Körper gebräunt, in kaum einem Land ist das Selfiemachen und das Reden über das Aussehen so verbreitet. Stolz wird auf Partys erzählt, wenn die Frau sich die Brust hat operieren lassen oder der Mann die Nase.

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Anittas Video (mit Mc Zaac, den Rappern Maejor und Tropkillaz sowie DJ Yuri Martins) spielt in der Favela Vidigal in Rio und spiegelt das Alltagsleben wider. Es geht auch um Sex, Frauen sonnen sich auf einer schäbigen Dachterrasse, nur mit schwarzen Klebestreifen an den Intimzonen, um perfekt aussehende weiße Bikinistreifen zu bekommen. Aber auch hier sind im Video ganz normale Frauen zu sehen, ohne Nachbearbeitungen - ein Gegensatz zur sonst oft in Rio inszenierten, mit Photoshop bearbeiteten Hochglanzwelt.

Anitta, alias Larissa de Macedo Machado, begann ihre Karriere mit 17 als Funk-Sängerin, die typisch ist für die Favelas der Olympiastadt 2016. Mal lässt sie sich am Billardtisch von Männern in dem Video bezirzen, dann auf der Dachterrasse, wo sich die Frauen mit Klebestreifen bräunen. Das macht das Video zum Song zugleich zu einer sehr ambivalenten Sache.

Gegenstück zu den #MeToo-Debatten

In sozialen Medien wird darauf verwiesen, dass hier mal wieder die Frau als Lustobjekt inszeniert wird - ein kulturelles Gegenstück zu den #MeToo-Debatten um sexuelle Belästigung in Europa und den USA. Es werden im Video alle Klischees der Machogesellschaft bedient.

apa/dpa

stol